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Chemische Industrie: Alkalien und Sauren.
genialster Weise für England gelöst hat, während man sich auf dem Festland wegen dermit dem Verfahren verbundenen gewaltigen Anlagekosten zu seiner Einführung bishernicht entschlossen hat. Wir werden es hier zumeist im Anschluß an die Wagnerschen„Jahresberichte der chemischen Technologie" wiedergeben und wollen zum leichteren Ver-ständnis des Folgenden vorwegnehmen, daß es auf die Gewinnung des Schwefels ausden Sodarückständen mittels dem Kalkofen entnommener Kohlensäure hinausläuft, einVerfahren, dessen Zweckmäßigkeit, was die Billigkeit der Kohlensäure anbetrifft, wir jaschon kennen.
Das soeben erwähnte Schaffner - Helbigsche Chlormagnesium-Verfahren war vonChance in den Jahren 1882—1883 in England zur wirklichen technischen Brauchbarkeitgebracht worden, was einen Aufwand von etwa 200000 Mark erforderte. Es war ihmgelungen, die Kosten des Verfahrens so weit zu verringern, daß sie einschließlich derPatentgebühr einem Preise von 3 Pence „per Einheit" des Schwefels in der Tonnespanischen Pyrits entsprachen, während der damalige Verkaufspreis dieses Pyrits dasdoppelte, also 6 Pence per Einheit war, d. h. es wurden z. B. für 48°/g Schwefel ent-haltenden Pyrit 6 X 48 Pence oder 24 Schillinge für die Tonne bezahlt.
Angesichts dessen setzten im Herbst 1883 die vereinigten Pyritgesellschaften ihrenPreis auf die Hälfte herunter und gingen mit den Hauptfabriken mehrjährige Lieferungs-verträge zu diesem Preise ein, was selbstverständlich dahin führte, daß niemand mehr diegroßen Kosten der Einrichtung des neuen Verfahrens auf sich nehmen wollte, woraufhinauch Chance selbst den Betrieb wieder einstellte.
Eine Hauptschwierigkeit hatte darin bestanden, daß die beabsichtigte Gewinnung vonSchwefel aus Schwefelwasserstoff durchaus nicht glatt verlaufen wollte. Sie sollte soausgeführt werden, daß man Schwefelwasserstoff und Luft aufeinander einwirken läßt,wobei sich freier Schwefel und Wasser bilden können. Freier Schwefel ist natürlich vielwertvoller als Schwefel in Form von Pyrit, den allein die Schwefelsäurefabriken brauchenönnen.
Schwefelwasserstoff n Luft — Schwefel Wasser
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Chance hatte sich damit begnügen müssen, den Schwefelwasserstoff in Form von Schwefel-säure zu Gute zu machen, was ja keine Schwierigkeiten hat, so daß sein Schwefelgehaltalso nur dem des Pyritschwefels gleichwertig war. Um Schwefelwasserstoffgas aufSchwefelsäure zu verarbeiten, braucht man es nur anzuzünden, wobei es doch zuschwefliger Säure und Wasserdampf verbrennen muß, welche letzteren man in die Blei-kammern leitet.
Chance arbeitete aber an der Schwefelwiedergewinnung ununterbrochen fort,und nach weiteren fünf Jahren angestrengtester Thätigkeit kam er zum Ziele. WasGossage, ein in der Sodaindustrie sehr berühmter Name, zuerst im Jahre 1837 versuchthatte, die direkte Zersetzung von Sodarückständen mit Kohlensäure, Versuche, an denener nach seinen eigenen Worten dreißig Jahre seines Lebens und ein Vermögen eingebüßthatte, das führte Chance genau fünfzig Jahre später durch. Ehe ihm dies gelang, arbeiteteChance im Anschluß an ein Patent des deutschen Chemikers Claus vom Jahre 1883auf Gewinnung von Schwefel aus Schwefelwasserstoff dessen patentiertes Verfahren,das, wie es Claus beschrieben hat, technisch nicht verwertbar war, mit Zustimmung desPatentinhabers zu einem technisch brauchbaren aus.
Nach vielen Versuchen gelang dieses dadurch, daß das Schwefelwasserstoffgas, gemischtmit einer der obigen Zersetzungsgleichung genau entsprechenden Menge Luft, durch einRohr unter den durchbrochenen Rost des kreisrunden Ofens L geleitet wird. DiesGasgemisch durchzieht eine Lage von Ziegelbrocken und darüber eine Schicht von Eisen-oxyd, welches als Kontaktsubstanz die Oxydation des Schwefelwasserstoffs vermittelt. Diebei der Reaktion entwickelte Wärme reicht hin, die Kammer L auf Dunkelrotglut zuhalten, eine Temperatur, bei der die Umsetzung fast vollkommen wird. Das nunmehrigeGemenge von Schwefeldampf, Wasserdampf und Stickstoff, der der Luft entstammt, ge-langt durch das Rohr 0 in die gemauerten Kammern v und U. Der sich am Boden der