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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Nebenindustrien der Sodafabrikation: Die Salzsäure.

weil kein Handwerker in dem betreffenden Stadtteil seine Instrumente mehr scharf haltenkonnte. Man gab sich deshalb die erdenklichste Mühe, es los zu werden, und eine Fabrikerrichtete einen 150 m hohen Kamin, der also an Höhe nur von wenigen Kirchtürmenerreicht wird, in der Hoffnung, daß das salzfaure Gas sich dort oben genügend in der Luftverteilen würde. Nun zieht aber salzsaures Gas stark Wasser an, indem es sich in ihmlöst. So verdichtete es sich denn dort oben mit der Feuchtigkeit der Lust zu Nebeln, unddaher kam es, daß das Gas aus dieser bedeutenden Höhe namentlich bei feuchtem Wetterin Form von sauren Wolken herunterfiel.

Man wußte natürlich schon damals, daß sich Salzsäure in Wasser leicht löst, aberwas sollte man mit dieser wässerigen Lösung anfangen. Verwendung für sie hatte man nichtund in die Flüsse laufen lassen konnte man sie auch nicht, weil sie das Wasser ungenießbarmachte und die Fische tötete. Man sieht, zu Anfang des Jahrhunderts war sie eine furcht-bare Plage für die Sodafabrikation. Aber nun kommt das Merkwürdigste, die Zeiten habensich so völlig geändert, daß die ganze Existenz der Leblancsodaindustrie seit den achtzigerJahren nur noch auf Nebengewinnung der Salzsäure beruht. Ein stärkerer Umschlag inBezug auf ein ursprünglich wertloses Nebenprodukt ist wohl nicht denkbar, und der Grundhierfür ist, daß Salzsäure, die doch aus Chlor und Wasserstoff besteht, im Laufe der Zeitdas Ausgangsmaterial für die zahlreichen chlorhaltigen Produkte wie Chlorkalk u. s. w., dieman heutzutage braucht, geworden ist.

Das Auffangen des salzsaurenGases erfolgt jetzt stets so, daß manes von Wasser absorbieren läßt, undhierfür gibt es zwei verschiedene Me-thoden, die in ihrer Vereinigung dasVollkommenste vorstellen, was manerwarten kann, die nämlich zusammenkeine Spur von salzsaurem Gas un-absorbiert entweichen lassen. Aufdem Festlande hat sich das Systemder Tourills herausgebildet, daswir schonbeim Sulsatofen erwähnten.

Wir geben hier die Abbildung einesMittelteiles einer Tourill-Batterie,wie sie Rohrmann in Krauschwitz bei Muskau herstellt, wieder. Die einzelnen Tourills sind untereinander in der in derAbbildung angegebenen Weise verbunden, so daß sie von Wasser durchströmt werdenkönnen. Das Wasser steht in ihnen in der Höhe der Überläufe, da wo die Tourills denweitesten Umfang haben, es also eine möglichst große Fläche bietet. Das aus demSulfatofen kommende salzsaure Gas geht durch die Tourills hindurch, indem durch denAnschluß des letzten von ihnen an den Kamin des Ofens für Zug gesorgt ist. Es wirdauf dem Wege nach dem Kamin vom Wasser absorbiert, und indem man den Zufluß vondiesem im Verhältnis zur Anzahl der Tourills passend einstellt, läuft aus der Batterieununterbrochen mit salzsaurem Gas gesättigte flüssige Salzsäure ab. Für einen Sulfat-ofen, der in 24 Stunden 2250 Kochsalz zersetzt, sind etwa 60 Tourills erforderlich.Da das mit Salzsäure sich sättigende Wasser spezifisch schwerer wird, sinkt es im Tourillzu Boden und wird deshalb mittels des passend angebrachten Rohres vom Boden ausin den nächsten Tourill gedrückt. In England hat man von jeher die Salzsäurein etwas anderer Weise zu absorbieren gesucht. Dort hat schon im Jahre 1836 GossageKokstürme für diesen Zweck vorgeschlagen, von denen man zur Sicherheit meist zwei hinter-einander schaltet. Ihre Höhe beträgt etwa 13 in, und der Querschnitt des ersten etwa2 Hm, während der zweite nur noch 1,2 gm weit ist, da im ersten bereits das über dieKoks herabrieselnde Wasser fast alles salzsaure Gas absorbiert hat.

Die Vereinigung beider Systeme und der teilweise Ersatz der Koks durch mit zahl-reichen Löchern versehene Thonplatten führte dann schließlich zum Lunge-Rohrmann-

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892. Tonriü-Vatterie

zum Auffangen der Salzsäure nach Rolirinann.