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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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442 Ortsanlagen.

neue Städte gegründet werden, meist an Stellen früherer ländlicher oder kriegerischerNiederlassungen, aber doch in der bewußten Absicht, einem wichtigen Verkehrspunkt, einerStraße, einem Flußübergang, einer Strommündung, einem Hafen durch neue starke Be-festigung besonderen Schutz zu bieten und durch Anweisung von Grundbesitz, durch Ver-leihung von Freiheiten, Vorrechten und Privilegien, namentlich durch Gewährung einerweisen Verfassung, eine thatkräftige Bevölkerung dorthin zu ziehen, welche die Vorzügeder Lage zum Heile des Ganzen besonders auszunutzen vermöge. In der That galtenunsern Vorfahren als Merkinale einer Stadt gegen eine ländliche Niederlassung äußerlichdie Befestigung: „Bürger und Bauer scheidet nichts als die Mauer" — innerlich aberdie selbständige freie Verfassung gegenüber der in Hörigkeit versunkenen Landschaft undder Willkür des burgbewohnenden Adels. Für die Neuzeit, wo befestigte Städte seltengeworden sind, besteht das Merkmal einer Stadt gegenüber einer dörflichen Gemeindeeben nur in ihrer anders gearteten Verfassung.

Gegenüber diesen drei Hauptveranlassungen zu Ortsgründungen, der Landwirtschaft,dem Kriege und dem Handel, spielen später auftretende Momente, wie die Laune einesFürsten, der sich in lieblicher Gegend einen Ort für seinen Hofhält erbaut, das Bedürfnisnach Orten der Erfrischung und Heilung im Gebirge, an der Heilquelle, an der See, dieAnsnützung eines besonderen gewerblichen Betriebes, der Zahl nach nur eine Nebenrolle.

Mag sich nun der Beginn der Niederlassung zu allen Zeiten und an allen Orten aufähnliche Veranlassungen hin vollziehen, so sind doch die begleitenden Umstände so ver-schieden, daß es an dieser Stelle zu weit führen würde, über Geschichte der Ortsgründungenmit besonderer Berücksichtigung Deutschlands mehr als nur einige allerkürzeste Bemerkungenzu bringe».

Wenn die Entstehung zahlreicher Städte der alten Kulturvölker vorchristlicher Zeitauch völlig im Dunkeln steht, wenn für andre sagenhafte Gründer genannt werden, soliegen doch für einzelne bestimmte geschichtliche Angaben vor. Hat man doch von derLustresidenz König Sargons II., Dnr-Sarrukin bei Ninive , erbaut im Jahre 706 v. Chr.,sogar den Grundstein gefunden, welcher auf sieben Tafeln aus verschiedenem Gestein dieGründungsurknnde enthielt. Die Lande um das Mittelländische Meer wurden zuerst vonden Phönikern, dann von den Griechen kolonisiert; man denke nur an die meerbeherrschendenHafenstädte Karthago, Syrakns, Neapel, Marseille. Alexander der Große gründete außerAlexandria in Ägypten noch zahlreiche Städte in den von ihm eroberten Ländern, undseine Nachfolger thaten nach seinen: Beispiel. Über die Orte Latiums liegen mancherleiGründnngssagen vor, namentlich auch die bekannten über die Anfänge der Stadt Rom .In geschichtlicher Zeit fanden die Römer ihrerseits zwar Spanien, Gallien und selbstBritannien schon mit Städten der bisherigen Bevölkerung versehen, aber längs des Rheinsund der Donau noch Raum genug für neue Pflanzstätten.

In der Zeit, wo das germanische Volk aus dem Dunkel der Geschichte hervortritt,waren Römer die Erbauer der ältesten deutschen, österreichischen und schweizer Städte.Von den zahlreichen Kolonien, die im Anschluß an befestigte Lager hier, meist an derStelle früherer keltischen Niederlassungen, entstanden, nennen wir längs der römischenDonau - und Rheingrenzen, die durch einen Damm nebst Graben geschützt waren, sowiein der Schweiz: Viuäobona an Stelle des heutige» Wien, luuriaouiu Lorch , Usutia Linz,luvavum Salzburg , Oastra batava Passau, Raäisbona oder 6astra roxina Regensburg,^»Austa Vinäsliooruin Augsburg, Ouria Chur, Urixauuin Brixen, UarUmnuiu Parten-kirchen, Urixantiuin Bregenz, Konstanz , ^nAnsta Ranraooruin Basel Angst, Lasilsa Basel,Älons KrwiaonZ Breisach, ^rxeutoratum das spätere nach seiner Bestimmung, die Heer-straße zu schützen, genannte Straßburg, ^guas ^urslias Baden-Baden , Urds HamotuinSpeier, LorbstonmAns Worms, AoAnntisonin Mainz, ^guas Auttiaoas Wiesbaden,Ooutluöutss Koblenz, ^.ntunnaoum Andernach, Lonua Bonn, Oolonia ^.Ai-ippiususis Köln ,Hovssiuin Neuß, Oastra vstsra Tanten, luiAäunnrn Leiden und die Stadt der Trevirer -rrier.Die Germanen, welche durch dichten Urwald gedeckt, ohne feste Städte auf zerstreutenGehöften hausten, drängten, nachdem die Römer es aufgegeben hatten, sie in ihrem eignenLande zu bekämpfen, lange Zeit vergeblich gegen die verschanzte Grenze an. Endlrch