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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Geschichtliches: Glasfenster. Farbige Gläser. 183

ketten in den Weg legte. Zur Vermeidung dieses Übelstandes versuchte man, die Glas-masse in verschlossenen Fässern oder Schmelztiegeln zum Fluß zu bringen. Dieses gelangnun auch nicht immer, sondern es zeigte sich, daß die Glasmasse nicht dünnflüssig genugwurde. Um den nötigen Grad der Dünnflüssigkeit zu erreichen, versuchte man alle mög-lichen Mittel; man setzte der Masse z. B. Mennige hinzu und erhielt dadurch ein Produkt,welches das frühere Glas in mancher Beziehung übertraf. Auch Blei wurde also damalsschon in die Glasmasse eingeführt, und es wurde damit versucht, ein schönes ungefärbtesKrystallglas herzustellen, das die Engländer erst in neuerer Zeit fabrizieren lernten. Auseiner Analyse des sogenannten Virgilschen Spiegels geht dieses hervor. Dieser Spiegel, derseit undenklicher Zeit in St. Denis aufbewahrt wurde, enthielt nach Fugeron de Bouderoy,der denselben im Jahre 1787 analysierte, an Blei beinahe die Hälfte seines Gewichtes.Das Bleiglas soll nach Heraclius schon im Mittelalter in Italien im Gebrauch gewesensein, und das beigefügte „solltest lluäänm" scheint, wie dies auch von anderen geschieht,die Erfindung desselben den Juden zuzuschreiben, die — wie bereits am Anfange erwähntwurde — zu den geschicktesten Glasmachern gehörten. Der Florentiner Meri erwähnt inseiner „ars vitraria" im Jahre 1612 häufig das Bleiglas, während das erste englische Patent, das das Bleiglas betrifft, erst aus dem Jahre 1635 datiert. Daraus geht wohlhervor, daß Albions Söhne sich mit Unrecht die Erfindung des Bleiglases zuschreiben.Zur rechten Blüte kam jedoch ebenso wie in Frankreich und Belgien die Fabrikation desBleiglases erst im 18. Jahrhundert.

Ebenso alt wie die Erfindung des Glases ist die Kunst, Glas zu färben, und dieGlasmalerei. Ist es doch viel leichter, ein gefärbtes als ein farbloses Glas darzustellen.Es ist sicher, daß man schon vor 3000 Jahren in Ägypten gefärbte Gläser kannte, unddie künstlischen Edelsteine in ihren Grabstätten sind nichts weiter als künstlich gefärbtesGlas. Die Malerei im Altertume scheint durch künstlich nebeneinander gelegte Farbenvon gefärbtem Glase und Zusammenschmelzen derselben ausgeführt worden zu sein. Eineeigentliche Glasmalerei entwickelte sich jedoch erst nach Einführung der Glasfenster mitdem Bestreben, besonders die Kirchenfenster möglichst mannigfaltig und bunt zu gestalten.Die ersten Anfänge der Glasmalerei finden sich im 11. Jahrhundert, doch entwickelte sichdieselbe erst im 12. Jahrhundert mehr und mehr, als der gotische Baustil den Fensterneine hervorragende Stelle einräumte. Im 17. Jahrhundert geriet die Kunst der Glas-malerei in Verfall, und erst in neuerer Zeit ist sie wieder aufgelebt. Die Glasmalereischeint in Deutschland entstanden zu sein, wenigstens ist uns von einem deutschen MöncheTheophilius oder Rugerus, welcher im 11. oder 12. Jahrhundert bei Paderborn lebte, dieerste Beschreibung über Glasmacherkunst und -Malerei in seinem Werke: „Kollsäulackivtzi-saruiu artinin" überliefert worden.

Die Glasmasse in der ersten Zeit war in der Regel durch Zusammenschmelzen vonSand und Soda als Hauptbestandteile erhalten. Eine wesentliche Umänderung erlitt dieZusammensetzung durch die böhmischen Glashütten. In Venedig und anderen Fabriken ver-wandte man zur Fabrikation das natürlich vorkommende kohlensaure Natron, die natron-haltige Asche der Strandpflanzen. Dagegen war man in Böhmen genötigt, die Asche derWaldbäume zu verwenden, welche für den nämlichen Stoff gehalten wurde. Damals wußteman noch nicht, daß die Asche von Gewächsen des Inlandes Kali enthält, denn erst1757 lernte man beide Körper voneinander unterscheiden; man hatte also in Böhmen statt des Natrons Kali in die Masse eingeführt und war so unbewußt auf einen neuen,wertvollen Bestandteil des Glases gekommen. Auf diesen Umstand sowie auf die großeReinheit der in Böhmen vorhandenen Rohmaterialien führt man die besondere Gütedes böhmischen Glases zurück, das besser ausfiel und einen hohen Ruf erlangte, dersich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Mit der Ausbreitung der Glasindustrienahmen jedoch die Wälder auf dem Kontinente und somit auch das Kali rasch ab, so daßder Preis für Kalisalze bald ein sehr hoher wurde. Aus diesem Grunde sah man sichveranlaßt, wieder auf das Natron zurückzugreifen, das man gegenwärtig noch in Formvon schwefelsaurem Salz verwendet. Ebenso wird mit Holz heutzutage nur sehr weniggefeuert, denn die Einführung der Gasfeuerung hat selbst Braunkohle und Torf für