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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Mittelmeer herum. Man betreibt sie an den Küsten Portugals, Frankreichs , aber ebenso-gut auch Dalmatiens , wo Verfasser z. B. bei Stagno grande auf der Halbinsel Sabion-cello ein ziemlich ausgedehntes Werk im Betriebe sah. Das Meerwasser des Mittel-meeres enthält im Kubikmeter, d. h. also in 1000 1, 28—31 kg Kochsalz und 5—6 üxandere Salze, wie Chlorkalium, Chlormagnesium und schwefelsaure Magnesia. Manläßt es in ein weites flaches Bassin hineinlaufen, oder pumpt es in ein solches, in welchemes in der Ruhe alle mechanischen Verunreinigungen absetzt. Nachdem nun unter demEinfluß der Sonnenwärme und des Windes viel Wasser verdunstet ist, läßt man diekonzentrierter werdende Flüssigkeit in immer kleinere Behälter laufen, in welchen sichGips, Eisenoxydhydrat und ähnliches aus ihr abscheiden. Schließlich fängt das Kochsalzan in Form einer Haut aus der Flüssigkeit herauszukrystallisieren. Man wirst es aufHaufen und läßt es gut abtropfen, womit seine Fabrikation beendigt ist. In Südsrank-reich verarbeitet man auch die nach dem Ausschöpfen des Kochsalzes bleibenden Mutter-laugen, die man anderwärts weglaufen läßt, auf die sonstigen im Meerwasser enthaltenenoben genannten Salze, worauf wir nicht näher eingehen wollen. Wir erwähnen diesletztere überhaupt nur, weil Balard im Jahre 1826 in diesen Mutterlaugen das ElementBrom entdeckte. Sie enthalten nämlich außer den erwähnten Bestandteilen etwa0,s °/o Brommagnesium, und aus ihnen wurde alles Brom, dessen die Welt benötigte,dargestellt, bis seit den siebziger Jahren Staßfurt Lieferant für dasselbe wurde, wie wirspäter sehen werden.

Überführung des Kochsalzes in Soda . Wir kommen nunmehr zu den Methodender Überführung des Kochsalzes in Soda , von denen zwei in allergrößtem Maßstabe jetztnebeneinander Verwendung finden. Beide wollen wir hier eingangs kurz skizzieren, weiluns dies das Verständnis und die Übersicht des Folgenden sehr erleichtern wird, ohne dieUnzahl der mißglückten Versuche, die das gleiche Ziel der Sodagewinnung erstrebten,auch nur zu berühren.

Das älteste Verfahren ist Ende des vorigen Jahrhunderts vom Franzosen Leblancauf Anregung des erwähnten Preises der französischen Akademie ausgearbeitet worden.Nach demselben verwandelt man Kochsalz durch Einwirkung von Schwefelsäure in schwefel-saures Natron und verschmilzt dieses Salz mit kohlensaurem Kalk und Kohle in einemFlammofen. Aus der erhaltenen Schmelze zieht Wasser, mit dem man sie auslaugt, diein ihr sodann vorhandene Soda aus.

Das zweite Verfahren ist von dem Belgier Solvay vor etwa 25 Jahren technischverwertbar gemacht worden und beruht auf folgendem im Laboratoriumsmaßstabe langebekanntem Verhalten. Setzt man zu einer Lösung von Kochsalz doppeltkohlensauresAmmoniak, so scheidet sich doppeltkohlensaures Natron aus, das schon bei gelindem Er-hitzen in einfach kohlensaures Natron, d. i. in Soda , übergeht. Das Verfahren Leblancserfordert, da alles Kochsalz für dasselbe zuerst in schwefelsaures Natron verwandeltwerden muß, eine eigene Schwefelsäurefabrik, und so wie es eine eigene Schwefelsäure-fabrik verlangt, zwingt es in seinem Verlaufe, wie wir sehen werden, auch noch zur Her-stellung vieler anderen Chemikalien in großen Massen.

Wir müssen daher als Einleitung zur Sodaindustrie zuerst den Schwefel und dieSchwefelsäureindustrie betrachten.

Jer Schwefel und die Schwefelsäure-Industrie

Der Schwefel ist nicht nur ein zu vielerlei Gebrauch dienliches, sondern vermöge derbedeutenden Rolle, die er und seine Verbindungen in der Großindustrie spielen, auch einin nationalökonomischer Beziehung hochwichtiges Element. Für dm Schwefel wollteEngland sogar einmal einen Kriegszug unternehmen, eine Absicht, d:e vielleicht eher zurechtfertigen ist, als sein Opiumkrieg gegen China .

Im Jahre 1838 verlieh nämlich die damalige neapolitanische Regierung dem Mar-seiller Haus Taix L Co. das Ausfuhrmonopol für den sizilianischen Schwefel, welcher zujener Zeit die einzige Quelle zur Versorgung der europäischen Industrie mit diesemwichtigen Rohmaterial war. Heute liegen die Verhältnisse ganz andws, wie wir sehen