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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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310 Baukunst der neuesten Zeit: Gebäudearten.

umschließt das eingefriedigte Gehöft noch eine beträchtliche Anzahl von Baulichkeiten für wirt-schaftliche Zwecke, Ställe, Scheunen und Schuppen. Der Hof des Jarls oder des Königs mußtevor allem noch den Saal enthalten zum Empfang und zur Beherbergung der Gäste. Der Saaloder die Halle bildete in der Regel ein oblonges Gebäude von einiger Größe für sich und hatteeinen Vorraum an der östlichen Giebelfeite, der in der Mitte geteilt war. Der Hauptraum derHalle war wieder vom Fußboden bis zum Dach offen: in der Mitte brannten die Langfeuer,deren Rauch durch Dachöffnungen hinauszog. Diese Öffnungen dienten als einzige Lichtquellenund waren wie im Hause mit stellbaren Klappen versehen; Fenster waren nicht vorhanden. Eslassen sich zwei Arten der nordischen Halle unterscheiden: bei der einen standen die Bänke anbeiden Langseiten, und meist in der Mitte der nördlichen Bank befand sich der geräumige Hochsitzdes Hausherrn mit den heiligen Hochsitzsäulen. Gegenüber in der Mitte der südlichen Bankerhob sich der Hochsitz für den vornehmsten Gast; bei der andern, vermutlich jüngeren Hallen-form stand eine Querbank an der schmalen Rückwand des Raumes, und in der Mitte derselbenstand der Hochsitz des Königs. Mit dieser Anordnung beginnen die Langfeuer in der Mitteder Halle zu verschwinden, und gemauerte Öfen traten an deren Stelle. Es ist denkbar, daßbei der ersten Hallenform die Anlage von Schlafverschlägeu an den Seitenwänden üblich war,

2:1. Fränkisch - skrrdeutschrs Nnnerichaus.

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bei der zweiten Form werden dieselben nicht erwähnt. In diesem Falle schliefen die Gäste ver-mutlich in den oberen Ramloftstuben, oder es war ein besonderes Schlafhaus vorhanden. DieQuerbank der zweiten Hallenart wurde in der Regel von den Frauen benutzt. Die nordischenHäuser und Hallen waren ganz aus Holz als Reiswerk- oder als Blockbau hergestellt, und essoll denselben nach den schriftlichen Nachrichten nicht an Schmuck gefehlt haben. Die Hochsitz-säulen sowie die Thürpfosten waren mit Schnitzereien in der Tier- und Bandgeflecht-Ornamentikverziert. Die Wände muß man sich im Innern mit Teppichen umhängen, auch wohl mit inHolz geschnittenen Flachreliefs bedeckt denken. Ein Skaldenlied preist die Reliefs in einemnorwegischen Hause, welche Baldurs Lod und Thors Kampf mit der Midgardschlange dar-stellten. Das norwegische Haus zeigt den meisten Bezug zu den andern manschen Formen undbesonders zu dem ostdeutschen Typus des deutschen Bauernhauses. Zugleich war die nordischeHalle sicher das Vorbild des Tempels, nur stand in diesem das Götterbild an Stelle des Hoch-sitzes, und vor dem Bilde brannte das heilige Herdfeuer auf eisernem Gestelle.

Nach der Zeit der Völkerwanderung finden wir auf deutschem Boden zwei Grundtypen desBauernhauses vor, die sich in Spuren bis heute erhalten haben, wenn auch nicht mehr ganz inursprünglicher Gestalt: das fränkisch-oberdeutsche und das sächsisch -niederdeutsche. Der Typusdes fränkischen und zugleich alamannischen Hauses ist vermutlich in Süddeutjchland, in derUmgebung der Rauhen Alp, einem der ersten Ansiedeluugsplätze deutscher Stämme nach den

Stürmen der Völkerwanderung, entstanden undist der am weitesten verbreitete geblieben; er be-herrscht ganz Ober- und Mitteldeutschland. Dasfränkische Hans ist von Ursprung an fast aus-schließlich zu Wohnzwecken bestimmt und fordertin jeder Ackerwirtschaft eine Anzahl Nebengebäudezur Ergänzung. Der Haupteingang liegt auf einerLangseite und bringt eine Querteilung des Grund-risses hervor. Der Flur oder Öhrn geht bis zurRückwand durch, und au beiden Seiten desselbenliegen Stuben oder Kamniern; außerdem befindetsich vor der Eingangsseite des Hauses eine dreifachgeteilte Vorhalle oder Laube. In dieser einfachenForm begegnen wir dem fränkisch - deutschen

212. Grundriß des fränkisch-oberdeutschenSauernhauses.

2 Obrn lFlurhaus). d Wobnstube, L Küche,s Vorratskammer, s Stall oder Kammer.