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zu schätzen war. Ende März 1894 betrug die Zahl der von den vier städtischen Zentral-stationen versorgten elektrischen Lichter 5673 Bogenlampen und 121262 Glühlampen,so daß sich also in zwei Jahren die Zahl der von diesen Elektrizitätswerken gespeisten Bogen-lampen um 32 o/o und die Zahl der Glühlampen um nahezu 55 °/o vermehrt hat. Nachder vorher angestellten Berechnung entspricht die Zahl der von den Berliner Elektrizitäts-werken Ende März 1894 gespeisten elektrischen Lichter 155 300 Gasflammen. Nimmt manan, daß die Zahl der durch Einzelanlagen betriebenen elektrischen Lichter sich seit der Zeitum etwa 330/0 vermehrt habe, so entspricht diese Zahl etwa 100000 Gasflammen, unddaher werden gegenwärtig in Berlin durch die elektrischen Lampen etwa 255 300 Gas-flammen ersetzt. — Die vier Berliner Elektrizitätswerke sind aus etwa 16000 Pferde-stärken Betriebskraft eingerichtet, was einer elektrischen Leistung von 12 000 Kilowattentspricht. Die Anzahl der gegenwärtig in Europa benutzten elektrischen Lichter kann, inGlühlampen von 16 Normalkerzen ausgedrückt, auf 2flz Millionen geschätzt werden,wovon auf Berlin allein beinahe der zehnte Teil kommt.
Die Beleuchtung des deutschen Reichstagsgebäudes ist als eine der interessantestenund größten elektrischen Anlagen Berlins noch besonders hervorzuheben; dieselbe umfaßtin runder Zahl 115 Bogenlampen und 5400 Glühlampen, außerdem sind für den Be-trieb der Ventilatoren zur Heizung und Lüftung noch 16 Elektromotoren aufgestellt, welchezusammen etwa 100 Pferdestärken leisten. Der elektrische Strom für diese Anlage wirddurch einen Aufwand von etwa 650 Pferdestärken geliefert.
Als ein Meisterstück deutscher Elektrotechnik hat die Beleuchtungsanlage des 98,s binlangen Nordostseekanals zu gelten, denn noch nie zuvor sah sich ein Elektrotechnikervor die Riesenaufgabe gestellt, auf einer Strecke von nahezu 100 bin in der hier gefordertenWeise den elektrischen Strom zu Beleuchtungszwecken zu verwenden. Die Fernleitungdes elektrischen Stromes durch Strecken von großer Länge, für Kraftübertragung undBeleuchtung ist wohl schon mehrfach ausgeführt worden, wie z. B. bei der 28 Irin langenElektrizitätsleitung vom Wassergefälle des Anio bei Tivoli nach Rom , welches sehrbemerkenswerte Unternehmen der Firma Ganz L Co. in Budapest in mustergültigerWeise gelungen ist. Jedoch waren dabei nicht annähernd die Schwierigkeiten zu über-winden, wie sie sich bei der für den Nordostseekanal von der Elektrizitätsgesellschaft „Helios"zu Köln-Ehrenfeld ausgeführten Anlage in den Weg stellten, insofern nicht nur derelektrische Strom längs dieser Strecke bis zu dem andern Ende einfach fortzuleiten, sonderndie ganze Strecke zu beleuchten war. Die Überleitung und Regelung des elektrischenStromes von einem Orte zum andern, selbst wenn diese Orte sehr weit auseinander-liegen, ist eine für den Elektrotechniker sehr einfache Aufgabe, dagegen ist es mit sehrgroßen Schwierigkeiten verknüpft, wenn eine große Anzahl aufeinanderfolgender Lampenbis auf weite Entfernung hin derartig elektrisch betrieben werden soll, daß der ganzeBetrieb die gewünschte Sicherheit bietet und finanziell Befriedigung gewährt. Diegenannte Aktiengesellschaft hatte aber Techniker zur Verfügung, welche während desletzten Jahrzehnts das Wechselstromsystem in bedeutender Weise ausgebildet hatten undwelche dem Unternehmen vollständig gewachsen waren. Die Anlage hat zwei Betriebs-stationen, von denen sich die eine bei Holtenau , die andre bei Brnnsbüttel an den riesigenSchleusenthoren befindet, mit denen der Kanal beiderseits abgesperrt werden kann.Neben den Zentralmaschinenanlagen, welche für den Drnckwasserbetrieb zur Bewegungder Schleusentore und Winden dienen, sind die elektrischen Anlagen errichtet. Jededieser Anlagen enthält zwei langsam laufende große Wechselstrommaschinen nach dem zuerst,und zwar seit 1886 von „Helios" benutzten System, welche mit 85 Umdrehungen in derMinute laufen und von denen jede 200 Pferdestärken zu leisten vermag. Die rotierendenMagnetfelder dieser Maschinen bilden zugleich das Schwungrad der zu ihrem Betriebdienenden Dampfmaschine. Diese Dampfdynamos geben unter normaler Belastung beieinem Dampfdruck von 6 Atmosphären 100 Kilowatt mit 1250 lcA Dampfverbrauch nutz-bar in die Leitung ab, so daß also 1 Kilowatt mit 12 ,s Dampfverbranch pro Stundegeleistet wird. Für den gewöhnlichen Betrieb genügt an beiden Stationen eine Maschine,so daß die andre als Reserve dient. Der Strom wird mit einer Spannung von 200 Volt