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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
Diesen ausgedehnten Bedarf decken heutzutage Staßfurt und Nordamerika . Wirwissen von der großen Kaliindustrie Staßfurts, und dort bleiben natürlich ungeheureMassen Mutterlaugen, aus denen die Kalisalze auskrystallisiert sind, übrig, die man in
die Flüsse laufen läßt. Sie enthalten haupt-sächlich Chlormagnesium (s. S. 411). Nebendiesem enthalten sie aber auch ein wenig Brom-magnesium, nämlich neben 30 — 34°/o vonersterem "/§ des letzteren.
Um erwähnenswerte Mengen Brom ab-destillieren zu können, benutzt man deshalb ausSandsteinplatten zusammengefügte Kästen, dieetwa 3000 1 fassen. Sie haben in sich einenfalschen Boden, auf den eine solche MengeBraunstein gegeben wird, daß er für vieleDestillationen hinreicht. Da die Mutterlaugeund Schwefelsäure als Flüssigkeiten hineinlaufen,braucht deshalb nur selten der schwere Mannloch-verschluß im Deckel geöffnet zu werden. Durcheine Dampfleitung vermag man direkten Dampfin sie einzuleiten.
_ _ -i- LlnO.2
Chlormagnesium Brommagnesium -n Schwefelsäure n- Braunstein ^
-- 214^80, n LluOI^ -1- 2Lr 4- LL.O
schwefelsaure Magnesia -l- Manganchlorür -4 Brom 4- Wasser.
Ein solcher Kasten steht mit einem Kühlrohr aus Thon in Verbindung, welches sichin einem Kühlfaß befindet. Ehemals mußten diese Kühler aus England bezogen werden,heute liefern sie auch deutsche Fabriken, z. B. Rohrmann in Krauschwitz . Sie sind etwa
1,1 na hoch. Ihre Rohrläuge beträgt 18 ru, und das Rohrhat, um die Kühlfläche zu vergrößern, den in der Abbil-dung in 2 /g der natürlichen Größe wiedergegebenen ge-wellten Querschnitt. Man verwendet Thonkühlschlangentrotz ihrer Zerbrechlichkeit, weil metallene zu sehr vomBrom angegriffen werden. Ihr unteres Ende ist mit einerdreihalsigen Flasche verbunden, welche man nach ihremErfinder, der zu Anfang des Jahrhunderts lebte, Woulff-sche Flaschen nennt. In dieselbe tropft durch den Tubu-lus ^ das aus dem Destillationsgefäß kommende Brom nebst dem mitübergehenden Wasser. Im Tubulus 8 ist2 ,,,ein Glasrohr befestigt, welches in ihm verschiebbar ist. EsKühlsch^ng-nr^rsi",/»^ Größe,, hat heberförmige Gestalt, wie Abb. 421 zeigt, und man
kann mit seiner Hilfe die Flasche in das untenstehendeGefäß O entleeren, ohne sie öffnen zu müssen, indem man aus ihr je nach Bedarf dasBrom oder das überstehende Wasser, welches mit Brom gesättigt ist und daher rötlichaussieht, abzieht. Wasser löst nämlich 3 "/§ Brom.
Die geringen Mengen Bromdampf, welche aus der Flasche entweichen, leitet mandurch eiu im Tubulus 0 befestigtes Bleirohr in ein Steinzeuggefäß L, das mit nassenEisenspänen gefüllt ist. Das Brom verbindet sich hier mii dem Metall sofort und so voll-ständig zu Bromeisen, daß nichts von ihm in die Luft gelangt. Das erhaltene Roh-material wird sodann durch Destillation aus Glasretorten gereinigt, die ohne jede Ab-dichtung, weil diese durch das übergehende Brom angegriffen und aufgelöst das Destillatverunreinigen würde, mit einer stark gekühlten Vorlage verbunden sind.
Die Fabrikation an Brom erreicht jetzt 400 000 jährlich, woran Staßfurt mitzwei Dritteln beteiligt ist. Den Rest liefern Nordamerika und einige Salinen. Doch ist
4W. ThonkiihlschMngr.