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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Nebeniridustrien der Sodafabrikation: Die Salzsäure. Das Chlor.

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Das Chlor.

Das Chlor ist ein Gas, welches aus der Salzsäure, wie erwähnt, durch Einwirkungder verschiedenartigsten Oxydationsmittel auf sie zu erhalten ist. Sein Entdecker ist derschwedische Chemiker Scheele (s. S. 302). Er erhielt es im Jahre 1774, indem er einin der Natur massenhaft vorkommendes Mineral, den Braunstein, mit Salzsäure erhitzte,und es ist^gewiß merkwürdig, daß diese von ihm zufällig als erste aufgefundene Methodezur Darstellung des Chlorgases die bis heute am meisten angewandte ist, soivohl im Labo-ratorium wie in der Technik, obgleich es ungezählte Patente und Vorschläge gibt, die denErsatz des Braunsteins durch etwas anderes anstreben.

Die Eigenschaften des Chlorgases sind keine gerade angenehmen. Otto beschreibt siein seinem großen Lehrbuche folgendermaßen. Das Chlorgas ist grünlich gelb. Es riechteigentümlich, sein Geruch darf aber nur, wenn sich das Gas in der Luft verbreitet, ver-sucht werden, er stumpft die Geruchsorgane völlig ab. Es läßt sich, selbst stark mit Luftvermischt, nicht einatmen, erregt heftigen Reiz in der Luftröhre, Husten, Brustbeklemmung,Blutspeien. Man kann nicht vorsichtig genug beim Arbeiten mit dem Gase sein, und werkranke Lungen hat, bleibe davon. Schnupfen und fieberhafter Zustand sind die gewöhn-lichen Folgen des Experimentierens mit ihm. Auch zerfrißt feuchtes Chlor die meistenMetallapparate. Das waren die Anschauungen eines erfahrenen Chemikers über diesesGas in den sechziger Jahren, und seit dem Jahre 1890 kauft man es ganz nach der Artder Kohlensäure in verflüssigtem Zustande in metallenen Bomben, in denen man es nachKilogrammen bezahlt. Hier haben wir so recht ein Beispiel der neueren Leistungen derchemischen Industrie. Selbst vor dem Hantieren mit einem so gefährlichen Gase schreckt sienicht zurück, ja sie preßt es mit Druckpumpen derartig zusammen, daß sie es verflüssigt inden Handel bringt, und dabei geht die Sicherheit der Handhabung so weit, daß kein hier-durch herbeigeführter Unglücksfall bekannt geworden ist, obgleich diese Fabrikation nundoch bereits eine Reihe von Jahren ausgeübt wird.

Schon Scheele beobachtete die bleichende Wirkung des Chlorgases auf viele Farb-stoffe, undBerthollet schlug bereits ein Jahr später vor, diesepraktisch zu verwerten. Mitdem Gas selbst verstand man aber gar nicht umzugehen, und so benutzte man als Bleich-wasser seine Lösung in diesem. Doch löst Wasser nur etwa 3 Volumina von ihm,also für praktische Zwecke sehr wenig. Geruch und sonstige Eigenschaften der wäßrigenLösung sind kaum weniger unangenehm als die des Chlorgases selbst, und deshalb warfman sich denn aufs Erfinden von Bleichwässern von größerem Gehalt an dem wirksamenStoff und womöglich mit weniger störenden Nebeneigenschaften. Solche erhielt man zuJavelle bei Paris durch Einleiten von Chlor in eine alkalische Flüssigkeit, nämlich inPottaschelösung, das ist das noch heute nach seinem Ursprungsorte benannte Eau deJavelle. Anderwärts leitete man Chlor in Sodalösung und verkaufte dies Bleichwasserunter dem Namen Eau de Labarraque. Tennant in Glasgow nahm dann 1798 wiederdas billigste Alkali zu Hilfe und leitete Chlorgas in Kalkwasser, und 1769 fand er, daßauch gebrannter Kalk, der mit so wenig Wasser gelöscht ist, daß er nur zu einem trockenenPulver zerfällt, beim Überleiten von Chlor bleichende Wirkung annimmt, d. h. daß, wennman hernach ihn in Wasser aufschwemmt, die so gewonnene Lösung zu Bleichzwecken dienenkann. So ist Tennant der Entdecker des Chlorkalks geworden, der nun eine bequeme ver-sandfähige Ware darstellt. In seiner Fabrik zu Glasgow ist er zuerst hergestellt worden, unddas von ihm begründete Etablissement ist noch heute die größte Chlorkalkfabrik der Welt.

Es ist gewiß der Erwähnung wert, daß Tennant ziemlich zu gleicher Zeit die Ver-wertung der Salzsäure in Form von Chlorkalk, die sie in den allergrößten Mengenverbraucht, auffand, in welcher Leblanc seinen Sodaprozeß in Gang brachte, der die bisdahin sehr teure Salzsäure so reichlich als Nebenprodukt liefert.

Das erwähnte Preisausschreiben der französischen Akademie vomJahre1775 (s.S. 359)hatte einen mächtigen Anstoß zur Erzeugung künstlicher Soda gegeben. Daß seine Dar-stellung aus Kochsalz, also aus Chlornatrium damals direkt nicht zu erreichen war, scheintman früh eingesehen zu haben, und wandte sich bald dem schwefelsauren Natron, dem Sulfat