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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Entwickelung der Chemie.

In der Blütezeit des römischen Reiches gab die durch die großartigen Heereszügeder Römer bewirkte Bekanntschaft mit anderen Nationen Veranlassung zu bedeutendenErweiterungen der uns hier interessierenden Kenntnisse. Wir wissen Näheres darübernamentlich aus den Werken des Dioskurides, der in der Mitte des 1. Jahrhunderts lebte,sowie aus denen des Casus Plinius des Älteren. Auch bei ihnen ist von kritischer Sichtungnoch keine Rede, nur die Thatsachen und Verfahren teilen sie mit. So kennt Plinius das Quecksilber, weiß, daß es Gold auflöst, und daß das so erhaltene Amalgam zum Ver-golden dienen kann, indem man es auf das zu Vergoldende streicht und durch Erhitzenim Feuer das Quecksilber verflüchtigt. Er weiß weiter, daß die Metalle beim Erhitzenan der Luft sich ändern, in ihre Oxyde (Sauerstoffverbindungen), wie wir heute sagen,übergehen, und solche Oxyde wandte man nach ihm in der Arzneikunde an, und so fort.

Eigentliche Chemie finden wir erst bei den Arabern, die durch die UnterwerfungÄgyptens mit auf diese bezüglichen Kenntnissen bekannt wurden und zuerst ernstlichchemische Vorgänge zu erklären versuchten. Aber ihre Thätigkeit auf diesem Felde erhältvon vornherein einen sehr merkwürdigen Hintergrund. Ihre Arbeiten auf diesem Gebietesollen nicht eine Wissenschaft fördern, nicht der Naturerkenntnis dienen, sondern sie haben

den Zweck, künstlich Gold herzustellen und womög-lich den sogenannten Stein der Weisen zu finden,der dem ihn Besitzenden ein in jeder Beziehung glück-liches Leben bringen sollte. Man hat es sehr merk-würdig gefunden, daß die Sucht, künstlich Gold zumachen, erst in den spätesten Zeiten der Völkerwande-rung auftritt, obgleich doch schon die Griechen undRömer sicher große Verehrer dieses Metalles gewesensind. Man glaubt jedoch die Erklärung jetzt hierfürin folgendem finden zu können. Das Altertum hatso viel Gold, als es für seine Zwecke benötigte, imgroßen ganzen besessen. In den Zeiten der Völker-wanderung ging dieser Vorrat aber durch die ewigenKriege verloren, und da die wilden Zeiten auch allenBergbaulahmlegten,trat allmählich einsolcher Mangelan diesem bequemsten Tauschmittel ein, daß man ihminstinktiv auf jede Weise abzuhelfen sich bemühte,und so auf die Idee, die künstliche Herstellung vonGold zu versuchen, verfiel. Solche Versuche sindnoch vereinzelt bis in unser Jahrhundert hinein unter-nommen worden, und man bezeichnet die Zeit, in der diese Vorstellung die Köpfe allerForscher aus chemischem Gebiete beherrscht, wie erwähnt, als die Zeit der Alchemie.

Der bedeutendste sämtlicher arabischer Chemiker ist Geber gewesen, der im 8. Jahr-hundert lebte, und in dessen erhalten gebliebenen Werken sich bereits viele ausgezeichneteBeobachtungen finden. Geber hat Wohl zuerst die Destillation angewandt und so Schwe-felsäure, Salpetersäure und ähnliches erhalten. Durch Zugabe von Salz zur Salpeter-säure erhielt er das Königswasser (jetzt bekanntlich ein Gemisch von Salpetersäure undSalzsäure), welches das Gold löst. Mit Hilfe seiner Säuren stellte er viele neue Ver-bindungen her, so das salpetersaure Silber, das Quecksilberchlorid und ähnliche. Fürdie Möglichkeit der künstlichen Goldherstellung gibt er folgende Theorie. Alle Metallesind von einem Vater und von einer Mutter geboren, setzen sich also aus mehreren Be-standteilen zusammen. Da sich nun in der Natur die Metalle häufig mit Schwefel ver-bunden finden, sah er in diesem ihren Vater, während das Quecksilber, welches schon beigewöhnlicher Temperatur zu Thränen zerfließt, die Mutter sein sollte. Wenn auch dasZinn, das Blei und das Silber, sagt er weiter, härter als dieses sei, so wären doch auchsie durch Erhitzen im Feuer zu zwingen, ihre weibliche Natur zu offenbaren. SeineLeistungen überragen bei weitem die seiner Nachfolger wie Rhazes, Avicenna, Avenzoar ,Albukases u. s. w., die alle mehr Ärzte als Chemiker waren, und wenn sie sich auch mit

305 . Der Alchemist Grirer.Nach Jean de Vries.