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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Die neueren Explosivstoffe. Das Celluloid.

gelbrot liefert. Kienruß, Mehlpulver und Salpeter erzeugen die gelben Funken des pracht-vollen Goldregens und die Sterne der Raketen. Eine sehr große Verwendung findet inder Feuerwerkerei auch das chlorsaure Kali, von dem wir ja wissen, daß es weit heftigerals Salpeter die Verbrennung unterhält. Die mit ihm herzustellenden Sätze werdenunter Spiritus zusammengerieben und hernach an der Luft wieder trocknen gelassen, weilbeim trockenen Verreiben der Materialien Explosionen gar nicht auszuschließen sind; derUnerfahrene läßt am besten seine Hand von derartigen Mischungen überhaupt.

Ein vorzügliches Rotseuer erhält man z. B. durch Zusammenreiben von 6 Teilenchlorsaurem Kali, 40 Teilen salpetersaurem Strontian, 13 Teilen Schwefelblumen und2 Teilen Kohle. Zum Grünfeuer kommt man durch Mischen von 30 Teilen salpeter-saurem Baryt (Barium ist ebenfalls ein dem Calcium sehr ähnliches Element), 2 Teilenchlorsaurem Kali, 2 Teilen Quecksilberchlorür, 4 Teilen Schwefel und 1 Teil Kohle.Dagegen hat man für Weißfeuer, also bengalische Flammen, das chlorsaure Kali nichtnötig. Eine sehr gute Mischung für dasselbe besteht aus 192 Teilen Salpeter, 57 TeilenSchwefel und 29 Teilen Schwefelantimon. Eine andere Mischung, das sogenannte in-dianische Weißfeuer besteht aus 24 Teilen Salpeter, 7 Teilen Schwefel und 2 TeilenSchwefelarsen. In einer Papierhülse oder Schachtel entzündet, brennt es sehr ruhig abund dient speziell zu Signallichtern. Sein durch den Arsengehalt außerordentlich giftigerDampf schließt jede Verwendung in geschlossenen Räumen aus, wie denn alle bisher ge-nannten Mischungen sich wegen des von ihnen entwickelten Rauches nicht für „Zimmer-feuerwerk" eignen. Wird solches gebraucht, wie etwa in Theatern, so verzichtet man aufübermäßigen Glanz, der im kleinen geschlossenen Raume auch nicht so nötig ist, undbenutzt für Rotfeuer ein zusammengeschmolzenes Gemisch von 3 Teilen salpetersauremStrontian mit 1 Teil Schellack, das hernach wieder gepulvert wird, während eine aufdem gleichen Wege bereitete Mischung von 6 Teilen salpetersaurem Baryt mit 1 TeilSchellack das nötige Grünfeuer liefert.

Das Celluloid. Wir wollen, wie erwähnt, im Anschluß an die Sprengmittel dasCelluloid behandeln, weil sein wichtigster Bestandteil Nitrocellulose, also Schießbaumwolleist, die hier nicht als Explosionsmittel zur Verwendung gelangt, sondern deren merk-würdige Eigenschaft, mit Kampfex zusammen ein für die verschiedensten Zwecke brauchbaresMaterial zu geben, ausgenutzt wird. Sahen wir im vorhergehenden, daß Nitro-cellnlose mit Nitroglycerin eine Gelatine liefert, so verbindet sie sich mit Kampfer zueiner harten Masse, die als Ersatz für Horn, Elfenbein, Schildpatt, Hartgummi und ähn-liches dienen kann, und aus der die meisten Gegenstände, die sonst nur aus diesen teil-weise recht teuren Materialien hergestellt werden konnten, ebenfalls und kaum vonschlechterer Qualität herstellbar sind. Erfinder des Celluloids ist der Amerikaner Hyatt gewesen. In Europa wurde es erst durch die Pariser Weltausstellung vom Jahre 1878bekannt.

Die Methoden seiner Herstellung haben stark gewechselt, und wahrscheinlich wird esnoch heute nach mehreren Verfahren fabriziert, welche wohl nicht alle ein identischesProdukt liefern, da es sich hier nicht um ein chemisches Individuum, sondern um einGemisch von Substanzen handelt, auf dessen schließliches Verhalten die Art der Her-stellung stets von Einfluß sein muß.

Die Methode Hyatts war folgende: Baumwolle wurde in der uns bekannten Weisenitriert und die Nitrocellulose im Holländer feingemahlen. Um sie möglichst von Wasserzu befreien, wurde sie hierauf einem starken Druck ausgesetzt und sodann mit Kampferzusammen unter erneuter Wasserzugabe vermahlen. Ein Gewichtsteil Kampfer auf zweiGewichtsteile Nitrocellulose wurde zumeist angewendet. Setzt man während des Ver-mahlens Farbstoffe zu, so erzielt man gefärbtes Celluloid. Nach innigster Mischung allerSubstanzen wird wiederum durch Pressen das Wasser möglichst entfernt und die so .er-haltene Masse nunmehr in die Formen gebracht, die es später als fertiges Produkt zeigensoll. Während sie in den Formen sich eingepreßt befindet, werden diese durch Dampf oderauf andere Weise bis auf 130° erhitzt, und zwar erhält man sie bei dieser Temperatur,bis der Kampfer alle Nitrocellulose gelöst hat. Die Umwandlung in Celluloid geht sehr