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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Die künstlichen Düngemittel.

der Luft. Des Baumes Blätter haben von Natur aus die merkwürdige Eigenschaft,die Kohlensäure so verwandeln zu können, daß er sich ihres Kohlenstoffgehalts für seineZwecke bedienen kann. Was er an Wasser braucht, liefert der Regen, und als sich dannzeigte, daß er auch Stickstoffverbindungen enthält, lag die Annahme nahe, auch den hierzunötigen Stickstoff liefert ihm das Luftmeer, jenes ungeheure Reservoir für dieses in-differente Gas.

Danach erscheint es denn nicht wunderbar, daß, wenn man z. B. Baumblätter —sagen wir im getrockneten Zustande — verbrennt, sie scheinbar wieder ganz verschwinden.Ihr Kohlenstoff wird wieder Kohlensäure, ihr Wasserstoffgehalt verbrennt zu Wasser,das verdunstet, ihr Stickstoff entweicht als solcher. Wenn wir aber der Verbrennunggrößere Aufmerksamkeit widmen, indem wir sie z. B. in einem Porzellan- oder Platin-tiegel vornehmen, den wir von außen erhitzen, bemerken wir das Zurückbleiben einesgeringen unverbrennlichen Restes der Blätter. Wir haben den Tiegel, um die Hitze desGasbrenners besser auszunutzen oder um eine höhere Temperatur zu erzielen, für dieVeraschung, in einen kleinen Ofen aus feuerfestem Thon gesetzt, den wir mittels seines

verschiebbaren Stativs in passender Höhe festhaltenkönnen.

So wie mit den Blättern, wird es uns mit jedemTeil einer Pflanze, eines Baumes gehen, immer wirdbeim Verbrennen ein geringer Rückstand, eine Asche,zurückbleiben.

Das wußte man natürlich schon lange vor Liebig,und Thaer, der größte Reformator der Landwirtschaftvor Liebig, sah in dieser Asche zu Anfang des Jahr-hunderts noch nichts weiter als zufällige Bestandteileder Pflanzen. In der Auffassung wurde man nochdurch Versuche mancherlei Art unterstützt; so zeigteSauffnre, daß Pflanzen, die man in metallhaltigenLösungen sich entwickeln läßt, ein wenig von diesenaufnehmen. Weshalb sollten sie da, die gezwungener-maßen die ihnen ganz fremden Metalle aufnehmen,nicht auch zufällig von den im Boden vorhandenenmineralischen Bestandteilen etwas assimilieren.

Aber die Ausbildung der Methoden, die Pflanzenin destilliertem Wasser oder in ausgeglühtem reinenSande zu ziehen, welchen beiden man die für diePflanzen nötigen Mineralstoffe zusetzte, zeigte dannendgültig die Richtigkeit der Anschauung Liebigs. Nur wenn man einem dieser beidenvöllig indifferenten Nährböden alle die Salze, welche die Analyse der Asche der be-treffenden Versuchspflanze ergeben hatte, zufügte und den ausgeglühten Sand genügendfeucht hielt, bekam man vollkommen ausgebildete Pflanzen. Als ganz unentbehrlich er-wiesen sich hierbei Kali, Phosphorsäure, Stickstoff, Kalk, Magnesia, Eisen und Schwefel-säure, während hinsichtlich anderer, wie Natron, Kieselsäure und Chlor, die Frage nichtso endgültig entschieden werden konnte.

Erwägen wir nun die Verhältnisse hinsichtlich der genannten Stoffe, so sind, abge-sehen von den drei ersten, also von Kali, Phosphorsänre und Stickstoff in Form irgendwelcher Verbindungen, die anderen in jedem Ackerboden, wie die Analysen ergeben haben,in solcher Menge enthalten, daß von einem Mangel an ihnen Wohl, von den allerseltenstenAusnahmefällen abgesehen, nie die Rede sein wird. Daher kommt es, daß sich die In-dustrie der künstlichen Düngemittel nur mit der Lieferung der drei erstgenannten an dieLandwirtschaft beschäftigt. Von allen dreien stehen heute unerschöpfliche Quellen zuGebote. Die Quellen liefern sie aber nicht in dem Zustande, wie sie die Landwirtschaftbraucht, und Aufgabe dieser Industrie ist es daher, sie in einen für diese brauchbarenZustand überzuführen.

47 s. Neroschung von pflanrenteiienin einem piatintiegei.