472 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
kräftig explodierende Nitrocellulose zurückbleiben. Dieser Weg, der nun nach den ver-schiedensten Richtungen variiert werden kann, ist vielfach einer derjenigen zur Erzeugungrauchloser Pulver gewesen.
Was nun die zuerst genannte Klasse der rauchlosen Pulver anbetrifft, so ist bei ihnendie Schießbaumwolle in irgend einem Lösungsmittel gelöst, und der nach dessen Verdunstenbleibende Rückstand in Form von Blättchen oder Körnern gebracht. Solche Pulver sinddie der französischen und deutschen Armee. In Frankreich soll Äther-Alkohol als Lösungs-mittel dienen, in Deutschland Aceton. Einige Privatfabriken bringen diese Pulver auchmit Kampferzusatz in den Handel.
Zur zweiten Klasse gehören also Pulver aus Nitroglycerin und Schießbaumwolle.Wichtigstes von ihnen ist der Nobelsche „Ballistik", welcher aus gleichen Teilen Nitro-glycerin und Nitrocellulose unter Zusatz von 2cho Anilin besteht. Letzteres ist im chemischenSinne eine Base und soll jede Spur Säure, die das Material noch enthalten, oder dieim Laufe der Zeit sich wieder in ihm bilden könnte, abstumpfen, also seine Haltbarkeitverbürgen. Dieser Ballistik wurde mit einigen Abänderungen in Italien, Österreich undfür gewisse Geschütze auch in Deutschland acceptiert.
Die dritte Klasse gewährt den weitesten Spielraum. Eine sehr große Anzahl vonKohlenwasserstoffen, namentlich alle die aus dem Steinkohlenteer Herstammenden, z. B.
das Benzol, das Toluol, lassen sich leichtnitrieren, d. h. auch in sie läßt sich ein Restder Salpetersäure, die Nitrogruppe, ein-führen, und sie dienen dann in Gemischenmit Schießbaumwolle als Explosivstoffe. Sowird Jndurit aus unlöslicher Schießbaum-wolle, die man sich mit Nitrobenzol voll-saugen läßt, hergestellt, und wird der Pla-stomenit so gewonnen, daß man nitrierteCellulose in geschmolzenem Dinitrotoluol löst.
In neuerer Zeit hat die Schießbaum-wolle eine gewisse Konkurrenz bei der Her-stellung der Pulver durch eine Nitrocelluloseanderen Ursprungs bekommen. So gut wieCellulose in der Baumwollfaser steckt, stecktsie natürlich auch in jeder anderen Pflanzenfaser, und in stark zusammengeklebtem Zu-stande bildet sie bekanntlich das Holz der Bäume. Die chemische Zusammensetzung allerCellulosen ist die gleiche, sie ist also Da jetzt sehr viel Holz zu Cellulose für
die Papierfabrikation zerkocht wird (s. eine Methode S. 368), so ist diese Cellulose ausHolz ein auch für Nitrierungszwecke leicht zu habendes Material geworden, wird auchfür diesen Zweck verwendet, und das aus ihr dargestellte Material führt den NamenHolznitrocellulose.
Sehr wichtig für die haltbare Herstellung des rauchlosen Pulvers ist auch dieBeschaffenheit der Lösungsmittel, denn, wenn sie auch abgedunstet werden, so bleibendoch nichtflüchtige Verunreinigungen, die sie enthalten haben können, in den Pulvernzurück. So ist Äther häufig schwach sauer, und so wird auch Aceton vor seiner Ver-wendung aufs genaueste geprüft, es darf z. B. nicht mehr als O,oos°/o Säure enthalten.
Zur Herstellung derartiger Pulver wird die Nitrocellulose bei 40 ° völlig getrocknetund dann im beistehend abgebildeten Apparat mit dem Lösungsmittel übergössen und gutdurchgearbeitet. Für Schießbaumwolle verwendet man ungefähr das gleiche Gewicht anLösungsmitteln. Wenn der Teig nach 3—lOstündigem Kneten aus der Maschine heraus-genommen wird, hat er etwa die Konsistenz von weichem Gummi.
Seine weitere Behandlung richtet sich nach der Form, die das Pulver erhalten soll.Zumeist wird er zwischen zwei erwärmten Walzen durchgeführt, und wenn deren Temperaturetwa 60 o beträgt, verdunstet der größte Teil des Lösungsmittels sehr rasch. Man erhältauf diese Art lange dünne Bogen, die sogleich auf einer Schneidemaschine in kleine Blättchen
4>ü. Knetmaschine ;nm Lösen der Uitroccllutase imLösungsmittel.