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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Produkt, je nach der Qualität als Gelatine oder als Leim, und entsprechend dem Aus-gangsmaterial spricht man von Hautleim, Knochenleim und Fischleim.
Während sich Knorpel noch verhältnismäßig leicht zerkochen lassen, ist das Heraus-ziehen des Leimes aus Knochen, die auch viel leimgebendes Gewebe enthalten, schonschwieriger durch Kochen zu erreichen. Allerdings Papin spricht schon von dieser Art Leim,und Herissaut schlug bereits 1758 das jetzt übliche Verfahren der Knochenleimgewinnungvor. Nach ihm sollte man die mineralischen Bestandteile der Knochen in Säuren lösen,was leicht ausführbar ist, und das dann übrigbleibende leimgebende Gewebe, die Knorpel-substanz mit Wasser zu Leim kochen.
Das Verfahren kam damals nicht zur Ausführung, einmal weil die Säuren zuteuer für den Zweck waren, er hat wahrscheinlich an Essig (Essigsäure) gedacht — zuder Zeit steckte ja selbst die Schwefelsäurefabrikation noch ganz in den Kinderschuhen,wie wir wissen — und zweitens weil der saure Knochenauszug als wertlos weggegossenwerden mußte, da mau keine Verwendung für ihn kannte. Das hat sich nun allesvöllig geändert, und heute wird mit Hilfe der billigen Salzsäure massenhaft Knochenleimfabriziert.
Die in kleine Stücke zerschlagenen Knochen legt man in verdünnte Salzsäure, welcheetwa achtprozentig ist, d. h. 8"/o salzsaures Gas enthält. Nach 2—3 Tagen haben sich
die mineralischen Bestandteile, sie sind der Hauptsachenach phosphorsaurer Kalk, gelöst, und es hinterbleibendie erweichten Knochenknorpel. Diese werden durchhäufig wiederholtes Übergießen mit Wasser, dem manschließlich etwas Soda zusetzt, völlig entsäuert. Durchdiese Zugabe werden die letzten Spuren Säure inChlornatrium, Kochsalz, verwandelt, und wenn auchdessen Auswaschen nicht vollständig ausgeführt wird,so hat das nicht viel zu bedeuten, während SpurenSäure bei dem nun folgenden Kochen des Knorpelssich hinsichtlich der Qualität des Leimes sehr störendgeltend machen.
Ist die durch das Kochen der Knochenknorpel er-
haltene Lösung konzentriert genug, so wird sie ganzLrrinschllciLrapMrLt. wie jede aus anderem Material dargestellte Leim-lösung weiter verarbeitet. Man läßt sie nämlich instark angefeuchtete hölzerne Tröge fließen, die etwa 1 ur lang, 30 oiu breit und 10 ourhoch sind, zieht aber in neueren Fabriken Formen aus verzinktem Eisenblech vor. Dieüber Nacht gallertartig erstarrte Masse wird sodann herausgenommen und mit Hilfe desbeistehenden Apparates in Platten zerlegt. In einem Rahmen sind eine Anzahl Messing-drähte in gleichmäßiger Entfernung voneinander aufgespannt. Unter ihnen läuft ein aufSchienen verschiebbarer Schlitten, mit Hilfe dessen mau die Gallerte durch den Rahmenschiebt. Hierbei zerteilen sie die Messingdrähte in Platten von bestimmter Stärke, dienach dem Trocknen den Handelsleim bilden.
Der salzsaure Auszug der Knochen enthält also den Phosphorsauren Kalk. Stumpftman in der Lösung die Salzsäure durch ein Alkali ab, und man nimmt natürlich dasbilligste von ihnen, das ist doch gebrannter Kalk, so bildet die Salzsäure mit diesem Chlor-calcium. Es fehlt somit jetzt das den Phosphorsauren Kalk lösende Mittel, und so fällter in Form eines feinen Pulvers aus der Flüssigkeit wieder aus. Dieser präzipitiertephosphorsaure Kalk ist ein von den Landwirten gern gekauftes Düngemittel, und sofinden die beiden Hauptbestandteile der Knochen ihre technische Verwertung. Auf dieGewinnung und Verwertung des dritten Bestandteils, nämlich des Knochenfetts, kommenwir bei der Fabrikation der Seife zurück.
Den bisher genannten Verwendungen der Salzsäure schließen sich noch zahlreicheweitere an, die aufzuzählen ganz unmöglich ist, die aber alle vergleichsweise wenig ge-brauchen im Verhältnis zu dem, was an Chlorpräparaten aus ihr dargestellt wird.