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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Wenn wir die Darstellung des Chlores aus der Salzsäure mit Mangansuperoxydbetrachten, so sehen wir, daß das Verfahren als solches außerordentlich viel zu wünschenübrig läßt. Denn nach der Gleichung

2nO. -n 4 201 — LlriOI. -1- 2 01 4- 2 2.0Mangansuperoxyd 4- Salzsäure ^ Manganchlorür 4- Chlor -4 WasserWird ja die Hälfte des Chlors vom Mangan festgehalten, und dazu kommt noch, daß,wie erwähnt, die Reaktion durchaus nicht quantitativ verläuft, sondern noch viele Salz-säure unzersetzt, also unausgenutzt bleibt.

Von den zahlreichen Methoden, die nun dazu dienen sollen, dieses Verfahren zu ersetzen,wollen wir nur diejenige besprechen, welche theoretisch so vollendet ist, daß sie nicht mehrzu übertreffen und praktisch so weit ausgebildet ist, daß sie fabrikmäßig Verwendung findet,also nicht nur in Form schöner Beschreibungen die Patentlitteratur anhäufen hilft. DerProzeß ist zuerst durch den Engländer Deacon technisch durchgeführt worden und heißt nachihm der Deaconprozeß. Er beruht auf der von uns schon eingangs erwähnten Gleichung

Salzsäure -4 Sauerstoff (aus der Luft) — Chlorgas -4 Wasser2 201 ^-0 ^-201 -4 2 . 0 .

Die Oxydation des Wasserstoffes der Salzsäure zu Wasser soll also die Luft be-wirken. Ihr Sauerstoff vermag dies jedoch nur in Gegenwart einer Kontaktsubstanz.Wie wir das Platin in der Schwefelsäureanhydridfabrikation als solche (s. S. 372) kennenlernten, so finden wir hier Kupfersalze zu dem Zweck verwendet, die sich für ihn als diegeeignetsten erwiesen haben. Hier ist aber nicht Asbest das die Oberfläche vergrößerndeMittel, sondern hier nimmt man poröse Thonkugeln von Iftz cnu Durchmesser, die manmit Kupfervitriollösung tränkt.

Das aus dem Sulfatofen kommende salzsaure Gas wird für diese Art der Chlor-bereitung nun nicht erst in jenen großen Anlagen, die wir kennen gelernt haben, inWasser gelöst, um als flüssige Salzsäure weiter verarbeitet zu werden, sondern so wie esals Gas aus dem Ofen kommt — man sieht, welcher Vorteil schon hierin liegt — direktmit Luft zusammen bei einer Temperatur zwischen 3 70" und 425° über die Kontaktsubstanzgeleitet. Würde sich die Umsetzung zwischen dem salzsauren Gas und der Luft hierquantitativ vollziehen, so wäre der Prozeß als ideal zu bezeichnen, nach Deacons Annahmesollte das der Fall sein. Aber in der Praxis vermag man höchstens 6(2/g umzusetzen undkommt nur selten viel über 50°/o hinaus, doch auch dieses genügt gegenüber dem alten Ver-fahren, das es längst verdrängt hätte, wenn sich nicht die Durchführung des Ganzen als inder Fabrikpraxis ziemlich schwer erweisen würde, indem es zu viel Aufmerksamkeit erfordert.

Das aus dem Umsetzungsapparat kommende Gasgemisch besteht somit aus Chlor,unveränderter Salzsäure, Wasserdampf, Stickstoff der Luft und auch noch ein wenig un-verbrauchtem Sauerstoff. Um es für die Chlorkalkfabrikation verwenden zu können, mußes jetzt abgekühlt und getrocknet werden, welches letztere man so erreicht, daß man es durcheinen Koksturm treibt, in welchem von oben her konzentrierte Schwefelsäure herabrieselt,die doch alle Feuchtigkeit absorbiert. Das dem Turm entströmende Gas ist dann derHauptsache nach trockenes, stark mit Stickstoff verdünntes Chlorgas, das in die Chlorkalk-kammern geleitet wird. Wegen seiner Verdünnung mit Stickstoff muß man diese aberweit größer als die älteren anlegen und in ihnen auch den Kalk auf Stellagen aufstellen,also seine Oberfläche möglichst vermehren, um völlige Absorption des Chlors zu erreichen.Hinter den Kammern befindet sich schließlich ein Exhaustor, welcher das Gemisch derGase durch den ganzen Apparat saugt, denn der natürliche Zug eines Kamins reicht fürdiese komplizierte Wanderung des Gasstroms nicht mehr aus.

Die Regenerierung des Braunsteins. Die „sauren Manganbrühen" (s. oben),welche die Chlordarstellung aus Braunstein und Salzsäure als Abfall liefert, waren einefatale Zugabe zur Fabrikation, denn sie, die neben ihren 6 °/g Salzsäure noch mit Chlor-gas gesättigt waren, waren sehr schwer zu beseitigen. Der Chlorgeruch fortgegossenerLaugen machte sich über 1 üm weit bemerkbar, und Flüsse oder Bäche, die sie aufnehmenmußten, wurden aufs schlimmste verunreinigt. So hatte man denn seit langem ein Interessedaran, sie irgendwie zu verwerten. Dabei konnte es sich immer nur um ihr Mangan