ZZ2 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Quelle für Kaliverbindungen, unabhängig zu machen, was als ein gewiß erstrebenswertesZiel erschien. Der preußische Oberberghauptmann Krug von Nidda war der erste, derernstlich aus den großen Wert der Kalisalze hinwies und Versuche veranlaßte, ob sie, weilalle Pflanzen Kali brauchen, als Düngemittel für die Felder zu verwerten wären. Aberdie Abraumsalze waren zu sehr mit ungeeigneten Beimengungen vermischt, um direkt zudiesem Zwecke, dem sie heute im allergrößten Maßstabe dienen, Verwendung finden zukönnen. Dies war wiederum die Veranlassung zur Gründung von Fabriken, die sich mitihrer Reinigung befassen, und so entstand die gewaltige chemische Industrie in der Um-gebung von Staßfurt , die jetzt also der ganzen Welt die nötigen Kalisalze liefert. Diein Staßfurt in ganz unerschöpflichen Mengen lagernden Kalisalze bestehen zum Teil ausChlorkalium und werden auf dieses verarbeitet. Dieses hinwiederum kann in Pottasche,kohlensaures Kali, übergeführt werden, und konkurriert mit demjenigen Quantum, welchesauf den drei von uns ausführlicher besprochenen Wegen gewonnen wird. Das weitereüber das Chlorkalium und die anderen Staßfurter Kaliverbindungen lernen wir späterim Abschnitt über die künstlichen Düngemittel kennen. Die Überführung des Chlor-kaliums in kohlensaures Kali, mit dem wir es hier zu thun haben, erfolgt nun erst inneuester Zeit und zwar nach denselben Prinzipien, nach welchen seit etwa einem Jahr-hundert Chlornatrium, das ist unser gewöhnliches Kochsalz, in kohlensaures Natron,welches im Leben Soda genannt wird, verwandelt wird. Wir können daher die Methodeseiner Überführung in Pottasche nur im Anschluß an die Sodagewinnung klar legen.
Einfuhr und Ausfuhr des Deutschen Reiches an Pottasche in Mengen von 100
Jahr Einfuhr Ausfuhr Jahr Einfuhr Ausfuhr Jahr Einfuhr Ausfuhr
1890 16258 105934 1892 21679 108645 1894 22955 121052
Bevor wir aber zur Soda übergehen, wollen wir erst die weiteren technisch dar-gestellten Kalisalze im Zusammenhang kennen lernen und hier noch erwähnen, daß eineder Hauptverwendnngen der Pottasche die zur Glasfabrikation ist, wie in einem anderenAbschnitte dieses Bandes erläutert wurde. Eine zweite, fast noch wichtigere ist ihre Ver-wertung in der Seifensiederei, wie wir später sehen werden. Außerdem wird sie noch invielen sonstigen Industrien benutzt, wenn sie auch nur noch in einer die Grundlage des ganzenProzesses ist; diese letztere Industrie ist die des Blutlangensalzes mit dem aus diesem dar-stellbaren Berliner Blau und Cyankalium , deren Besprechung wir deshalb hier folgen lassen.
Ais ZZlutkaugensakzindustrie.
Im Jahre 1704 erhielt ein Berliner Farbenkünstler Diesbach plötzlich ein wunder-schönes Blau statt einer anderen von ihm erwarteten Farbe, als er zu einer Flüssigkeit,die er, wie er es gewohnt war, bereitet hatte, eine Eisenlösung setzte. Die Schönheit derneuen Farbe veranlaßte ihn, die Entdeckung weiter zu verfolgen, und er konnte feststellen,daß er bei seiner Arbeit sich einer Pottasche bedient hatte, die ihm von dem bekanntenAlchemisten Dippel geliefert worden war. Er wandte sich wegen der etwaigen besonderenBeschaffenheit dieser Pottasche an den Genannten und erfuhr von ihm, daß er sie vorhermit Rinderblut calciniert hatte. So ergab sich als Fabrikationsmethode dieser unter demNamen „Berliner Blau " so bekannt gewordenen Farbe anfangs die, daß man Pottaschemit Rinderblut zusammen calciniert, d. h. znm Schmelzen erhitzt, dann die Schmelze inWasser löst, jetzt ansäuert und eine Eisenlösung zufügt, worauf die blaue Farbe sich ausder Flüssigkeit abscheidet. Es dauerte gar nicht lange, bis man herausfand, daß man anStelle von Blut auch alle möglichen anderen tierischen Stoffe für diese Fabrikation be-nutzen kann: Fleisch, Horn, Wolle, Leder u. s. w. Auch fand man allmählich heraus, daß,wenn man diese genannten Stoffe mit Pottasche schmilzt, die Schmelze in Wasser löstund hernach die Lösung eindampft, aus ihr ein gelbes Salz auskrystallisiert, das denNamen Blutlaugensalz erhalten hat, während der Überschuß an Pottasche, welcher inder Schmelze unverändert geblieben, d. h. nicht in Blutlaugensalz übergegangen war, jetztaus der Flüssigkeit wieder gewonnen werden kann.
So einfach hiernach die Fabrikation des Blutlangensalzes erscheint, so gehört siemit zu den allerschwierigsten der ganzen chemischen Technik, wenn wir von der modernen