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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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396 Chemische Industrie: Salzsäure.

scheu System der kompletten Salzsäure-Kondensationsanlage mittels des Plattenturms,welches Wohl die vollkommenste ist, die zur Zeit existiert, und die wir hier mit Geneh-migung der Erfinder in der Abbildung wiedergeben können. Wie aus dem Grundrißersichtlich ist, werden zwei Kondensationsanlagen U und L nebeneinander aufgestellt,deren eine die Pfannengase, die andere die Muffelgase des Sulfatofens kondensiert.

Das den Sulfatofen verlassende salzsaure Gas wird im Turm L gekühlt, in demsich unten 60 Platten befinden, während die drei oberen Abschnitte mit Koks gefüllt sind.Von L gelangt das Gas nach dem in gleicher Art gefüllten Turm in welchem esdurch ein wenig Wasser gewaschen wird. Hierauf passiert es die Kühlleitung v, die nichtwie üblich vertikal auf- und niedersteigt, sondern nur im Winkel von 65° gebogen ist,wodurch die Gerüste zugleich als Steigleitern für die Bedienung dienen können. Nunmehrzieht das Gas, das bis auf 50—60° 6. abgekühlt ist, durch sechs Tourills in den eigent-lichen Plattentnrm, wo von oben herniederrieselndes Wasser es völlig absorbiert. Diesich am Fuße des Turmes sammelnde wässerige Salzsäure passiert dann ihrerseits nochdie sechs Tourills, um sicher vollständig mit salzsaurem Gas gesättigt zu sein, und läuftbei 0 als fertige Handelssäure ab. Die abgebildete Anlage reicht für einen Sulfatofen,der 5000 Steinsalz in 24 Stunden verarbeitet, aus und liefert eine Ausbeute von183 Teilen wässeriger Salzsäure aus 100 Teilen Kochsalz.

Die Anwendung der wässerigen Salzsäure ist ganz im Gegensatz zum Anfang desJahrhunderts jetzt eine außerordentlich mannigfaltige. Sie dient im Gemisch mitSalpetersäure unter dem Namen Königswasser als Lösungsmittel für Gold und Platin.Das Königswasser hat von den Alchemisten seinen Namen deshalb erhalten, weil es dasGold, den König der Metalle, zu lösen im stände ist, was keine einzelne Säure, sondernnur diese Mischung vermag. Der Grund hierfür ist der, daß die sehr sauerstoffreicheSalpetersäure sich des Wasserstoffs der Salzsäure bemächtigt, indem sich Wasser bildet,wodurch in der Mischung Chlor frei wird, welches das Gold löst, das also in der Flüssig-keit als Goldchlorid vorhanden ist. Das Genauere über das Königswasser wollen wir imAnschluß an die Salpetersäure erörtern.

Nun kann man sich weiter denken, daß, wenn Salzsäure, die doch aus Chlorgasund Wasserstoffgas besteht, bei Sauerstoffzufuhr, wie wir eben erfuhren, ihren Wasserstoffin Verbindung mit diesem leicht als Wasser abgibt und freies Chlor liefert, es dann einesehr große Anzahl von Methoden geben wird, um aus ihr das Chlorgas als solches zugewinnen.

Salzsäure 4- Sauerstoffgas ---- Wasser -I- Chlorgas2LOI 4- 0 — L.z04- 201.

Sauerstoffabgebende Mittel sind nämlich außer der schon erwähnten Salpetersäuresehr viele bekannt, ja schließlich läßt sich sogar der Sauerstoff der Luft für diesen Zweckverwerten, wie wir sehen werden. Denn in der Wirklichkeit gestaltet sich die Sache so,daß der größte Teil aller in den Sodafabriken gewonnenen Salzsäure in Chlor ver-wandelt wird und als Chlorkalk u. s. w. in den Handel kommt. Außer dem einen technischwenig wichtigen erwähnten Zwecke, außer dem Königswasser, dient die Salzsäure zur Her-stellung der verschiedenartigsten Salze wie des salzsauren Ammoniaks oder Chlorammoniums,das im gewöhnlichen Leben Salmiak heißt. Ebenso liefert in ihr gelöstes Zink das Chlor-zink, dessen Lösung zum Imprägnieren der Eisenbahnschwellen dient u. s. w.

Zink -I- Salzsäure ---- Chlorzink -i- Wasserstoff2n 3- 2L01 — 2u0I, -i- 11,2-

Auch wird mit ihrer Hilfe der Knochenleim gewonnen.

Leim erhält man bekanntlich durch Kochen der leimgebenden Gewebe des tierischenKörpers, dahin gehören die Haut, die Knorpel, die Sehnen, die Fischblase und ähnliches.Erhitzt man diese mit Wasser, so tritt eine völlige Umwandlung mit ihnen ein, indem siesich allmählich auflösen. Diese Auflösung hat dann die Eigenschaft, wenn sie nicht gar zuverdünnt ist, nach dem Erkalten zu gelatinieren, d. h. eine halbfeste leichtbewegliche, beileisestem Anstoß zitternde Masse zu geben. Wird diese getrocknet, so bezeichnet man das