Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
403
JPEG-Download
 

Nebenindustrien der Sodafabrikation: Darstellung des Chlorgases. Der Chlorkalk. 403

Der Chlorkalk.

Der für die Fabrikation des Chlorkalkes zu verwendende Ätzkalk muß bestimmteEigenschaften zeigen, die die Praxis im Laufe der Zeit ergeben hat. Vor allen Dingenmuß der zu brennende Kalkstein möglichst rein sein, damit keine Verunreinigungen insfertige Produkt kommen, namentlich darf er kein Eisen enthalten, weil dieses zur Gelb-färbung des fertigen Produktes Veranlassung geben würde, während es doch weiß seinsoll. Die Chlorkalkfabrikanten brennen deshalb ihren Kalkstein selbst, um möglichst sicherzu gehen, und zwar zumeist in Flammöfen, wie wir Seite 325 erwähnten.

Der gebrannte Kalk wird zu seiner Löschung auf dem Boden etwa 40 oiu hoch auf-geschüttet und mit wenig Wasser übergössen, unter welchen Bedingungen er sich ganz all-mählich löscht und zu Pulver zerfällt. Die Menge Wasser, die das Kalkhydrat jetzt ent-hält, ist von großer Wichtigkeit für die spätere Haltbarkeit des Chlorkalkes, so daß alsoauch mit dem Wasserzusatz vorsichtig zu verfahren ist. Ist aller Kalk zerfallen und ab-gekühlt, so muß er ein feines Sieb passieren, und das durch dieses Durchgefallene ist danndas Material für die Chlvrkalkfabrikation, nachdem es noch einige Tage gelegen hat, umsich vollständig zu löschen, falls bis dahin noch einzelne Teilchen sich der Einwirkungdes Wassers entzogen hatten.

3S». Chrorkakkfabrikation.

»»»»

Im beistehend abgebildeten Apparate sehen wir in ^ den aus Sandsteinplatten her-gestellten Chlorentwickler mit seiner Zuleitung für den Dampf und dem weiten Thon-rohr 8 zur Ableitung des sich entwickelnden Chlorgases, das zu seiner Reinigung daszweihalsige Thongefäß 0 passiert. In diesem setzt sich kondensiertes Wasser ab, und es fallenauch etwaige Tropfen aus dem Entwickler mechanisch mitgerissener Manganlauge zuBoden. So oberflächlich gereinigt, tritt das Gas in die Kammer I). Ihr Boden ist ausabgeschliffenem Sandstein hergestellt, und aus dem gleichen Material bestehen die Wände,während der Deckel aus hölzernen Bohlen zusammengefügt ist. Die Kammer hat in denSeitenwänden Thüren, durch die die Arbeiter hineinkriechen können. Durch diese bringensie auch das Kalkhydrat hinein und verteilen es in einer etwa 15 oiu starken Schicht aufdem Boden. 100 üg Kalkhydrat erfordert zwischen 5 und 6 gm Bodensläche.

Nach Erledigung dieser Arbeit streichen sie die Fugen der Thüren mit Lehm dicht.Läßt man nunmehr Chlor sich entwickeln, so wird dieses Gas, welches weit schwerer alsLuft ist, sein spezifisches Gewicht ist 2,4- auf Luft gleich 1 bezogen, sich in der Kammer vzu Boden senken und vom Kalk absorbiert werden, wobei, wie sich ergeben hat, es nichtnötig ist, den Kalk umzuschaufeln, indem das Pulver bis zum Grunde gleichmäßig vomChlor durchdrungen wird. Die völlige Sättigung pflegt 24 Stunden zu erfordern. Mansetzt dann die Kammer mit dem Kamin der Fabrik in Verbindung, um frische Luft in siezu bringen, worauf sie entleert und der Chlorkalk in Fässer verpackt werden muß. Es