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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Ortsanlagen: Die öffentlichen Plätze.

einen geschäftlichen Zweck dienen, sondern lediglich dazu, Licht und Luft in ein engesGassengewirr zu schaffen, der Bevölkerung Raum zur Sammlung und Erholung, derJugend Räume zum Spielen zu bieten, einem bedeutsamen Bauwerk oder Denkmal dienötigen ruhigen Standpunkte zur Betrachtung zu sichern, eine grüne Oase in die Stein-wüste einer großen Stadt zu zaubern. Die einfachste Entstehung solcher Plätze ist dieStraßenerweiterung vor einem öffentlichen Gebäude, namentlich vor der Hauptfront einerKirche, die sich vom einfachen Zurücktreten des Gebäudes hinter die Straßenfront bis zuden gewaltigsten Platzanlagen, wie vor St. Peter in Rom , steigern kann. Dort wird derovale Vorplatz, dessen Mitte ein mächtiger Obelisk, begleitet von zwei doppelgeschossigenehernen Springbrunnen, einnimmt, von vierreihigen Säulenhallen umrahmt, die sich anden beiden längeren Seiten des Ovals weit öffnen. Ein nach der Kirche zu sicherweiterndes Platzviereck schließt sich an. Der Boden steigt vom Obelisken an bis zurKirche, die sich hinter breiten Freitreppen erhebt; auch die Gesimse der begleitenden Hallensind steigend angeordnet, so daß Blick und Sinn der von den Armen der ovalen Kolonnadenumfangenen Pilgerscharen wirklich und symbolisch zu den Thoren des ersten Tempels derChristenheit emporgelenkt wird.

Erweitert sich der Platz derart, daß er das Gebäude, dem er als Vorraum dienensoll, ganz umschließt, oder hält man es für angemessen, einen zu großen Platz durchBesetzung mit einem oder mehreren Bauwerken zu verkleinern, so entstehen Platzformen,wie der zweigeteilte Münsterplatz zu Freiburg im Breisgau und als glänzendes Beispielder Gendarmenmarkt in Berlin, auf welchem zwischen den Kuppeltürmen der Französischen und der Neuen Kirche das Königliche Schauspielhaus: „Prophete rechts, Prophete links,das Weltkind in der Mitten", sich erhebt.

Die eigentlichsten Schmuck-, Versammlungs- und ErholungsPlätze aber sind die un-bebauten, dagegen mit Hallen und monumentalen Gebäuden regelmäßig umbauten, hof-artigen Anlagen, deren Vorbild das alte Forum ist, wie der Kapitolsplatz in Rom (Abb.S. 250),der, von einer Seite offen und durch Treppen und Rampen zugänglich, gegenüber demAufgang den Senatorenpalast und an den beiden andern einander ansehenden Seiten zweigleichmäßig palastartig ausgebildete als Museen benutzte Gebäude enthält, während dieantike Reiterstatue des Kaisers Marc Aurel die Mitte einnimmt. Den viereckigen PlatzColonna in Rom schmückt die antike Riesensänle desselben Kaisers, wie den Vendöme-Platzin Paris die Säule Napoleons I . Der wie ein schöner offener Festsaal anmutendeMarkusplatz in Venedig läßt die Mitte ganz frei. Der Eintrachtsplatz in Paris , vonstatuengeschmückten Brüstungen umgeben, zeigt nach dem Muster des römischen Petersplatzesin der Mitte den Obelisken von Luxor, begleitet von zwei mächtigen Springbrunnen. Anzahlreiche andre schöne derartige Plätze, wie den Königsplatz und den Lustgarten inBerlin, den achteckigen Amalienburgplatz in Kopenhagen , den viereckigen Stanislausplatzin Nancy , könne» wir hier nur erinnern. Der bepflanzten Plätze werden wir bei derBesprechung der gärtnerischen Anlagen gedenken.

Die Anordnung der Plätze ihrer Lage nach war in alter Zeit nicht immer eine will-kürliche, sondern oft durch die Bodenbeschaffenheit geboten, da sie häufig diejenigen Stelleneinnehmen, wo ein zugeschütteter Sumpf die Bebauung erschwerte. In der Nähe vonKirchen ward oft der frühere Begräbnisort zum Kirchplatz. Auch heute noch werden oftfrühere Friedhöfe zu beliebten Parkartig bepflanzten ErholungsPlätzen.

Die Größe der Plätze, so verschieden sie ist, muß doch, wenn sie angenehm wirkensoll, in einem gewissen Verhältnis zu den umhergebauten Gebäuden stehen. DieVergleichung einer ganzen Anzahl gut wirkender oblonger Plätze ergibt ein Verhältnisvon durchschnittlich 75 bis 80 zu 150 bis 160 in. Es sind dies die annähernden Ab-messungen des Forums zu Rom, des Markusplatzes zu Venedig , des Wilhelmsplatzes zuBerlin , auch des Gendarmenmarktes daselbst, wenn man den von den beiden Kirchen, demTheater und der gegenüberliegenden Häuserreihe begrenzten Teil allein in Betracht zieht.Es entspricht diese Abmessung nach der Breite hin dem Vierfachen eines vierstöckigenstädtischen Wohnhauses und etwa dem Dreifachen der Dachhöhen eines monumentalenProfangebäudes, nach der Länge hin dem Drei- bis Vierfachen eines mäßigen Kirch-

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