Ncbenindustrien der Sodafabrikation: Das chlorsaure Kali. 405
einzuleiten, wobei sich chlorsaurer Kalk nebst Chlorcalcium bilden, und den chlorsaurenKalk nachträglich in chlorsaures Kali überzuführen. Und danach wird denn auch jetztnoch gearbeitet. Das Chlorgas wird in Kalkmilch geleitet und die so erhaltene Lauge,die nicht sehr stark ausfällt, konzentriert. Während des Eindampfens setzt man ihrnunmehr Chlorkalium zu und läßt sie hierauf erkalten. Dabei krystallisiert dann chlor-saures Kali aus, indem sich der chlorsaure Kalk mit dem Chlorkalium zu ihm und Chlor-calcium umsetzen:
Chlorsaurer Kalk -r Chlorkalium — Chlorsaures Kalium Chlorcalcium0a (0lOg), 2LOl -- 2L010, vaOI..
Zu seiner Reinigung wird das so erhaltene Rohsalz nochmals aus Wasser um-krystallisiert. Wenn durch den billigen Kalk auch am teuren Kali gespart wird, gehen abergerade so wie früher von den sechs nach der oben stehenden Gleichung notwendigen Chlor-atomen auch nach Liebigs Verfahren fünf statt ehemals in Chlorkalium jetzt in daswertlose Chlorcalcium über, und nur das sechste Atom kommt im chlorsauren Kali zurVerwertung. So kann es uns denn nicht wunder nehmen, daß man die Methode derDarstellung des chlorsauren Kalis andauernd zu verbessern bestrebt ist, ohne aber bishertechnische Erfolge erzielt zu haben.
40l. Anwendung Des Nrspiratioiisapparats in der Sleikaminrr.
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Das chlorsaure Kali enthält über 39 "/§ Sauerstoff, und daher verbrennen ihm zu-gemischte Körper sehr leicht, ja viele solche Mischungen explodieren schon auf bloßen Stoß,so daß ihre Herstellung nicht ungefährlich ist. Für sie, die viel in der Feuerwerkerei ge-braucht werden, feuchtet man deshalb vorher das chlorsaure Kali mit Spiritus an, denman aus der Mischung hernach wieder abdunsten läßt. Außerdem braucht die Zündholz-industrie viel chlorsaures Kali, auch spielt es in der Färberei als Oxydationsmittel eineRolle, ebenso bei der Darstellung von Farben oder Herstellung von Zwischenprodukten fürdiese, wie in der Alizarinschmelze. Gibt man ein wenig von ihm in Wasser und rührtes mit der Zahnbürste um, so hat man ein die Zähne aus-gezeichnet konservierendes Zahnputzwasser. Auch dienenwarme also weit stärkere Lösungen von ihm als Gurgel-wasser bei Halsentzündungen, doch darf man sie nichtherunterschlucken, weil sie giftig wirken. Das chlorsaureKali verwandelt nämlich das Oxyhämoglobin des Blutes,das ist dessen normaler roter Farbstoff, durch Oxydation, in-dem es also seinen Sauerstoff an diesen abgibt, in Methä-moglobin, einen braunen Farbstoff, der die Lebensfunktionen,welche das Oxyhämoglobin ermöglicht, nicht zu unterhalten ^ ^
vermag. Des chlorsauren Kalis.