302 Chemische Industrie: Entwickelung der Chemie.
bereits Positiv festgestellte Thatsachen darauf hinzuweisen schienen, daß, weil z. B. derEisenrost ein größeres Gewicht habe als das Eisen, woraus er entstanden, von dem Ent-weichen eines Stoffes bei dem Übergang von Eisen in Eisenrost (Eisenoxyd) daher wohlnicht die Rede sein könnte, so wurden dieselben als unwesentlich vernachlässigt. Kurzum,die phlogistische Theorie war ein Mittelpunkt, um den sich die bei weitem größte Zahl wich-tiger chemischer Erscheinungen übersichtlich und verständlich gruppieren ließ, und deshalbwurde sie zu einem Gesetz, welches besonders durch die um die Mitte des 17. Jahrhundertszahlreich entstehenden gelehrten Gesellschaften Anerkennung und Verbreitung gewann.
Ausgezeichnetes leistete noch vor der Zeit der Phlogistontheorie auch der englischeForscher Bohle (1627—1691). Bei ihm findet sich zuerst die Theorie der chemischenVerwandtschaften und die Abgrenzung und Charakterisierung der so wichtigen Gruppen
Alkalien, Säuren und Salze.Auch hat er die ersten Grund-lagen der Analysen aufnassem Wege, welche die voll-kommenste aller analytischenMethoden ist, ausgearbeitet.Er starb als Präsident dernicht lange vor seinem Todegegründeten Royal Society in London. Neben der RoyalSociety ist die noch heute inDeutschland blühende ^.oa-clornla Oassarsa-Usopoickinadie kaiserlich leopoldinischeGesellschaft zu nennen. Sieist aus einer von einigenSchweinfurter Ärzten 1651gegründeten Vereinigunghervorgegangen und gibt seit1670 alljährlich Miscella-neen heraus. Im Jahre 1672erhielt sie von Kaiser Leo-pold I. ihre Bestätigung.
Die Stahlsche Lehre vomPhlogiston erlag dann all-mählich der fortschreitendenchemischen Erkenntnis, welcheimmerneue Res ultate zeitigte,die mit ihr unvereinbarwaren. So fand Black (geb. 1728 zu Bordeaux, gest. 1799 zu Edinburg ), daß sich kausti-sches Alkali mit Kohlensäure unter Aufhebung der Kaustizität vereinige, was mit jenerTheorie ganz unvereinbar ist. Cavendish (geb. 1731 zu London , gest. ebendaselbst 1810)entdeckte das Wasserstoffgas, und weil es sich bei der Oxydation mancher Metalle in Ge-genwart schwacher Säuren bildet, glaubte er anfangs, in ihm das Phlogiston gefundenzu haben. Sowohl er selbst wie andere bedeutende Chemiker beschäftigten sich jetzt,vielleicht teilweise aus diesem Grunde, viel mit Gasen, deren Untersuchung ein immergrößeres Interesse in Anspruch nahm. Priestley (geb. 1733, gest. 1804) entdeckte dasSauerstoffgas, das Stickoxydulgas, das Kohlenoxydgas, die gasförmige schweflige Säure,die gasförmige Salzsäure und ebenso das gasförmige Ammoniak und Kieselfluorgas.Des großen Botanikers Linne erfolgreiche Arbeiten hatten im vorigen Jahrhundert eineifriges naturwissenschaftliches Streben auch in Schweden angeregt. Als Chemiker zeich-neten sich namentlich Bergmann (geb. 1735, gest. 1784) und Scheele (geb. 1742,gest. 1786) aus. Ersterer war ein vorzüglicher Analytiker, und letzterer hat sich um die
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