337
Gebäude für öffentliche Zwecke.
einzelnen und in der systematischen Durchführung der wagerechten Gesimse. — Ein groß-artiges Rathaus für München hat Hauberisser in den sechziger Jahren in dem Stileder deutschen Spätgotik geschaffen. Für die endlich erfolgte Ausführung des Rathausesin Hamburg , welche durch mehrere Wettbcwerbungen vorbereitet war, haben sich eineAnzahl Hamburger Architekten vereinigt, und zwar unter Zugrundelegung einer Skizzevon Martin Hallen.
Die Dienstgebäude für Ministerien und andre hohe Staatsbehörden, zu denenwir uns jetzt wenden, gehören in ihrer gesonderten Einrichtung und zweckentsprechendenAusbildung fast ausschließlich der neueren Zeit an. In der Regel umfaßt die Anlageaußer den Diensträumen auch die Wohnung des Ministers. Ein neueres Beispiel bietetdas Gebäude des Kultusministeriums in Berlin an der Straße „Unter den Linden ",von Kühn entworfen und 1883 vollendet. Das Gebäude besteht aus Kellergeschoß , Erd-geschoß und zwei Obergeschossen. Die Geschäftszimmer nehmen den größten Teil desErdgeschosses und einen Teil des ersten und zweiten Obergeschosses ein. Die Wohnungdes Ministers liegt im ersten Obergeschoß und ist mit Rücksicht auf möglichste Ausnutzungder nach dem Hofe gekehrten Südfront für Wohnungszwecke angeordnet. Ein Teil derJnnenräume ist künstlerisch ausgestattet, die Fassade ist in Haustein ausgeführt und miteinem Fignrenfriese von künstlerischer Bedeutung bekrönt.
Für die Geschäftshäuser der Provinz-, Kreis- und Ortsbehörden sind in derNeuzeit mehrfach Neubauten notwendig geworden, in denen die Verbindung der Geschäfts-räume mit Wohnungen für den obersten Beamten angestrebt wurde. Das Regierungs-gebäude in Stade, von Endell entworfen, besteht aus einem Kellergeschoß und dreioberen Geschossen. Im Kellergeschoß liegen die Wohnungen für den Botenmeister undden Hauswart,' das Erdgeschoß enthält den Sitzungssaal nnd die Geschäftsräume desVerwaltungsgerichts, außerdem die Regierungshanptkasse und die Wirtschaftsräume zurWohnung des Regierungspräsidenten. Letztere liegt im ersten Obergeschoß, zusammenmit den Geschäftsräumen der Präsidialabteilnng. Das zweite Obergeschoß enthält wiederzur Präsidentenwohnung gehörige Räume, außerdem eine Anzahl Bureaus. — EinGeschäftshaus für eine Kreisbehörde hat Baumeister Schwechten in Wittenberg erbaut.Hier liegen die Geschäftsräume im Erdgeschoß, im oberen Geschoß Sitzungssaal und Bor-saal für den Kreistag, sowie die Wohnung für den Landrat. Das Gebäude ist im Äußernin Backsteinrohbau hergestellt. Ein stattliches Haus für die Provinzialvertretung ist dasLandeshans für die Provinz Brandenburg in Berlin , Matthäikirchstraße, von Endeerbaut und mit einer Fassade in rotem Sandstein ausgestattet.
Die Ausbildung der Gerichtshäuser der Gegenwart konnte' wenig auf ältereVorarbeiten zurückgreifen, weil das Gerichtswesen selbst gegen früher ganz andre Formenangenommen und sich in verschiedene Unterarten zerlegt hat. Das Kriminalgerichtshanszu Berlin-Moabit ist in Verbindung mit einem ziemlich ausgedehnten Untersuchungs-gefängnisse zur Ausführung gekommen. Das eigentliche Gerichtsgebäude enthält vierSitzungssäle für Strafkammern und zwei große Schwurgerichtssäle mit allem Zubehör,ferner nenn Schöffensäle, nebst den nötigen Beratungszimmern, Gerichtsschreibereien,Zimmer für Richter, Sachverständige und Zeugen, Räume für Staatsanwälte, Rechts-anwälte, die Direktoren, Präsidenten u. s. w. — Der Justizpalast in Wien ist in denJahren 1875—81 durch v. Wilemanns errichtet. Der ringsum freistehende Ban enthältin der Hauptachse eine große mit Glas überdeckte Wandelhalle, ferner fünf Höfe. VierEingänge entsprechen den verschiedenen hier untergebrachten Gerichtshöfen; es sind diesder oberste Gerichts- und Kassationshof, das Oberlandesgericht, das Landesgericht inZivilsachen und das Handelsgericht. Der Justizpalast enthält außer Sockel- und Erd-geschoß ein Zwischengeschoß und zwei Obergeschosse. Drei große Bogenthüren führen indie Vorhalle, und von dieser tritt man in den dreigeschossigen, glasgedeckten Arkadenhof,in die Zentral-Wandelhalle. Inmitten derselben beginnt der Anstieg der großartigenaus Untersberger Marmor hergestellten Haupttreppe, die sich vom Mittelpodest ab zwei-armig teilt nnd in die den Hof im ersten Stock umgebende Halle mündet. Um die Halleund sämtlich von dieser zugänglich liegen dann die der Öffentlichkeit dienenden Ver-Das Buch der Erfind. I. 43