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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Kenntnisse der" Römer und Araber. 297

Experimentieren beschäftigten, doch die Buchgelehrsamkeit sehr hoch stellten, so heißt esbei Rhazes : „1000 Ärzte haben vielleicht seit 1000 Jahren an der Ausbesserung derArzneikunst gearbeitet, wer also ihre Schriften mit Fleiß und Nachdenken liest, entdecktin einem kurzen Leben mehr, als wenn er 1000 Jahre zum Kranken liefe."

Mit dem 12. Jahrhundert beginnt dann die Überflügelung der Araber durch dieBestrebungen des westlichen Europa auf diesem Gebiete, das mit dem 13. Jahrhundertdie Führung übernimmt. In diesem beginnt aber zugleich die eigentliche Blüte der Gold-macherkunst, und die Höfe der immer geldbedürftigen Fürsten werden zu Sammelpunktenbetrogener oder betrügerischer Adepten, welches von nun ab die Bezeichnung für Gold-macher wird. Denn wenn auch so bedeutende Männer wie Albertus Magnus, RogerBaco,' Arnoldus Villanovus, Raymundus Lullus und andere, die um diese Zeit lebten,mit ernstestem wissenschaftlichen Eifer auf dem Gebiete der chemischen Forschung thätigwaren, so wurde sie doch von ihren meisten Jüngern nur in der Hoffnung großen Gewinnesbetrieben. Neben weiter zu nennenden, von ernstem Streben beseelten Forschern, wie Jsaacund Johann Hollandus, Bernhard von Trevigo, Basilius Valentinus finden wir jetzt

SV6. Im Laboratorium eines Alchemisten. Nach Holdem.

eine große Anzahl notorischer Betrüger, von denen z. B. Hieronymus Crinot behauptete,.so viel Gold hergestellt zu haben, daß er damit 1300 Kirchen zu erbauen vermochte.Verloren die Fürsten die Geduld, wenn ihre Adepten ihre Versprechungen nicht hielten,so kamen diese auch wohl recht schlecht fort, so ließ der deutsche Kaiser Rudolf den Eng-länder Kelley, den er anfangs in den Freiherrnstand erhoben hatte, hernach einkerkern,ja die Leipziger Juristenfakultät verurteilte den Adepten Beuther zur Staupe, weil erdas ihm bekannte Geheimnis der Goldherstellung nicht zum Vorteil seines Kurfürstenausgeführt habe, und außerdem auch noch zu lebenslänglicher Gefangenschaft, damit erseine Kunst nicht etwa anderen Potentaten verrate.

Einen gewaltigen Fortschritt gegenüber Geber weisen erst die Werke Alberts vonVollstädt auf, feiner großen Kenntnisse halber auch Albertus Magnus genannt. Erlebte von 1193—1280. Seine, bedeutenden Leistungen brachten ihn schließlich in denRuf eines Zauberers, ein für ihn, zumal er Mönch war, damals geradezu lebensgefähr-licher Verdacht, von dem er sich zu befreien wußte, indem er zeigte, daß seine ErfolgeFolgerungen aus exakten Forschungen seien. Etwa ein Jahrhundert später finden wir bei

Buch der Erfind. VII. 38