344 Baukunst: Gebäude für öffentliche Zwecke.
gleicher Höhe ist der eingeschossig behandelte Mittelbau emporgeführt, dem eine tempel-artige Halle vorgelegt ist. Das Äußere des Gebäudes ist in edler hellenischer Renaissancedurchgebildet, und als Hauptbaustoffe sind Granit, Marmor und Sandstein zur Ver-wendung gekommen. — Das deutsche Reichshaus in Berlin , am Königsplatz gelegen,ist von Paul Wallot entworfen und in den Jahren 1884—1894 vollendet. Im Laufeder Bauausführung ergaben sich mehrfache Veränderungen, namentlich die Verlegung desSitzungssaales vom Obergeschoß in das Erdgeschoß und die erst 1890 erfolgte Zurück-verlegung der Kuppel von der Halle an der Westseite über den großen Sitzungssaal.Der Hauptbaukörper des Reichshauses bildet ein Rechteck mit vier Turmrisaliten an denEcken; außerdem gliedert sich die Baumasse in einen breiten Mittelbau und zwei Seiten-teile, welch letzteren je einen nicht allzugroßen Hof umschließen. Der Haupteingang liegtnach Westen unter einer Säulenvorhalle; außerdem liegen Eingänge in den Mitten derdrei andern Fronten. Im Hauptgeschoß ergeben sich, neben dem den Kern des Ganzenbildenden großen Sitzungssaal, drei selbständige Baugruppen: erstlich die große Wandel-halle und die Räume für die Abgeordneten, zweitens südlich die Räume für den Bundes-rat, drittens nördlich die Räume des Reichstagsvorstandes. Der rings von Korridorenumgebene, im Grundriß viereckige große Sitzungssaal ist in der Höhe des Zwischen-geschosses an drei Seiten mit Tribünen eingeschlossen und nach oben durch eine flacheOberlichtdecke abgeschlossen, über welcher sich die Glashaube erhebt, welche an Stelle desfrüher projektierten Kuppelbaldachins getreten ist. Für die innere Ausbildung desSitzungssaales ist an den Wänden meist Eichenholz verwendet, einmal der günstigerenAkustik und dann auch der zu erzielenden Behaglichkeit halber. Die Ostwand des Saales,an der sich die Sitze des Bundesrats, des Präsidiums mit der Rednerbühne, sowie diePlätze der Stenographen und der Tisch des Hauses befinden, soll durch bedeutsamenplastischen und malerischen Schmuck hervorgehoben werden, dessen Ausführung der Zukunftvorbehalten bleibt. Sämtliche äußeren und Hoffassaden des Reichshauses sind in monu-mentaler Weise in Sandstein ausgeführt; die Lichthaube über dem Sitzungssaale ist inEisen und Kupfer mit Zuhilfenahme reicher Vergoldungen hergestellt. Die Formen derFassadengestaltung lehnen sich im ganzen an die der italienischen Hochrenaissance an,indes sind im einzelnen die Bildungen der Spätrenaissance benutzt. Außerdem ist derArchitekt bemüht gewesen, den deutschen Charakter des Baues hervorzuheben, wozu dieTürme und die belebten Unterbrechungen der Attika wesentlich mithelfen.
Die Universitäten treten zuerst im Mittelalter auf, mit den Schulen des Altertumsfindet kein Zusammenhang statt. Fast sämtliche Universitäten Europas stammen vondenen in Bologna und Paris ab, mit Ausnahme der Medizinschnlen von Salerno undMontpellier, der sprachlichen Schule von Sevilla und eines Teiles der englischen Hochschulen.Die älteste deutsche Universität war die in Prag 1348 von Kaiser Karl IV. gestiftete;darauf folgten die Universitäten in Wien, Heidelberg, Köln und Erfurt , sämtlich noch im14. Jahrhundert. Von den baulichen Einrichtungen der alten Universitäten ist wenigerhalten. Das 1380 in Prag zur Universität eingerichtete Gebäude dient heute noch alsKollegienhaus; erhalten ist von der ersten Anlage die allgemeine Form des Festsaales miteinem ausgekragten, schönen gotischen Erker, in dem sich die Universitätskapelle befindet. —Aus dem 17. Jahrhundert stammt die unter Richelieu von Lemercier erbaute Sorbonnezu Paris , die aber in den letzten Jahren durch Ne'not einem gründlichen Um- undErweiterungsbau unterzogen ist. — Das im 18. Jahrhundert in Wien errichtete Kollegien-haus dient heute den Zwecken der Akademie der Wissenschaften. — Das Kollegienhaus inHeidelberg , 1711—1715 von Melchior Kircher errichtet, ist 1829 erneuert und in denachtziger Jahren von Durm im Innern teilweise umgebaut, namentlich ist die Aulakünstlerisch umgestaltet. Das Kollegienhaus der Universität in Berlin , 1754—1764von Boumann Vater als Palais des Prinzen Heinrich von Preußen erbaut, ist 1809 fürdie Zwecke der Hochschule eingerichtet und in den vierziger Jahren unsres Jahrhundertsdurch Busse neuausgebaut.
Unter den Neubauten der letzten zwei Dezennien gehört die Universität zu Straß-burg, von Warth in den Jahren 1879—84 errichtet, zu den hervorragendsten. Das