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Das Eisen als Baumaterial.
2,8 in und ruhen 99 in über Terrain zu je dreien nebeneinander auf den vier Haupt-pfeilern. Für noch größere Spannweiten dienen endlich die Fachwerk- oder Gitterträger,die hauptsächlich für den Brückenbau zur Ausführung kommen und bereits für Spann-weiten von ca. 500 in nutzbar gemacht sind.
Neben den auf diese Weise allmählich heransgebildeten Möglichkeiten der Anwendungvon Schmiede- bezw. Walzeisen zur horizontalen Überdecknng von Räumen und Öffnungenließ man es aber auch nicht an der Pflege des Gußeisens fehlen, das sich zur Her-stellung von Vertikalstützen hervorragend eignet und in ästhetischer Beziehung einerweitgehenden Ausbildung fähig ist. Völlig neu und eigenartig traten diese schlankenEisenstützen, deren Höhe bis zum Zwanzigfachen des Breitendnrchmessers gesteigert werdenkonnte, zur Zeit ihrer ersten Verwendung ins Auge und forderten eine längere Gewöhnung,weil allen unsern bis dahin bekannten Konstruktionsweisen das Steinmaterial zu Grundelag und sich aus ihm auch die gewohnten Stilformen des Bauens entwickelt haben. Erstallmählich boten die großen Ausführungen von Bahnhofshallen, Ausstellungsräumen u. s. w.Gelegenheit zur Schulung des künstlerischen Gefühles auf diesem ganz neuen Gebiete derBaukunst. Die endgültige Überwindung aller hierbei auftretenden ästhetischen Schwierig-keiten aber darf wohl erst vom kommenden Jahrhundert erwartet werden. Inzwischenlassen sich die mannigfachsten Versuche anstellen, da das Gußeisen jede Art der Formgebunggestattet und es für die Tragfähigkeit ganz gleichbedeutend ist, ob die Säulen einen rundenoder eckigen Querschnitt haben. Unsre Abb. 288 zeigt z. B. eine Säule von rechteckigemQuerschnitt, wie solche in neuerer Zeit für die Frontstützen bei großen Kaufladenfensternbeliebt sind. Die Wandungen einer solchen Säule werden nicht über 1,s bis 2 amstark gegossen, und es sind für das untere und obere Auflager genügend starke Plattenvorzusehen. Haben mehrere Säulen eine Trägerkonstrnktion von beträchtlicher Längeaufzunehmen, so muß der Ausdehnungsmöglichkeit dieses Eisenwerkes Rechnung getragenwerden, weshalb die Säulen nicht fest eingespannt sein dürfen, sondern ein sogenanntesPendelauflager erhalten, wie dieses gleichfalls in Abb. 288 gezeigt ist. Sollen die Stützenin Schmiedeeisen konstruiert werden, so setzt man sie aus vernieteten Winkel-und Quadrant-eisen zusammen oder konstruiert sie als Fachwerksäulen, wobei gleichfalls Winkeleisen undStegeisen vernietet werden. In beiden Fällen können sich, wie dieselbe Abbildung zeigt,sehr verschiedene Querschnittformen ergeben. Der höhere Preis und die geringereBildsamkeit der äußeren Form haben indessen diese Säulen bis jetzt für den Wohnhaus-bau nur selten zur Anwendung gelangen lassen.
Nicht nur für einzelne Träger und Stützen aber hat sich das Eisen als ein vor-trefflich brauchbares Baumaterial erwiesen, sondern ebenso sehr auch in Form von Eisen-fachwerk als Tragekonstruktion in unmittelbarem Zusammenhange mit massiven Stein-wänden. Unsre Abb. 289—292 zeigen einen Eisenfachwerkschuppen, dessen Konstrnktionsteileaus vernieteten Blechplatten und Winkeleisen zusammengesetzt sind. Hierbei brauchen dieVerriegelungen und Verstrebungen nur aus Band- oder T-Eisen hergestellt zu werden,was gegenüber dem Holzfachwerkban den namhaften Vorteil mit sich bringt, daß dasMauerwerk durch letztere nicht jedesmal unterbrochen wird, sondern von Geschoß zuGeschoß in Zusammenhang aufgeführt werden kann. Nur durch solche Eisenfachwerk-konstrnktion wurde es möglich, die vielgeschossigen Turmhäuser Amerikas zu erbauen.Bei diesen würden nämlich die für die unteren Geschosse erforderlichen Mauermassen dieBenutzung der darin befindlichen Räume ganz unmöglich gemacht haben, wenn nicht einEisen- bezw. Stahlgerüst die ganze Last aufnähme und die Mauern nur von Geschoß zuGeschoß vorgeblendet wären.
Zu den zahlreichen Vorteilen, die der Eisenbau mit sich brachte, glaubte man anfänglichauch die vermeintlich größere Feuersicherheit rechnen zu müssen, denn was sollte nochbrennen, wenn alle tragenden Teile aus Stein und Eisen hergestellt sind? — Die Er--fahrnng hat aber gelehrt, daß ein Brand durch die in den Gebäuden lagernden Warenreichere Nahrung erhält, als durch die Konstruktionsmaterialien an und für sich und daßdie von ersteren entwickelte Hitze leider völlig genügt, um das Eisen glühend werden bezw.sogar schmelzen zu lassen. Bei dem Brande des in unsrer Abb. 293 dargestellten Lagerhauses