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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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182 Glasindustrie.

3. Jahrhunderts. Dasselbe geschieht im 5. Jahrhundert durch den heiligen Hieronymus ,und 100 Jahre später beschreibt Paulus Silentiarius die mit Glasscheiben versehenenFenster der Hagia Sophia in Konstantinopel . Die ersten Glasfenster bestanden noch nichtaus einzelnen großen Scheiben, sondern es waren sehr häufig nur Stein- oder Holztafeln,welche die Maueröffnung abschlössen, und deren mehrfache Durchbohrungen mit kleinenGlasstücken versehen wurden. Später wurden die Glasstücke größer, und es trat an Stelleder Stein- oder Holztafeln Gitterwerk und schließlich die Verbleiung. Mit der allmählicherlangten Fertigkeit wurden die Glasfenster billiger und kamen allgemein in Gebrauch;damit aber erwuchs ein Gebrauchsartikel, dessen steigender Bedarf sich sehr einflußreichauf die ganze Industrie erweisen mußte. Die Dichter des Mittelalters erwähnen dasGlas sehr häufig in ihren Bildern, so daß damals Spiegel, künstliche Schmucksachen,Ringe neben anderen Gefäßen reichlich in Gebrauch gewesen zu sein scheinen.

Nach Beda sind zuerst in England die Glasfenster im Jahre 674 durch den AbtBenedict eingeführt worden, der fremde Künstler dort hinkommen ließ, um Kirche undKloster mit Fenstern zu verzieren. Nach anderen soll der Bischof Wilfried im 8. Jahrhundertdie Einführung des Fensterglases veranlaßt haben. In Italien hatten im 8. Jahrhundertdie meisten Kirchen schon Fenster aus gefärbtem Glas, doch zeigten die PrivathäuserFenstergläser erst mehrere Jahrhunderte später. In Wien waren im 15. Jahrhundert diemeisten Häuser schon mit Glasfenstern versehen, während in England Glasfenster erst im17. Jahrhundert allgemein wurden. Ebenso faßte in Rußland die Tafelglasindustrie erstim 17. und 18. Jahrhundert festen Fuß. Die Fabrikation der Glasspiegel war bis zum13. Jahrhundert sehr in Vergessenheit geraten, und diese Kunst blühte erst viel späterwieder auf. Der Ursprung der Erfindung der Glasspiegel ist jedenfalls auf Deutschland oder Frankreich zurückzuführen, denn die früher allgemein als Erfinder und vorzüglicheVerfertiger dieser Gläser genannten Venezianer haben sich lange vergeblich bemüht, dasGeheimnis dieser Fabrikation den Deutschen abzulauschen. Jlg berichtet von einemdeutschen Meister, der in Murano angestellt worden sei, um seine Kunst die Venezianerzu lehren. Der Deutsche aber entfloh, und man konnte in Venedig nach wie vor keineSpiegel herstellen, sondern bezog dieselben wie früher aus Deutschland und Flandern . ImJahre 1564 jedoch erhielt Vincenzo Redor vom Senate das Privilegium, Krystallspiegelnach seiner Erfindung herzustellen. In England wurden 1673 die ersten Spiegel geblasen,während die Fabrikation von Krystallspiegeln erst im Jahre 1773 aufkam. Die ersteGußspiegelfabrik in Deutschland war die zu Neuhaus. Diese wurde im Jahre 1701 vondem Besitzer der Herrschaft Fahrafeld, dem Herrn von Rechtskron, gegründet. Er ließvon St. Gobain französische Arbeiter kommen und die Hütte ganz nach französischemMuster einrichten. Nach seinem Tode ging die Fabrik in den Besitz des Staates über,der sie erst dem Grafen Mikosch, dann dem Baron Saffran verlieh, sie aber 1728 wiederzurückerwarb, wo dieselbe dann bis zum Jahre 1840 im Staatsbesitz verblieb. In diesemJahre wurde sie aufgelöst, da der Holzmangel sich sehr bedeutend fühlbar machte undder Unterhalt der Fabrik Unsummen kostete. Die bedeutendsten Spiegelfabriken in Deutsch-land sind erst nach dem Jahre 1850 entstanden und befinden sich bei Aachen, Fürth ,Stollberg und bei Mannheim . Die dort produzierten Gläser stehen in nichts dem fran-zösischen, in St. Gobain fabrizierten Glase nach.

In Frankreich nämlich hatte die Spiegelfabrikation im 17. Jahrhundert durch Lncasde Nehou einen großen Aufschwung genommen und dieser vervollkommnete das Verfahren,große Spiegelscheiben zu gießen. Von dem Minister Colbert wurde die Industrie sehr be-günstigt, und noch heute bestehen viele Glasfabriken in Frankreich , die zur Zeit Colbertsentstanden sind. Eine ganze Anzahl derselben datiert das Jahr ihrer Gründung mehrereJahrhunderte zurück; so z. B. besteht das berühmte Etablissement des Vicomte van Leempoolzu Qniquengronne (Aisne ) seit mehr als 600 Jahren; es ist seit 1290 im Betrieb.

Da man an vielen Orten gezwungen war, sich statt des Holzes der Steinkohleals Brennmaterial zu bedienen, so zeigte sich häufig, daß die feinen umherschwirrendenKohlenteilchen, die auch in die Häfen und in die Glasmasse kamen, dieser eine dunkleFärbung erteilten, die der Darstellung von reinem, weißem Glase die größten Schwierig-