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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
rasch vor sich und ist in dem Augenblicke vollendet, wo die Masse die höchste Temperaturerreicht hat. Das Ergebnis ist eine durchaus gleichmäßige feste Masse.
Die Herstellung von künstlichem Elfenbein unter Zuhilfenahme solchen Celluloids er-folgt nun z. B. in folgender Art. Die feingemahlene ausgepreßte Nitrocellulose wird miteinem Teil Elfenbein und einem halben Teil Kampfer vermahlen und sodann ziemlichgetrocknet. Dann gibt man einen halben Gewichtsteil Äthylnitrit — das ist ein Lösungs-mittel nach Art des Acetons (s. S. 472) — zu, mit dem sie so lange in Berührungbleibt, bis sie von diesem Mittel ganz durchzogen ist. In einem geheizten Cylindererfolgt hierauf unter starkem Druck das Zusammenpressen. Das erhaltene Fabrikat siehtwie Elfenbein aus, ist frei von Strichen und Flecken, wird von Feuchtigkeit nicht an-gegriffen und läßt sich durch erneutes Erhitzen unter Druck in beliebige Formen pressen.
Eine andere Art der Celluloiddarstellung ist in Deutschland patentiert worden.Dieser zufolge löst man in einer Mischung von 100 Teilen Äther und 25 TeilenKampfer 50 Teile Nitrocellulose und behandelt die erforderlichenfalls mit Farben ver-setzte Masse so lange zwischen Walzen, bis sie plastisch geworden ist. Durch Liegen ander Luft werden die Platten, indem der Ather völlig verdunstet, bald hart und Polierbar.Soll das Material zur Herstellung von Billardbällen, Kegelkugeln und ähnlichem dienen,so werden die zusammengerollten Platten geraspelt, bei 106" getrocknet und in Metall-formen bei 120° gepreßt.
Die Zähigkeit des Celluloids ist eine sehr große, indem es nach den verschiedenstenRichtungen gebogen werden kann, ohne zu zerbrechen, wie man besonders an den runden,aus ihm hergestellten Kinderkämmen wahrnehmen kann. Seine Elastizität zu bewundern,hatten wir auch alle Gelegenheit an jenen durchsichtigen Bällen, die, in bunten Farbenhergestellt, vor einigen Jahren infolge ihres hübschen Aussehens die Freude der Kinder-welt bildeten, aber bereits wieder vergessen zu sein scheinen, indem sie den älteren Gummi-ball doch nicht zu verdrängen vermochten.
Was nun die oft behauptete Gefährlichkeit anbetrifft, die ihm in Rücksicht auf seinenGehalt an Nitrocellulose anhaften soll, so steht es damit folgendermaßen. Selbstverständlichist ein Material, das bis zu einem Drittel aus Schießbaumwolle besteht, gut brennbar;doch brennt es nur, wenn man es direkt anzündet, aber selbst dann, ohne zu verpuffen.Auf Druck und Schlag explodiert es nicht, also hat es nichts gerade Gefahrdrohendes ansich. Auch sind durch Celluloid herbeigeführte Unfälle kaum bekannt geworden.
Ais Erfindung der Jeuerzeuge und der Phosphor.
Im vorigen Abschnitte haben wir die Explosivstoffe kennen gelernt und gesehen, wieein auf sie fallender Feuerfunke genügt, jene Leistungsfähigkeit, die in Form von chemischerEnergie in ihnen aufgespeichert ist, auszulösen, eine Kraft in Wirksamkeit treten zu lassen,g gantischer als alle sonst bekannten Kräfte, die in ihrer Stärke mit den Naturkräftenselbst wetteifern kann.
Was ist aber eigentlich das Feuer und was die es begleitende Flamme, die solcheWirkungen hervorbringen können? Die Lösung dieser Frage soll uns nunmehr be-schäftigen. Wir alle sehen täglich brennendes Feuer, achten aber kaum auf dasselbe,und doch, eine wie hilflose und schwerfällige Masse wäre die Menschheit, wenn esdieses nicht auf Erden gäbe. Wie ratlos kommen wir uns vor, wenn wir im Dunkelder Nacht das Schächtelchen mit Streichhölzern nicht zu finden vermögen, und wie wenigRücksicht nehmen wir auf diese unscheinbaren Hölzchen, wenn wir in ihrem Besitze sind. Dasist aber das Los fast jeder Erfindung, die mehr als einen überflüssigen Luxus befriedigt.Bei dem Eisen bedankt man sich nicht für die Sense, und beim Brote denkt man nicht anden Pflug, und von der Taschenuhr nimmt man es als selbstverständlich hin, daß sie zujeder Sekunde die richtige Zeit angibt.
Wenn die Alten in der Prometheussage das Feuer als göttlichen Ursprungs undalleiniges Eigentum des Zeus schildern, dem es durch List entwendet werden mußte, sozeigen sie sich dankbarer als wir, denn sie zollten in Prometheus jedenfalls dem Erfinderder Kunst, Feuer anzumachen, ihre Verehrung. So alt die Kunst, Feuer hervorzurufen,