Helmont. Glauber. Die Phlogistiker. Stahl. Z01
anderer Teile der Naturwissenschaften, es sei an Männer wie Kepler (1571 — 1630),Galilei (1564—1642), Torricelli (gest. 1647) erinnert, wirkte mächtig auf die Vor-stellungen der Chemiker. Von gleichem Forschungstriebe erfüllt, erkennen sie nunmehr dieAllgemeinheit einzelner chemischer Prozesse und stellen deren Erforschung in den Vorder-grund. Dahin gehört vor allem einer der auffallendsten Vorgänge in der äußerenNatur, die Verbrennung.
Die Phlogistiker. Die neuere Geschichte der Chemie zerfällt wiederum in zweian sich gegebene Abschnitte. Anfangs konnte man noch hoffen, durch Beobachten derqualitativen Erscheinungen der äußerlichen Beschaffenheit, also der Stoffe und ihrer Ver-bindungen, zu genügenden Erklärungen zu gelangen. Doch überzeugte man sich bald, daßdiese Grundlage der Betrachtung nicht ausreicht, sondern daß man die Wage zu Hilfenehmen muß, um zur Klarheit zu gelangen, daß nur das Betrachten der quantitativenVerhältnisse also der Mengenverhältnisse, nach denen bestimmte Stoffe zu bestimmtenVerbindungen zusammentreten oder aus denselben ausscheiden, sichere allgemeine Schlüssezu ziehen gestattet. Vor Benutzung der Wage war es daher noch möglich, irgend welcheeingebildeten Stoffe willkürlich anzunehmen, die durch ihr Hinzutreten oder ihr Entweichenchemische Prozesse bewirken sollten, weil man sie nicht besser zu erklären wußte. Da dasGewicht der Körper vor oder nach ihrer chemischen Veränderung in keiner Weise berück-sichtigt wurde, und da man sich merkwürdigerweise nicht einmal die Mühe gab, jene hypo-thetisch angenommenen Körper für sich darstellen zu wollen, und somit jede Kontrolle überderen wirkliches Vorhandensein fehlte, so hatte ihre Ausnutzung zu verschiedenen Theorienvollkommen freies Spiel. Ein solcher nur in der Einbildung vorhandener chemisch thätigerKörper war nun das sogenannte Phlogiston, von dessen Existenz die Chemiker über einJahrhundert lang überzeugt waren. Das Phlogiston war erfunden worden, um die Ver-brennung erklären zu können, und der Kreis seiner Wirksamkeit wurde bestimmt, wie esdie mit ihm zusammenhängenden chemischen Prozesse verlangten.
So falsch nun auch die auf dasselbe gegründete phlogistische Theorie sein mochte,so hat sie doch für die Chemie den großen Nutzen gehabt, daß man endlich sich darangewöhnte, eine ansehnliche Reihe von Erscheinungen zusammenzufassen und unter einemeinzigen Gesichtspunkte zu betrachten. Die Ansicht, daß aus jedem verbrennenden Körpersich ein Etwas ausscheide, was uns als Flamme sichtbar wird, und daß die bei der Ver-brennung zurückbleibenden Stoffe Bestandteile des verbrannten Körpers gewesen seien,war eine sehr alte, es kam jetzt darauf an, jenes entweichende Etwas begrifflich genauerzu fixieren und die Art und Weise seiner Verbindungen klarzulegen. Dies that Stahl(geb. 1660 zu Ansbach, gest. 1734 zu Berlin ) mit der Annahme des erwähnten Phlogistonsin so geistreicher und erschöpfender Weise, daß seine Theorie alle damals bekannten aufVerbrennung beruhenden Vorgänge qualitativ recht gut erklärte. „Alle verbrennlichen,sowohl organischen als unorganischen Körper", lehrte Stahl, „enthalten einen gemein-schaftlichen Bestandteil, das Phlogiston; beim Verbrennen entweicht dasselbe, und je nach-dem es in größerer oder geringerer Menge vorhanden war und mit größerer oder ge-ringerer Heftigkeit fortgeht, sehen wir eine Flamme oder nur allmähliche Veränderungen,wie beim Verkalken oder, wie wir heute sagen, bei der Oxydation der Metalle. Kohle,Schwefel, Phosphor und ähnliche Körper enthalten sehr viel Phlogiston. Bei derVerbrennung von Schwefel und Phosphor entstehen gewisse Säuren, diese müssen also injenen Körpern mit Phlogiston verbunden enthalten gewesen sein u. s. w." Man wußteschon damals, daß das Verkalken der Metalle nichts weiter sei als eine langsame Ver-brennung. Daher glaubte man nunmehr, daß, wie der gewöhnliche Schwefel eine Ver-bindung von Schwefelsäure und Phlogiston sei, z. B. das Eisen eine Verbindung vonPhlogiston mit Eisenrost sei. In entsprechender Weise wurde die Theorie des Phlogistonweiter auf alle Körper angewandt. Wollte man Eisen aus Eisenrost herstellen, so mußteman demselben Phlogiston zuführen; dies gelang durch Erhitzen mit einem phlogiston-reichen Körper, z. B. mit Kohle, welche dabei verbrannte. Man sieht, daß sich solcheErklärungen mit der Praxis sehr gut vereinigen ließen. Wie das Prinzip der Verbrennunggeeigenschaftet sei, darüber machte man sich im Anfange keine großen Bedenken. Wenn