Nebenindustrien der Sodafabrikation: Wiedergewinnung des Schwefels. 411
handeln, der Gehalt an diesem mag durchschnittlich 15 betragen. Wenn es je Ver-suche gegeben hat, auf die das Denkbarste an Intelligenz in chemischer und technischer Be-ziehung, zum Teil sogar ohne Rücksicht auf Kosten, verwendet worden ist, so werden füralle Zeiten die gerade zur Lösung dieses Problems unternommenen Arbeiten dazu ge-rechnet werden müssen.
Das älteste Verfahren ist von Hofmann zu Dieuze ausgearbeitet worden, und erverband es zugleich mit einer Nutzbarmachung der sauren Manganbrühen seiner Fabrik,es ist nur speziell für die besonderen Verhältnisse jener Anlage geeignet gewesen. Dannhat das Schaffnersche Verfahren viel Aufsehen erregt. Oxydiert man Sodarückständedurch Liegen an der Luft, so kann man nachher den größten Teil des ehemals in ihnenunlöslich gewesenen Schwefels in Form von unterschwefligsaurem Kalk und Calcium-polysulfuret durch Wasser ausziehen. Setzt man jetzt zu einer solchen Lauge Salzsäure,so wird nach der sogleich zu gebenden Gleichung der gesamte in ihr vorhandene Schwefelgefällt. Die Fabrikation ist mit sehr großen Schwierigkeiten verknüpft, und seitdem dieSalzsäure wertvoll geworden ist, bei dem starken Verbrauch an ihr zur Zersetzung derschwefelhaltigen Laugen unökonomisch. Mond hat dann das Verfahren so abgeändert, daßdie Sodarückstände in den Auslaugekästen, nachdem ihnen die Soda entzogen ist, sogleichdurch Einblasen von Luft oxydiert werden, also nicht erst herausgenommen und nacheinem Monat etwa wieder in Bottiche gebracht zu werden brauchen. Doch eignet sich fürdies Verfahren nur englisches Rohmaterial, welches poröser als das des Festlandes aus-fällt. Die aus den oxydierten Rückständen extrahierte Lauge wurde wie bei Schaffnerdurch Salzsäure zersetzt. Die Gleichung, nach der dieses vor sich geht, ist folgende:
Unterschwefligsaurer Kalk -I- Calciumpolysulfurct -i- Salzsäure Chlorcalcium Wasser 4 - Schwefel
2 0u8x 4 6 1161 -- 3 6 a 6 ft 4 3 S.,0-r-48>x8.
Auch dieses Verfahren ist verlassen worden. Beide gestatten nicht mehr als die Hälftedes in den Rückständen enthaltenen Schwefels wiederzugewinnen.
Sie schienen bei weitem übertroffen durch das Schaffner-Helbigsche Verfahren,welches die Verwendung von Chlormagnesium zu Hilfe nimmt. Chlormagnesium istaus Staßfurt in jedem Quantum zu beziehen. Bei der Verarbeitung der Kalisalze fällt esdort als Nebenprodukt ab (s. S. 430) und läuft so massenhaft in wässeriger Lösung in diedortigen Flüsse, daß sich sein Chlorgehalt noch im Wasser der Elbe bei Hamburg bemerk-bar macht. Es wirkt auf das Schwefelcalcium der Sodarückstände so ein, daß sich Chlor-calcium, Magnesia und Schwefelwasserstoffgas bilden.
Schwefelcalcium -!- Chlormagnesium -1 Wasser --- Chlorcalcium -1 Magnesia -i- SchwefelwasserstoffOa 8 Ll^OIz ^ L ,0 -- O-cOIz 4 LlxO ^ Hz 8 .
Das Schwefelwasserstoffgas wird aus dem geschlossenen Apparate, in welchem die Ein-wirkung vor sich geht, nach dem Ort seiner Verarbeitung geleitet, wo man es entweder aufSchwefelsäure verarbeitet, zu welchem Zweck man es anzündet und in die Bleikammernleitet, oder aus ihm Schwefel darstellt, worauf wir noch zurückkommen.
Ist alles Schwefelwasserstoffgas entwichen, so leitet man in die Flüssigkeit Kohlen-säure, jetzt entsteht aus der Magnesia wieder Chlormagnesium, welches zu neuer Extraktionvon Rückständen dient, so daß also das Chlormagnesium in der Fabrikation zirkuliert.
Magnesia -i- Chlorcalcium -i- Kohlensäure — Chlormagnesium 4 Kohlensaurer Kalk
LlxO 6 S.OI 2 00 z --- ülxOIz 4- OaOOg
Der sich abscheidende kohlensaure Kalk geht in die Sodaschmelzen, wo er statt Kreide oderKalkstein benutzt wird. Man sieht, diese gewiß sehr schöne Methode gestattet nicht nurdie Wiedergewinnung des Schwefels, die zu 90 °/g erfolgen soll, sondern sogar die Wieder-gewinnung des Kalksteins, der der Sodaschmelze zugesetzt worden war. Aber auch diesesVerfahren soll in ökonomischer Beziehung auf die Dauer nicht realisierbar gewesen sein.
Die drei beschriebenen Fabrikationsweisen haben es wenigstens zur Ausführung imgroßen gebracht, jene ungezählten Hunderte von Vorschlägen, von denen es nur ein Teilnoch bis zur Patentierung gebracht hat, wollen wir gar nicht erst erwähnen. Sondernwir gehen jetzt zu dem Verfahren von Chance über, der die Frage endgültig und in