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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Fabrikation der Zündhölzchen.

Anfang der siebziger Jahre tauchten die schwedischen Streichhölzer auf, derenErfinder im Prinzip also Böttcher schon 1848 gewesen war. Kriwanek hat 1871 alserster diese schwedischen Sicherheitszündhölzer, wie die damals noch als Geheimnis fabri-zierten Hölzer genannt wurden, analysiert, da sich mit ihrer Herstellung, wie er sagt,gegenwärtig viele Fabrikanten beschäftigen, die doch nicht immer zu guten Resultatenkommen. Seine Analyse ergab, daß die Zündmasse aus einer Mischung aus 8,77°/y Glas-pulver, 7 ,Leim, 7,so neutralem chromsauren Kali, 46,?o chlorsaurem Kali, 5,so Eisen-oxydhydrat, 13,07 Manganhyperoxyd, 7 , 4 i Schwefel nebst 4,22 Feuchtigkeit bestand. Dieauf den Streichflächen befindliche Substanz ergab, daß sie sich aus 3,oZo/o Leim, 3,mEisenoxydhydrat, 13,oo Manganhyperoxyd, 50,si Schwefelantimon, 29,si amorphem Phos-phor zusammensetzte. Ob diese Analyse den nachahmenden Fabrikanten viel genützt habenwird, ist Wohl mehr als fraglich.

Nähere Nachrichten über die Fabrikation gab dann Gentele 1873. Als Materialfür die Zündhölzchen wird in Schweden ausschließlich das Stammholz der Silberpappelverwendet, welche verhältnismäßig billig zu beschaffen ist, da sie für andere Zwecke, z. B.als Brennmaterial, nicht sehr geschätzt wird. Mit Hilfe von Maschinen werden die rundenBlöcke in Furniere geschnitten, d. h. also so gegen ein Messer gedrückt, daß diese Maschinesie in Form eines endlosen Blattes abrollt. Diese Blätter werden in schmale Streifenvon der Länge der zukünftigen Zündhölzchen zerlegt und nunmehr weiter in die kleinenStäbe zerteilt, die fetzt leicht völlig ausgetrocknet werden können. Sind sie trocken, sowerden sie paraffiniert, also nicht in Stearinsäure, sondern in Paraffin getaucht. DasParaffinieren hat aber den gleichen Zweck, also den, das Hölzchen leichter entzündbar zumachen. Es erfolgt so, daß man sie in eine Lösung von Paraffin in Benzin eintauchtund dann das Benzin verdunsten läßt. Nach dieser Vorbehandlung werden sie in dieZündmasse getaucht, welche an ihnen in Form des kleinen Köpfchens hängen bleibt. Diespezielle Zusammensetzung der Zündmasse ist stets Geheimnis der betreffenden Fabrik.Nach Gentele besteht eine solche Mischung etwa aus:

Chlorsaures Kali . . . . 32°/o

Zweifach chromsaures Kali . 12"/o

Mennige.32°/o

Schwefelantimon . . . . 24"/o

Sie ist also völlig phosphorfrei; die Zündfläche dagegen besteht aus einem Gemisch vonrotem Phosphor mit Schwefelantimon, welches auf sie ausgeklebt ist.

Gelegentlich der Wiener Ausstellung sind sehr ausführliche Daten über den damaligenStand der Zündholzfabrikation in folgenden drei Ländern bekannt geworden, die nochheute ihr Interesse nicht verloren haben. Schon in diesem Berichte aus dem Jahre 1873heißt es, daß kaum in einem anderen Lande die Zündholzfabrikation ähnliche Dimen-sionen erreicht und in solcher Weiterentwickelung begriffen sei, wie in Schweden . DieAusfuhr hatte 1865 nur 1114000 betragen, 1871 war sie auf 4281000 ge-stiegen und hatte 1872 schon 6 Millionen überschritten. Damals, und wohl auch nochheute, wurden die zur Fabrikation nötigen Chemikalien vom Auslande importiert. DieFabrik zu Jönköping erzeugte allein für gegen 2 Millionen Mark, und die übrigen24 Fabriken zusammen etwa ebensoviel. Die Jönköpinger Fabrik, einer Aktiengesellschaftgehörig, wurde schon 1845 angelegt und beschäftigte 1872 bereits:

255 Männer849 Weiber105 Knaben141 Mädchen1350 Personen.

Von den Arbeiterinnen waren 668 in ihren Häusern nur periodisch mit dem Kleben derSchachteln beschäftigt, wie denn dieser Teil der Fabrikation auch heute noch vielerwärtsHausindustrie selbst in großen Städten, wie in Königsberg in^Preußen, geblieben ist.

Zu großer Blüte hat es auch die Zündholzfabrikation in Österreich-Ungarn gebracht,indem sie in den siebziger Jahren nur wenig hinter der Schwedens zurückblieb. Es