Band 
Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
Seite
353
JPEG-Download
 

Gebäude für öffentliche Zwecke. Z5A

Säle. Um diese Räume sind an allen vier Seiten die mit Seitenlicht versehenen Musenms-räume angereiht. Das Äußere des Baues ist in Backsteinrohbau mit sparsamer Ver-wendung von Quadersteinen durchgeführt und mit Sgrasfitofriesen verziert.

Der neuere Theaterbau hat durch die schon oben erwähnten Bauten Sempers,namentlich auch durch seinen unausgeführt gebliebenen Entwurf zu einem Festtheater inMünchen, dann durch den hervorragenden Bau des Wiener Opernhauses durch van der Nullund Siccardsbnrg eine wesentliche Fortbildung erfahren, welche namentlich der bequemerenund reichlicheren Einrichtung der Foyers und Treppenhäuser zu gute gekommen ist. DasPariser Opernhaus Garniers hat nur noch eine Steigerung des bereits in Wien Ge-botenen bewirkt. Für den Ban eines kleineren Theaters, des Stadttheaters in Halle,lieferte Geling einen Entwurf, dessen Vorzüge in der Einfachheit des Grundrisses undder gelungenen Ausbildung der Vorräume für das Publikum bestehen. Den in neuererZeit vielfach auftauchenden Gedanken des Volkstheaters hat March in Worms in an-sprechender Weise zur Verwirklichung gebracht, und zwar in der stilistischen Anlehnung anden romanischen Formenkreis. — Ein Beispiel der feineren Ausbildung des jetzt sobeliebten Spezialitätentheaters gab Ebe im Apollotheater zu Berlin .

Den Typus des modernen Konzerthauses festgestellt zu haben ist das Verdienstvon Gropius und Schmieden, und zwar in dem Bau des Konzerthanses für Leipzig ,dessen Gesamtanordnung ebenso einfach wie großartig wirkt. Der gut akustische Saalbildet einen schachtelförmigen Raum von mäßiger Höhe, und die darunter liegende Garderobehat eine bemerkenswert bequeme Einrichtung erfahren. — Großartige Volksvergnügungs-lokale sind die Flora in Berlin und der Palmengarten in Frankfurt a.M., erstere nacheiner Skizze von Otzen durch Stier entworfen und ausgeführt, letzterer von H. Th. Schmidtherrührend.

Es kommt Wohl auch ausnahmsweise vor, daß die moderne Bauentwickelung ineiner oder der andern Klasse der öffentlichen, Profanzwecken dienenden Gebäude dieHöhe der antiken Leistungen auf demselben Gebiete nicht wieder erreicht hat. Einesolche Ausnahme bilden die Bäder; denn in der That bleiben alle modernen derartigenAnlagen weit zurück hinter den Prachtanlagen der römischen Kaiserbäder, welche denhöchsten Grad monumental architektonischer Ausbildung darstellten. Wir brauchen hiernicht noch einmal auf die großartigen Bäder des alten Rom zurückzukommen, die bereitsfrüher in dem betreffenden Abschnitte geschildert wurden. — Mit diesen verglichen sinddie Leistungen des Mittelalters kaum beachtenswert; die vielfach berufenen „Badestuben"dieser Zeit sind den Berichten nach nur sehr notdürftige Anlagen gewesen. Erhalten hatsich aus dieser Zeit nichts, außer den Judenbädern in Friedeberg in Hessen, in Halberstadt und Speier. Der Gebrauch dieser Bäder unterlag den Kultusvorschriften, nach denen nurQuell-, Regen- oder Grundwaffer und zwar ohne künstliche Erwärmung zur Anwendungkommen durfte. In Speier muß man 9,s na zum Grundwasser durch einen überwölbtenTreppengang Herabsteigen. An die erste geradarmige Treppe schließt sich ein mit einemKreuzgewölbe auf Säulen überdeckter Raum an, an dessen einer Seite sich eine Auskleide-nische befindet, während an der andern Seite eine halbkreisförmige Wendeltreppe in dennahezu quadratischen Badeturm hinunterführt. Der Turm ist wieder mit einem Kreuz-gewölbe überdeckt und so hoch geführt, daß die Anlage kleiner Seitenfenster möglichgeworden ist. Das etwa aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammende Bad in Speierist nicht mehr im Gebrauch, wohl aber das ebenfalls aus dem Mittelalter herrührendein Halberstadt . — Die Renaissance hat eine Anzahl reich durchgebildeter Baderäume inPalästen geschaffen, von denen auf deutschem Boden das Bad im Fuggerhause zu Augsburg zu den reizvollsten gehört.

Noch unmittelbar mit der Römerzeit in Verbindung stehen die Bäder in Budapest ,welche durch natürliche heiße Quellen gespeist werden. Altofen hieß römisch L-gninoinw,die Fünfquellenstadt. Das bedeutendste und künstlerisch durchgebildetste Bad in Budapest ist das Raitzenbad, welches 1860 durch v. Ml neu ausgebaut ist; das große Herren-dampfbad und das fein ausgestattete Damendampfbad gehören zu den Sehenswürdigkeiten.In dem Brückbad ist noch als Mittelpunkt das türkische Bad mit einer Kuppel erhalten,

Das Buch der Erfind. I. 45