Wohnhausbau: DaS deutsche Bauernhaus. ZU
keineswegs von der römischen Antike abgeleiteten Haustypus bereits auf dem berühmten, ausdem 8. Jahrhundert stammenden Klosterplane von St. Gallen . Das Gästehaus des Planes,nördlich der Kirche gelegen, zeigt einen annähernd quadratischen Hauptraum mit dem Herdund dem Oberlicht in der Mitte und Bänken und Tischen an den Wänden. Zu jeder Seitedes Hauptraumes befindet sich ein Nebenraum, und vor der Langseite des Hauses ist einedreifach geteilte Vorhalle angebracht, deren mittlerer Teil als Eingang dient, während diebeiden Seitenverschläge als Räume für das Gesinde bezeichnet sind. An der Rückseite desHauses liegt eine der Vorhalle entsprechende Anlage, die zu Pferdeställen bestimmt ist, undweiterhin, durch Gänge mit dem Hause verbunden, die Latrinenanlage. — Vereinfacht durchden Fortfall der Hinteren Verschlüge zeigt sich dieselbe Grundrißanlage an dem im Gemüse-garten gelegenen Gärtnerhause des Klosters. Auch hier ist die Vorhalle pnit den Seiten-verschlägen für Gehilfen vorhanden, und ebenso die Räume zu Seiten des Öhrn, von denender rechts gelegene als heizbar bezeichnet ist. Es ist nun allerdings von den St. Gallener
srs. KLchsisch-niederdeutsches Naoernhnus.
Häusern nur der Grundriß überliefert, indes muß man schließen, daß der mittlere Herdraum,ebenso wie in dem früher geschilderten altnordischen Wohnhause, nur durch ein Oberlicht erhelltsein konnte, welches einen zweistöckigen Aufbau ausschloß. Die noch erhaltenen Muster desfränkisch-oberdeutschen Hauses, selbstverständlich aus bedeutend jüngerer Zeit stammend, zeigenentschiedene Abweichungen von den St. Gallener Häusern, aber immer noch den gleichen Grundriß-typus. Der alte mittlere Herdraum ist zu einem schmalen Flur mit eingebauter Küche geworden,das Deckenlicht ist durch Seitenfenster ersetzt, der heizbare Nebenraum hat sich immer mehr aus-gedehnt und ist zur Wohnstube geworden. Die Anlage von Seitenfenstern an der vorderenLttngswand hat den Fortfall der geschlossenen Vorhalle bedingt; nur ein Rest derselben konntewr dem Haupteingange erhalten bleiben. Nach der Beseitigung des Deckenlichtes war dieMöglichkeit des Einziehens einer Zwischendecke und des Aufbaues eines Oberstockes gegeben.Das fränkische Bauernhaus ist in Holzfachwerk mit gestalten Fachen hergestellt und das Giebel-dach mit Stroh oder Schindeln gedeckt. Die Hofstätte, welche das Haus einschließt, zeigt fastdurchweg eine annähernd quadratische Form und ist außerdem mit einer Anzahl Baulichkeitend^fktzt- In der Regel liegt das Wohnhaus an einer Ecke des Hofes mit dem Giebel nach derStraße; der Langseite des Hausesgegenüber findet das Stallgebäudeund au der Hinterseite des Hofesdie Scheune Platz. An der StraßeSieht sich eine hohe Mauer hin, inwelcher sich die Thordurchfahrt undeine besondere Pforte für Fußgängervsfnet. Häufig ist der ThoreingangÜberbaut, und es bildet sich eineignes mit einem niedrigen Sattel-dach abgeschlossenes Thorhaus.
Der zweite Haupttypus des deut-schen Bauernhauses, der sächsisch -niederdeutsche, erscheint, minde-stens nach den erhaltenen Beispielen,noch viel altertümlicher als derfränkische, obgleich es keineswegs
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