Blutlaugensalzindustrie. 333
Teerfarbenindustrie mit ihren Annexen absehen. Wegen der zahlreichen Hantierungen,die sie erfordert, die auch in anderen technischen Industrien in ähnlicher Weise zum TeilVerwendung finden, wollen wir sie hier ausführlich besprechen, weil diese Mitteilungenuns ermöglichen, diese Manipulationen im Zusammenhang darzustellen, was ihr Verständniserleichtert, und weil wir dann später im Buche auf die hier bereits beschriebenen Arbeits-methoden verweisen können und dadurch vielfach Wiederholungen ersparen. Zugleichwerden wir sehen, wie die Blutlaugensalzindustrie fortwährend durch neuere Erfindungenin ihrer Arbeitsweise, ja in ihrem Bestände bedroht wird, ein Schicksal, das sie mitvielen chemischen Industrien teilt.
Wie wir soeben erfuhren, kann man in der Blutlaugensalzindustrie alle möglichenArten von tierischen Abfällen verwenden, und so war sie volkswirtschaftlich von besondererBedeutung für die Verwertung dieser Abfälle, welche ehemals fast als wertlos angesehenWurden.
Heutzutage weiß man ja, daß alle stickstoffhaltigen Materialien Düngemittel (siehespäter im Abschnitt künstliche Düngemittel) und als solche verwertbar sind.
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Früher benutzte man diese Abfälle höchstens zu einem Zwecke, nämlich zur Darstellungbon sogenanntem Hirschhornsalz. Hirschhornsalz ist kohlensaures Ammoniak, undAmmoniak besteht aus Stickstoff und Wasserstoff, was wir uns für später gut merkenwollen. Destilliert man Tierstoffe aus einer Retorte, so wird ihr Stickstoff in der Hitzeteilweise als Ammoniak ausgetrieben — wir werden daher den Apparat hierzu und dasNähere über das Arbeiten mit ihm in der Industrie des Ammoniaks kennen lernen —welches Ammoniak sich mit der ebenfalls entstehenden Kohlensäure zum Hirschhornsalzberbindet. Außerdem bildet sich bei der Destillation ein abscheulich riechendes Öl, dasDippelsche Tieröl.
Der Rückstand, welcher in den Retorten bleibt, ist eine kohlige Masse, welche nochreichlich Stickstoff enthält, der mit Pottasche verschmolzen Blutlaugensalz liefert. Aufdie chemischen Vorgänge bei diesem Prozeß kommen wir im Verlaufe der Beschreibungder Fabrikation zu sprechen. So wurde denn in den Fabriken, welche sich mit der Herstellungdes Hirschhornsalzes beschäftigten, schon allein um den kohligen Abfall irgendwie zu ver-werten, die Blutlaugensalzfabrikation ausgebildet. Das Blutlaugensalz in Krystallen isterst in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts in den Handel gekommen, bis dahinWurden die Schmelzen, wie sie der Ofen lieferte, so wie es oben angegeben ist, direkt^uf Berliner Blau verarbeitet, ein Verfahren, das eine ungeheure Verschwendung anPottasche bedeutete und dabei niemals ein so schönes Blau zu liefern vermag, wie dasdurch die Krystallisation gereinigte Blutlaugensalz.
Die Fabrikation des Ammoniaks resp. des Hirschhornsalzes aus tierischen Abfällenkam um die Mitte dieses Jahrhunderts zum Erliegen, als man im Gaswasser der Gas-