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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Nordamerikanische Wohnhausbauten. 327

In der Neuzeit hat man vielfach, der vorherrschenden sozialen Strömung folgend,nach den geeignetsten Lösungen für den Bau der Arbeiterhäuser gesucht, besonders wennes sich um die Einrichtung gesonderter Arbeiterkolonien in der Nähe größerer Fabrikenhandelte. Die Doppelhäuser der Arbeiterkolonie Leinhausen bei Hannover liegen inzwei Reihen zwischen zwei Straßen und sind von kleinen Gärten umgeben. Jede Wohnungbesteht aus Stube, Kammer und Küche, außerdem aus einem zugehörigen Keller- undBodenraum. Die Umfassungsmauern der Häuser sind hohl gemauert, und der Fußbodender Zimmer liegt 1,o rn über dein Terrain. — Die für Eisenbahnarbeiter und Unterbeamtebestimmten dreigeschossigen Wohnhäuser des Arbeiterdörfchens bei Stuttgart , von Morlockentworfen, sind an einem Bergabhange terrassenförmig angelegt. Die beiden unterenGeschosse der Häuser sind in Stein, das obere aus Riegelfachwerk hergestellt. Es sindzwei Kategorien von Wohnungen eingerichtet, nämlich solche mit zwei oder drei Zimmern;zu jeder Wohnung gehören ferner eine Küche, ein Abort, sowie Keller und abgeteilterGemüsegarten. Die Häuser enthalten entweder je sechs oder zwölf Wohnungen und sindfreundlich im Stile der Deutschrenaissance ausgebildet. — Eine Baugesellschaft hat beiMannheim eine zusammenhängende Gruppe von Arbeiterhäusern durch Manihot aus-führen lassen, und zwar als einstöckige Doppelhäuser mit Vorgarten und kleinem Stall-gebäude, unterkellertem Erdgeschoß und zwei Giebelstuben. — Die Arbeiterhäuser inMünchen-Gladbach, von Neu erbaut, bilden zumeist Doppelhäuser von zwei Geschossen.Die getrennte Anlage von Arbeitervierteln in der Peripherie der großen Städte hatübrigens wenig Empfehlenswertes. Wo es nicht auf das Gebundensein an eine bestimmteArbeitsstätte ankommt, ist es daher geeigneter, wenn man die Arbeiterwohnungen mit denender übrigen Klassen, vielleicht als Hofwohnungen verbindet. Hierdurch wird gleichzeitigdie Absonderung der Gesellschaftsklassen möglichst vermieden und dem Arbeiter und seinerFamilie ein gelegentlicher Nebenverdienst von den umwohnenden wohlhabenderen Familiengesichert.

Nordamerikanische Wohnhausbauteil.

Das Bauwesen in Nordamerika hat sich etwa seit den siebziger Jahren des19. Jahrhunderts in so eignen Bahnen entwickelt, daß eine eingehendere Würdigung desin dem neuen Weltteile auf diesem wichtigen Gebiete Geleisteten an dieser Stelle jedenfallsam Platze ist; ganz abgesehen von einer etwaigen Rückwirkung auf die Architektur dereuropäischen Länder.

Konstruktives. Gewaltige Höhenentwickelung undunumschränkte Herrschaft des echten Baumaterials zeichnendie amerikanische Bauweise aus; die turmhohen Häusersind allerdings erst seit etwa 20 Jahren entstanden undfinden ihren Grund in den beträchtlich gestiegenen Ban-Platzpreisen. Mit dem Baue der Turmhäuser sind dieElevatoren zur unumgänglichen Notwendigkeit geworden.

Die Bauordnung in Chicago schreibt vor, daß die Häuserdie Zahl von sechzehn Geschossen und eine Gesimshöhevon 150 Fuß nicht überschreiten sollen; unterdes sind inNew Jork schon höhere Häuser entstanden. Für die hohenHäuser fertigt man jetzt ein vollständiges Metallgerippe,ähnlich einem Fachwerksbau, und stellt die Wände davorund dazwischen. Äußere Backsteinmauern bleiben stets im

23 l. Grundriß eines einfachen ameri-kanischen NrihenfamiUcnhanfes.

Material sichtbar; auch an den Nebenfassaden wird an echtem Material nichts gespart:ist die Hauptfassade etwa in Granit ausgeführt, so hat die Rückfassade vielleicht eineähnliche Architektur in Terrakotta erhalten. Amerika ist reich au natürlichen Bausteinen:Granit findet sich in den verschiedensten Farben vom Dunkelrot bis zu Gran und Weiß;ebenso ist weißer Marmor, verschiedenfarbiger Sandstein, salmfarbiger Qnarzit, fein-körniger Kalkstein, hellgrüner Serpentin in Menge vorhanden. Indes ist das Haupt-baumaterial der Backstein, und zwar wird der Feinziegel zu Verblendungszwecken in