;28
Gemeinnützige bauliche Einrichtungen der modernen Städte.
Durch die außerordentlich langsame Bewegung in den Klärbecken und durch die zugesetztenchemischen Substanzen werden die in dem Sielwasser enthaltenen Bestandteile gefällt. Ist einBecken so lange im Betrieb gewesen, daß sich ein beträchtlicher Bodensatz gebildet Hai, so wirddasselbe durch den Verschluß der Schieber an der Zuleitungs- und Ableitungsgalerie ausge-schaltet. Nach Beseitigung des Wassers wird der Bodensatz durch eine Schlammpumpe heraus-gehoben, während die am östlichen Ende zurückgehaltenen schweren Ablagerungen durch einenKran herausgeschafft werden. Der Schlamm wird auf die dafür vorbereiteten Lager gebrachtund dort durch den Zutritt der Luft und durch eine Drainage weiter vom Wasser befreit. DasMaschinenbaus, in welchem die erforderlichen maschinellen Einrichtungen untergebracht sind, be-findet sich am westlichen Ende der Klärbecken, nächst der Stelle, an welcher der Schlamm denKlärbecken entnommen wird.
Als Zusatzmittel zur Klärung des Sielwassers werden schwefelsaure Thonerde und Kalkbenutzt. Die zu einer dünnen Flüssigkeit gemischten Substanzen werden, jede für sich getrennt,durch Steingutröh^en nach dem Punkt geleitet, wo das Sielwasser in die Znleilnngsgalerietritt und hier, unter Anwendung zweckentsprechender Mischapparate, zuerst die Thonerde, danndie Kalkmilch dem Wasser zugesetzt. Der getrocknete Schlamm findet in der LandwirtschaftVerwendung.
Will man die Abwässer zur Berieselung verwenden, wie es von Berlin aus inumfangreichem Maße geschehen ist, und im nachfolgenden geschildert werden soll, so mußsich zunächst die den Stamm bildende Druckrohrleitnng über die Bodenfläche des Riesel-gutes verzweigen. Das Ende jedes Zweiges bildet ein Anslaßschieber, welcher, fürgewöhnlich geschlossen, durch den Rieselwärter geöffnet wird, sobald die Berieselung desvon diesem Schieber beherrschten Terrains eintreten soll. Hieraus schon ergibt sich, daßdie Anslaßschieber auf den höchsten Punkten des Terrains angeordnet werdet: müssen.Die Durchmesser der Berzweigungsleitungen verkleinern sich um so mehr, je weiter siegelangen, und je mehr sich somit die Aufgabe der Wasserznführung für sie beschränkt; dieDurchmesser der kleinsten letzten Verzweigungen gehen nicht unter 20 inin hinab, wie dennauch alle Auslaßschieber diese Größe haben.
Aus die noch ungeteilte Druckrohrleitnng, d. h. da, wo dieselbe noch ihren vollenDurchmesser hat, auf einem möglichst hohen Punkt des Rieselfeldes, ist ein oben offenesStandrohr von gleichen: Durchmesser aufgesetzt; dasselbe hat einen doppelten Zweck,zunächst den, ein Sicherheitsventil für die Druckrohrleitung und die Maschinen zu sein,welches in Wirksamkeit tritt, wenn zufällig die vielen, auf dem Rieselfelde vorhandenenAuslaßschieber gänzlich oder zum größten Teil geschlossen sein sollten. Das Wasser kannin diesem Falle oben aus dem Standrvhr durch ein seitliches Fallrohr ins Freie treten.Der andre Zweck ist der, den Rieselwärter:: weithin sichtbar den jeweiligen Druck in derDruckrohrleitung erkennbar zu machen; ein im Innern des Standrvhres befindlicherSchwimmer, welcher auf einer Stange eine Signaltafel trägt, zeigt durch die Differenzzwischen der festen Oberkante des Standrohres und der beweglichen Signaltafel den Wasser-stand im Standrohr an; während der Nacht befindet sich statt der Signaltafel auf derStange eine Laterne, und eine ebensolche an der Oberkante des Standrohres.
Zu dem Zweck, die Felder zur Aufnahme des Rieselwassers und schließlich zurWiederentlassung desselben, nachdem es geklärt ist, geeignet zu machen, werden die leichtgewellten Felder durch Entwässerungsgräben, welche den tiefsten Terrainlinien folgen, ininselförmige Abschnitte geteilt, auf deren höchstem Punkt sich der Auslaßschieber der Ver-zweigungsleitung befindet. Von diesem Schieber aus erfolgt die Verteilung des Wassersdurch offene Gräben oder Thonröhren. Der Boden wird so ausgenutzt, daß auf den amstärksten geneigten Teilen Wiesen, auf den flach geneigten Teilen Gemüsebeete, auf denannähernd Wagerechten Teilen Einstaubecken angelegt werden. Die Wiesen in Größenvon 10 bis 30 a erhalten an ihrem oberen Ende eine sich mit dem Abwasser füllendeFurche, von welcher aus sie ihrer ganzen Fläche nach überrieselt werden. Die Beetewerden terrassenförmig in Gruppen gelegt, innerhalb deren die einzelnen Beete in Breitevon 1 m und Längen nicht über 30 :n von Furchen für das Abwasser umgeben werden.Durch Höherlegen des letzten Beetes jeder Gruppe wird es möglich gemacht, die ganzeGruppe vor der Bcpflanzung mit Rieselwasser zu überstauen. Die Einstanbassins sindhorizontal gelegene Flächen von verhältnismäßig bedeutender Ausdehnung. Sie müssen