Das Jod. 433
Bei der außerordentlichen Löslichkeit des Jodnatriums häuft sich dieses in den letztenMutterlaugen an, aus denen es nun wieder nach Art des Broms gewonnen wird. Manmacht diese Mutterlaugen mit Schwefelsäure sauer, bringt sie in gußeiserne Kessel, diemit einem bleiernen Helm versehen sind, und setzt jetzt portionsweise Braunstein durch ^zu, indem man nach jedesmaligem Zusatz des Braunsteins abwartet, ob noch bei L violetteDämpfe erscheinen, wenn man den Stöpsel lüftet. Die Einwirkung des Braunsteinsaus die durch die Schwefelsäure aus dem Jodnatrium in Freiheit gesetzte Jodwasserstoff-säure verläuft wieder in der uns jetzt leicht verständlichen Art nach der Gleichung:
Jodwasserstoffsäure -- Braunstein -i-Schwefelsäure ---- Jod 4- Schwefelsaures Mangau -i- Wasser2Lll LlmO, n.80, --24-1- Nn80, -t-2H.,0.
Durch das portionsweise Zusetzen des Braunsteins erreicht man, daß nicht auch Brom oder gar Chlor mit ausgetrieben werden, welche das Jod verunreinigen würden. Essetzt sich in Form von Krusten in den thönernen Vorlagen 0 ab, deren Anordnung ausder Abbildung zu ersehen ist. Das Abtreiben des Jods erfordert jedesmal etwa zehnStunden, so daß man täglich eine Destillation ausführt. Alle vierzehn Tage werden dieVorlagen entleert, diedann jede 50—80Jod enthalten.
Die Form der De-stillationsapparate istviel variiert worden,ihr Prinzip ist aberimmer das in der Ab-bildung wiedergegebenegeblieben, auch hat mankeine bessere Art vonVorlagen zur Verdich-tung des Jods anzu-bringen vermocht. Manhat aber die Destilla-tion auch ganz vermei-den wollen und durchZugabe von Chlor dasJod aus der Mutterlauge auszufällen gesucht, was bei seiner sehr geringen Löslichkeit inWasser theoretisch sehr gut möglich erscheint. Zu dem Zweck verfährt man so, daß manzu der mit Salzsäure sauer gemachten Lauge chlorsaures Kali setzt. Chlorsaures Kaliwirkt aus Salzsäure wie Braunstein, indem sein Sauerstoff sich mit dem Wasserstoff derSalzsäure verbindet, und so Chlor frei wird.
Chlorsaures Kali 4- Salzsäure ^ Chlorkalium 4- Chlor 4 WasserLOlOg -i- 6L61 LOI 4 6 01 -i- 311,0.
Durch sehr allmählichen Zusatz von chlorsaurem Kali kann man den Punkt treffen, an demgerade alles Jod ausgefällt ist. Das so erhaltene Produkt wird möglichst abgepreßt und ander Luft etwas getrocknet, was wegen der Flüchtigkeit des Jods nicht lange fortgesetzt werdenkann, ohne daß große Jodverluste entstehen. Zufolge seines Wassergehalts ist dieses vonfranzösischen Fabriken gelieferte Produkt weniger gut, als das englische. Die englischeProduktion mag in den siebziger Jahren 120000 die französische 40000 jährlichbetragen haben.
Die Verhältnisse in der Jodgewinnung haben sich seitdem völlig verschoben. Dieverhältnismäßig geringen Mengen an Jod, welche die Meerespflanzen sammeln, habenzum Konkurrenten einen*so ungeheuren Vorrat an Jod bekomme», daß die Gewinnungaus ihren Aschen sehr zurückgegangen ist, und ein großer Teil der europäischen Fabrikendie Jodgewinnung als nicht mehr lohnend eingestellt hat. So sollen von den noch vor20 Jahren existierenden 14 englischen Fabriken gegenwärtig nur drei im Betriebe sein.
Buch der Erfind. VII.
423 . Gewinnung des Jods.