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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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495
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Fabrikation der Zündhölzchen. 495

Die Einfuhr und Ausfuhr des Deutschen Reiches an Zündhölzern und Zündkerzchenbetrug in 100

Jahr

Einsuhr

Ausfuhr

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

1890

4115

19 441

1893

2943

24 697

1891

3560

23994

1894

2683

22393

1892

3014

2b 638

Der Verbrauch an den für die Zündholzindustrie geeigneten Hölzern ist so groß,daß sie allmählich anfangen knapp zu werden, und daß man in Europa sich nach Ersatzfür das Holz umsieht. In Amerika dagegen ist solches Holz noch reichlich und billig zuhaben, und 100 obm amerikanisches Ootton voock, ein sehr geeignetes Holz, sollen au Ortund Stelle zur Zeit etwa 1150 Mark kosten. Da aber die Fracht für ein solches Quantumbis Hamburg etwa 2700 Mark beträgt, ist ihr lohnender Bezug nach Europa unmöglich.Von den Ersatzversuchen gelten zur Zeit die als die aussichtsreichsten, bei denen Torfdas Ausgangsmaterial bildet. Langfaseriger Tors wird auf dem Reißwolf von allemStaub befreit und sodann in einem Holländer, wie er in der Papierindustrie (s. Bd.VIII)gebräuchlich ist, gemahlen. Der so erhaltene Brei gelangt auf eine Pappenmaschine undverläßt sie in Form einer trockenen Pappe von der geeigneten Stärke. Diese Pappepassiert sogleich ein Jmprägnierungsbad, hinter welchem sie auf eine Maschine gelangt,die sie in die Form von fertigen Stäbchen zerschneidet. Letztere soll in 24 Stunden5000 Faserstoff zu 36 Millionen Stäbchen verarbeiten.

Die Zündholzindustrie wird jetzt schon in den an sonstigen Industrien ärmerenLändern betrieben. Es gibt Fabriken für sie in Persien sowohl wie in Brasilien , aufJava in holländisch Indien, so gut wie in Japan, und das erschwert den Absatz der euro-päischen Fabriken immer mehr, zumal die Einführung von Monopolen ihn auch inEuropa immer weiter einschränkt. So gibt es jetzt Monopole außer in Frankreich auchin Serbien, Rumänien und Griechenland; Italien und Portugal wollen ebenfalls aufdiesem Wege ihren Finanzen aufhelfen, die Schweiz geht mit ähnlichen Absichten um,und selbst in Österreich ist von ihm von Zeit zu Zeit die Rede. Die japanische Kon-kurrenz mit ihren billigen Arbeitslöhnen und ihrer Intelligenz macht sich im fernenOsten namentlich fühlbar. Die Fabrik auf Java soll ihren Betrieb infolge derselbenschon wieder haben einstellen müssen, und auch der Preis der Streichhölzer in Kalkutta ist durch sie außerordentlich herabgedrückt worden. Schon im Jahre 1890 betrug derWert der aus Japan exportierten Streichhölzer 4 700000 Mark. So wird für diekleineren europäischen Betriebe die Existenz immer schwerer, während die großen mitallen Hilfsmitteln ausgestatteten Fabriken allerdings noch florieren, aber Neubauten aller-größten Stiles auch ihren pekuniären Erfolg anfangen in Frage zu stellen.

Wir haben bei der Zündholzindustrie eine Verwertung des Holzes in der chemischenIndustrie kennen gelernt und wollen nun zu dessen Ausnutzung im eigentlich chemischenSinne übergehen.

Die Verwertung des Holzes in der chemischen Industrie.

Über die Verwertung des Holzes in der chemischen Industrie wäre im allgemeinenfolgendes zu sagen. Erstens dient das Holz als Brennmaterial, womit wir uns hiernicht weiter zu beschäftigen brauchen, dann, wie erwähnt, in der Zündholzindustrie. Eineeigentliche chemische Verarbeitung desselben findet für die Zwecke der Papierindustrie(s. Bd.VIII) zu Cellulose statt, worüber wir das Wichtigste S. 369 mitgeteilt haben.Dann kommt schließlich seine Verkohlung in Betracht. Ursprünglich wurde das Holznur zur Gewinnung von vorzüglichem leicht transportablen Brennmaterial verkohlt, d. h. inHolzkohle übergeführt. Heute fängt man aber die sich aus dem Holze bei diesem Prozeßverflüchtigenden Produkte ebenfalls auf, und deren Gewinnung und Verwendung wollenwir gleichfalls kennen lernen.

Wohl bis in die Mitte dieses Jahrhunderts ist alles Holz in Meilern verkohltworden, wenn wir von den geringen Mengen absehen, die für die Zwecke der Pulver-fabrikation (s. S. 451) einer vorsichtigeren Verkohlung unterworfen wurden. Ein solcher