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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Ältere Feuerzeuge. Das Döbereinersche Feuerzeug. Der Phosphor. 483

übertrug, ihre erste Vervollkommnung. Sie wurden an dem geschwefelten Ende mit einerMischung von Zucker und chlorsaurem Kali, die man mittels Gummi verband, überzogen.Diese Mischung hat nämlich infolge ihres Gehalts an dem so sauerstoffreichen chlorsaurenKali (s. S. 474 unten) die Fähigkeit, beim Benetzen mit konzentrierter Schwefelsäure unterFeuererscheinung zu verpuffen und dabei eine so intensive Wärme zu entwickeln, daß sichder darunter liegende Schwefel entzündet. Da aber beim Verpuffen leicht Tröpfchenvon Schwefelsäure umhergeschleudert wurden, wenn man dieselbe zu reichlich zur Be-nutzung anwendete, so bediente man sich kleiner Glasflaschen mit eingeriebenem Glas-stöpsel, die man zur Hälfte mit fest eingestampftem und mit Schwefelsäure getränktemAsbest (siehe S. 372) anfüllte; die Zündhölzer wurden auf dieses Asbestkissen mit ihrempräparierten Ende gestoßen und entnahmen demselben eine genügende Menge Schwefel-säure, um die Entzündung einzuleiten. Der Erfinder dieser Zündhölzer ist nicht bekannt.

In Wien kostete das Hundert solcher Hölzchen noch 1812 einen Gulden. Einebesondere Abart dieses Feuerzeuges war ein um 1830 unter dem Namen Lroinotbsausvorzüglich in England verbreitetes Zündpräparat, das aber seines hohen Preises wegenauf dem Kontinente kaum Verbreitung gefunden hat. Das Gemisch von Zucker undchlorsaurem Kali war bei ihm in ein dünnes Röllchen von Papier gefüllt, welches über-dies ein kleines, auf beiden Seiten zugeschmolzenes Glasröhrchen voll Schwefelsäureenthielt. Indem man das Glasröhrchen zwischen zwei harten Körpern, in der Regeleiner eigens zu diesem Zwecke mitverkauften Zange, zerdrückte, kam die Schwefelsäuremit der Zündmasse in Berührung und bewirkte die Entflammung derselben. Jene Tunk-feuerzeuge waren in gewisser Beziehung für ihre Zeit recht praktisch, nur mußte manstets darauf achten, daß die Gläschen immer wieder gut verschlossen wurden, nachdemmau sie gebraucht hatte; denn sonst wurde die Schwefelsäure infolge der Anziehung vonWasser aus der Luft (siehe Seite 385) zu sehr verdünnt und vermochte dann keine Ent-zündung mehr hervorzubringen.

Das chlorsaure Kali hat sich von diesem chemischen Feuerzeuge an in allgemeinerBenutzung in der Zündwarenindustrie erhalten. Es bildete auch bei einer eigentümlichenArt Reibhölzer, nämlich den Congreveschen Reibzündern, welche 1823 aufkamen, den wesent-lichsten Bestandteil der Zündmasse, die aus chlorsaurem Kali und dem doppelten QuantumSchwefelantimon bestand und mit einem geeigneten Bindemittel als Überzug über denSchwefel der Zündhölzer aufgetragen wurde. Wenn man die Masse zwischen zweiFlächen von Sandpapier, welche mit den Fingern zusammengepreßt wurden, hindurchzog,so entzündete sich infolge der Reibung das Gemisch. Allein es erforderte dies immereinen bedeutenden Druck, und nicht selten rieb sich dadurch das Zündpräparat von denHölzern ab und verpuffte zwischen den rauhen Flächen, ohne das Hölzchen zu entzünden.Oder der Zündkörper flog brennend weg und übertrug das Feuer auf Stellen, an denenman es nicht haben wollte.

Hier also war das Feld der Verbesserungen. Man griff zu dem Phosphor, denman schon früher in diesem Industriezweig heranzuziehen versucht hatte, um eine andereZündmasse zusammenzusetzen. Ehe aber die Phosphorzündhölzer ihre jetzige Ausbildungerlangten, haben sie so bedeutende Änderungen erfahren, daß die heutigen Zündhölzchenmit den ersten Versuchen, die leichte Entzündbarkeit des Phosphors zur Herstellung vonFeuerzeugen zu benutzen, durch nichts weiter verwandt sind, als durch die Gegenwartdes Phosphors.

Der Phosphor. Dieser interessante Körper wurde vor zwei Jahrhundertenentdeckt. Es ist eines jener zufälligen Ergebnisse, mit welchen an und für sich sinnloseVersuche der Alchemisten die Nachwelt beschenkt haben. Ein Hamburger Kaufmannnämlich, Namens Brandt, war, um seinen zerrütteten Vermögensverhältnissen aufzuhelfen,unter die Goldmacher gegangen. An die Transmutation, wie die für möglich gehalteneVerwandlung unedler Metalle in Gold und Silber durch gewisse, aber noch zu erforschendeVerfahren und Tinkturen genannt wurde, glaubte damals jedermann, und es kam nurdarauf an, der erste zu sein, der diesen Stein der Weisen fände. Brandt hatte Wohl schonlange ohne Erfolg laboriert, ehe er zu der Überzeugung kam, daß auf dem bisher ein-

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