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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

nochmals gekocht und, nachdem diese wieder völlig ausgewaschen war, mit einer Salpeter-lösung getränkt. Der vorher harte Schwamm erlangt so eine weiche lederartige Be-schaffenheit und ist nach dem Trocknen zum Gebrauch fertig. Der Salpeter dient bei ihmnatürlich infolge seines hohen Sauerstoffgehaltes zum Erhöhen seiner Entzündlichkeit.

Das Döbereinersche Platinfeuerzeug. Das erste brauchbare, auf chemischenPrinzipien beruhende Feuerzeug hat dann Döbereiner konstruiert. Wir haben seiner Zeit(s. S. 447) erfahren, daß alles Platin auf nassem Wege gereinigt wird, indem man esaus seiner Lösung als Platinsalmiak niederschlägt. Glüht man diesen nur sehr mäßig, sohinterbleibt sein Gehalt an Platin in einem, wie wir uns denken können, sehr fein ver-teilten Zustande. Man bezeichnet solches Platin als Platinschwamm. In seinen Porenvermag es manche Gase in großer Menge aufzusaugen und auf diesem Wege zu ver-dichten, und das kann so weit gehen, daß der Platinschwamm selbst dadurch ins Glühengerät. Ist das Gas nun, welches verdichtet wird, ein brennbares, so entzündet es sich andem glühenden Metall, und auf dieser Erscheinung beruht das Döbereinersche Feuerzeug.

Es besteht aus einem Glas-, Metall- oder Porzellangefäß, welches oben durch einenDeckel geschlossen und mit verdünnter Schwefelsäure bis ungefähr zu ^/g angefüllt wird.Bon diesem Deckel aus ragt ein nach unten zu geöffneter Cylinder b in die Flüssigkeit,

von dem aus oben, durch den Deckel hindurch, eine durcheine Feder s verschlossen gehaltene Öffnung, der Kapsel kgegenüber, ausgeht. Diese Kapsel ist mit Platinschwammangefüllt. In dem Cylinder l> aber ist ein Stück Zink aneinem Messingdrahte aufgehängt, so daß es mit seinemunteren Ende ein wenig höher, als der untere Rand desCylinders sich befindet. Wird nun der Deckel auf das mitverdünnter Schwefelsäure versehene Gefäß aufgesetzt, so tauchtder innere Cylinder und mit ihm das Zink in die saureFlüssigkeit, und es beginnt augenblicklich eine Entwickelungvon Wasserstoffgas, indem die Umsetzung entsprechend fol-gender Gleichung eintritt.

Zink -i- Schwefelsäure ---- Schwefelsaures Zink -l- Wasserstoff2n 4- UzkOt — 2n80. ^ 2U.

Das sich entwickelnde Wasserstoffgas sammelt sich imInneren des Cylinders über der Flüssigkeit an, und die Zer-setzung dauert so lange fort, als das Zinkstück mit der Schwefel-säure in Berührung ist, und da das Wasserstoffgas keinen Ausweg findet — denn fürgewöhnlich wird die einzige kleine Öffnung durch die Feder o verschlossen — so drückt esallmählich die Flüssigkeit aus dem Inneren des Cylinders heraus in das größere Gefäßund bewirkt dadurch, daß endlich das Zink außerhalb der Flüssigkeit zu hängen kommt,so daß sich kein weiteres Gas mehr entwickeln kann. Die Flüssigkeit im größeren Ge-fäße drückt aber ihrerseits wieder auf das Gas; öffnet man demselben durch die Feder oden Austritt aus dem Cylinder, so strömt es so lange aus, bis die Schwefelsäure innerhalbdes Cylinders so hoch steht wie außerhalb. Bei diesem Ausströmen trifft das Gas direktauf den in der Kapsel k befindlichen Platinschwamm. Es wird augenblicklich verdichtet,das Platin kommt dadurch ins Glühen und entzündet das nachströmende Gas, welchesso lange, als die Feder niedergedrückt wird, weiter brennt. Von Zeit zu Zeit, wenn sichdie Flüssigkeit mit Zink gesättigt hatte, mußte dieselbe entfernt und neue verdünnteSchwefelsäure in den Apparat gegeben werden.

Diese Feuerzeuge sind, obgleich sie viele Vorzüge vor dem ehemaligen Feuerschlagenausweisen, durch die neueren ihnen bald folgenden Erfindungen jetzt so gut wie ganz inVergessenheit geraten, und nicht besser ist es dem sogenannten „Chemischen Feuerzeug"ergangen, das zu Anfang des Jahrhunderts als bequemes Mittel zum Feueranmachen vielangestaunt und verwendet wurde.

Mit ihm erfuhren die Schwefelhölzer, d. h. jene Hölzchen, deren Kopf in Schwefelgetaucht war, mit denen man das Feuer seit Jahrhunderten von einem Ort zum anderen

4S6. Das DiibrrrinrrschcNtatiiifcurrzrag.