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Darstellung des Fluors und des Broms.
Mit gasförmiger Säure arbeitet man so, daß man in einem Bleikasten Flußspat
mit Schwefelsäure übergießt und auf ihn nach Art eines Deckels das zu ätzende Glas
legt, woraus das aufsteigende flußsaure Gas die Ätzung besorgt. Je nach der Tiefe, biszu der man ätzen will, ist mehr oder weniger Zeit erforderlich. Genügt die Ätzung, soentfernt man schließlich den Ätzgrund mit Terpentinöl. Will man mit der flüssigen Säureätzen, so macht man am Rande des Glases eine Erhöhung aus dem Deckgrund undgießt in die so erhaltene flache Schale die Säure, oder man gießt ein Gemisch von
Flußspat und verdünnter Schwefelsäure auf. Der Unterschied zwischen diesen beiden
Arten der Ätzung ist der, daß die flüssige Säure eine durchsichtige Zeichnung, die gas-förmige eine undurchsichtige erzeugt.
Weil die Flußsäure hiernach Glas zerstört, kann sie nicht in Glasflaschen aufbewahrtoder versandt werden. Schädeler schlug deshalb schon in den fünfziger Jahren vor, siein Flaschen aus Guttapercha aufzubewahren, welche sie nicht angreift, und dieser Vorschlaghat sich so bewährt, daß er der bis heute übliche geblieben ist. Nur wenn es sich umFlußsäure handelt, die zu analytischen Arbeiten dienen soll und deshalb sehr rein seinmuß, nimmt man seit dem Jahre 1891 Hartgummiflaschen, da die Säure aus denGuttaperchaflaschen Spuren von Eisen auflöst, die diese enthalten.
Das Brom , zu dem wir jetzt übergehen, ähnelt dem Chlor noch mehr als das Fluorhinsichtlich seines chemischen Verhaltens. Es wurde von Balard aufgefunden, als er sichmit der Untersuchung der Mutterlaugen, welche in den südfranzösischen Salzgärten zurück-bleiben (s. S. 362), beschäftigte. Sein Name ist nicht gerade vornehm, er bedeutet der„Gestank", wonach man sich vom Gerüche des Broms eine Vorstellung machen kann, denndie Chemiker haben doch im allgemeinen wenig empfindliche Nasen. Es stellt in reinemZustande eine tiefrote spezifisch sehr schwere Flüssigkeit dar, die braunrote Dämpfe ausgibt.
Seine chemische Verwandtschaft zu den anderen Elementen ist nicht ganz so stark wiedie des Chlors, leitet man also in eine Lösung, die Bromverbindungen enthält, Chlorein, so wird es in Freiheit gesetzt, indem das Chlor es verdrängt und an seine Stelletritt. Da es sehr flüchtig ist, es siedet bei 58 °, kann es leicht aus derartigen Lösungendurch Destillation gewonnen werden. Damit ist der Weg seiner Gewinnung gegeben.Sollen Mutterlaugen auf Brom verarbeitet werden, so setzt man ihnen nach BalardBraunstein und Salzsäure, unsere uns so wohl bekannten Chlorentwickler (s. S. 400),zu und erwärmt, solange rötlich gefärbte Dämpfe übergehen. Außer in Südfrankreich ist auf diesem Wege auch Brom aus dem Meerwasser der Nordsee dargestellt worden.Auf der Insel Wangeroog gab es vor Jahren eine Saline, die Kochsalz aus Seewasserbereitete. Das Meerwasser wurde durch Gradieren und Auflösen von englischem Stein-salz in der gradierten Flüssigkeit siedewürdig gemacht. Ein Kubikmeter Meerwasser gabschließlich etwa 101 Mutterlauge, aus der bei Winterkälte schwefelsaure Magnesia (Bitter-salz) auskrystallisierte. Die hiervon abgegossene Lauge wurde auf Brom verarbeitet.Dies geschah in der Art, daß man ihr Braunstein und Schwefelsäure zusetzte. Die Schwefel-säure macht natürlich aus dem Kochsalz der Lauge Salzsäure frei, welche dann mit demBraunstein das nötige Chlor liefert. Aus 100 Mutterlauge erhielt man auf Wangeroog etwa 600 Z Brom. Auch manche Salinen des Inlandes stellten es aus ihren letztenMutterlaugen dar, so die Saline zu Schönebeck au der Elbe . Die Menge des so dar-gestellten Broms war aber immer nur eine unbedeutende, genügte jedoch für den geringenBedarf der Welt, indem die Apotheker die Hauptabnehmer waren. Dies änderte sich dannmit der zunehmenden Ausdehnung der Photographie. Als besonders wirksam zeigte sichfür deren Zwecke das Bromsilber, und daran schloß sich bald ein zweiter Verbrauch, derdiesen ersten längst völlig in den Schatten stellt, das ist der Verbrauch in der chemischenIndustrie, namentlich der der Anilinfarben.
Mit Chlor war im großen nicht gerade bequem zu arbeiten, wie wir gesehen haben,bis zu der Zeit, in welcher es als Flüssigkeit in den Handel kam, was doch aber erst derallerneuesten Zeit angehört, und so benutzten die Anilinfarbenfabriken, wenn sie Verbin-dungen brauchten, die Chlor oder Brom enthalten sollten, um sich nachher in bestimmterWeise weiter verarbeiten zu lassen, lieber das als Flüssigkeit käufliche Brom.