Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
432
JPEG-Download
 

432

Chemische Industrie:' Alkalien und Säuren.

Welche Beobachtung Bennet im Jahre 1878 machte, wodurch er der Begründer der mo-dernen Photographie geworden ist. Man erhält das Bromsilber, wenn man zu einemder erwähnten Salze eine Lösung von salpetersaurem Silber setzt. Es scheidet sich dannsofort als ein in Säuren ganz unlöslicher gelber Niederschlag aus, und die Herstellungvon Trockenplatten für die Photographie erfolgt z. B. in folgender Art.

Man löst 12 § Bromammonium und 2 § Gelatine in 100 ooin Wasser, säuert ganzschwach mit Essigsäure an und erwärmt im Wasserbade bis 75°, und läßt 20 § salpeter-saures Silber in 100 ooin Wasser gelöst und ebenfalls schwach angesäuert hinzutröpfeln.Dann siedet man zwei bis vier Stunden und versetzt mit 10 § Gelatine, die vorher in Wasseraufgequollen ist, läßt erstarren, quetscht die Emulsionsgallerte durch Canevas, wäscht dieerhaltene Nudel durch fließendes Wasser, bis das Wasser sich mit neu zugesetzter Silber-lösung nicht mehr trübt, und trocknet die Nudel, schmilzt sie, filtriert sie durch Baum-wolle, verteilt sie auf horizontal gelegte Glasplatten, läßt diese erstarren und in einemTrockenschranke trocknen. Das fertige Produkt ist die BromsilbergelatineemulsionsPlatte.Es ist wohl nicht nötig, darauf hinzuweisen, daß dies alles in einer Dunkelkammer aus-geführt werden muß.

Seit längerer Zeit gibt man außerdem 2 °/g vom Bromammonium an Jodkaliumzur Lösung zu, weil die hierdurch dem Bromsilber zugemischte Quantität Jodsilber diePlatten noch empfindlicher macht, auch klarere Bilder liefern hilft.

Jas Jod.

Das Jod entspricht in seinem ganzen Verhalten dem Brom und dem Chlor. Auchsein Verbindungsbestreben ist so groß, daß es unverbunden auf Erden nicht vor-kommen kann.

Entdeckt wurde es infolge der Beobachtung eines Pariser Salpeterfabrikanten Courtois,der bemerkte, daß eiserne Kessel rasch zerfressen wurden, in denen er zur Umsetzung dessalpetersauren Kalks in salpetersaures Kali (s. S. 437) den Auszug von Pflanzenaschen,die aus Meerespflanzen gewonnen waren, verwendete. Gay-Lussac , dem er diesesVerhalten mitteilte, fand dann die Ursache in einem neuen, von ihm in den Aschenentdeckten Element, welchem er, weil es leicht in violetten Dämpfen sublimiert, denNamen Jod gab, im Anschluß an das griechische Wort veilchenfarbig.

Damit war die einzige Quelle, aus der dieses Element in größeren Mengen zu habenwar, zugleich aufgefunden, und es entwickelte sich die Jodindustrie, die in den vierzigerJahren in Gang kam, an der Küste Nordfrankreichs und Schottlands , wo man von jehergewohnt war, Seepflanzen zu veraschen (s. S. 358). Der Gehalt der meisten von ihnenan Jod im getrockneten Zustande ist im Laufe der Zeit bestimmt worden. So enthältillarninaria äiAitata 0,-isss v)o, Uuous ssrratus 0,v8ss0^, buous vssioulosns 0 ,o 2 s?o/o, alsoder Jodgehalt ist ein sehr verschiedener, aber immer sehr geringer, je nach den Arten.

Der an die Küste gespülte Tang oder auch die absichtlich vom Meeresboden herauf-geholten Pflanzen werden an der Sonne getrocknet und hernach in Gruben verbrannt.Die zurückbleibende Asche wird jetzt in den von Shanks angegebenen Auslaugeapparaten(s. S. 393) auf das vollständigste ausgelaugt.

In Schottland ergeben 1000 Asche 5—6 KZ Jod, in Frankreich 7—14Eine einzige schottische Fabrik verarbeitet jährlich 10—12000000 kx dieser Asche. Auchdie Japaner haben sich dieser Fabrikation nunmehr zugewandt und produzieren jetztviel Jod. Es gibt Fabriken hierfür sowohl in Tokio als auch weiter nordwärts an derOstknste, denen in den im Übermaße vorhandenen Seetangen ein ausgiebiges Materialzu Gebote steht. Die japanischen Chemiker führten im Jahre 1896 heftige Klage darüber,daß europäische Fabriken, um die japanischen zu ruinieren, Jodpräparate zu Schleuder-preisen in Japan verkauften, und haben bereits einen hohen Schutzzoll auf diese Präpa-rate bei ihrer Regierung beantragt.

Die aus den Aschen erhaltenen Laugen werden eingedampft, wobei mit der fort-schreitenden Konzentration verschiedene Salze nacheinander auskrystallisieren. Zuerstscheidet sich schwefelsaures Kali aus, dann Chlorkalium, dann kohlensaures Natron u. s. w.