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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Die künstlichen Düngemittel.

lange sich klar sein müssen, zumal die Menschheit sich ununterbrochen mit ihm zu beschäf-tigen hat. Aber was wußte noch ein Agricola von seinem Zusammenhange, was Lavoisier ,was Volta, was Berzelius .

Von Anbeginn aller Kultur hat es bis zur Mitte dieses Jahrhunderts gedauert,daß man sich über die Vorgänge beim Ackerbau klar geworden ist. Der Mann, welcherdie endgültig richtigen Konsequenzen aus allen vorausgehenden Versuchen und ausseinen eigenen sie zu einem Abschluß bringenden genialen Arbeiten zog, ist JustusLiebig gewesen, obgleich er, der in der Stadt geboren und von Jugend auf derChemie zugethan (s. S. 308), niemals als praktischer Landwirt thätig zu sein Gelegen-heit gehabt hatte.

Bis zu der Zeit, in welcher er sich endgültig über die Vorgänge beim Pflanzenwuchsklar wurde, hatte man zur Kräftigung des Ackerbodens als Dünger nur die tierischen undmenschlichen Exkremente benutzt, weil die Erfahrung gelehrt hatte, daß das Herausbringendieser auf die Felder ihre Fruchtbarkeit erhöht. Mit diesen haben wir es hier nicht zuthun, wir finden über sie das Nähere in Bd. IV über die Landwirtschaft, sondern mit denauf Grundlage der chemischen Kenntnisse jetzt in fast beliebigen Mengen zur Verfügungstehenden künstlichen Düngemitteln.

Die Annahme einer Lebenskraft, die als geheimnisvolles Etwas allem Lebendenzukommen und den Unterschied der organischen Welt von der anorganischen bedingensollte, hatte zu der bis in die vierziger Jahre gültigen Vorstellung geführt, die Existenzalles tierischen und pflanzlichen Lebens beruhe auf dem Kreisläufe organischer alsobereits belebt gewesener Stoffe. Die Menge dieser mußte daher eine ganz bestimmte,von Urbeginn an auf Erden vorhandene sein, sie ermöglichte die Existenz einer,wenn wir so sagen wollen, begrenzten Anzahl von Lebewesen, indem sie an und fürsich nicht mehr zunehmen konnte, so daß es eben infolgedessen für diese eine obereGrenze gab.

Demgegenüber trat nun Liebig mit ganz anderen Anschauungen auf. Er erklärtegerade das Gegenteil für richtig, er erklärte: Die Nahrungsmittel der Pflanzen sind un-organische Substanzen, und die Zunahme der organischen Lebewesen ist infolgedessen nichtdurch die Menge der vorhandenen organischen Stoffe begrenzt.

In der 7. Auflage seiner Agrikulturchemie drückt er dies so aus: Die Nahrungs-mittel aller grünen Gewächse sind unorganische oder Mineralsubstanzen. Die Pflanzelebt von Kohlensäure, Ammoniak (Salpetersäure), Wasser, Phosphorsäure, Schwefelsäure,Kieselsäure, Kalk, Bittererde, Kali (Natron), Eisen; manche bedürfen Kochsalz.

Zwischen allen Bestandteilen der Erde, des Wassers und der Luft, welche teil-nehmen an dem Leben der Pflanzen, zwischen allen Teilen der Pflanze und des Tieresund seiner Teile besteht ein Zusammenhang, so zwar, daß wenn in der ganzen Kettevon Ursachen, welche den Übergang des unorganischen Stoffes zu einem Träger derorganischen Thätigkeit vermitteln, ein einziger Ring fehlt, die Pflanze oder das Tiernicht sein kann.

Auf Grundlage dieser Vorstellung ist nun unsere Zeit im stände, den Pflanzen dieanorganischen Nährstoffe, deren sie an sich und entsprechend der Zusammensetzung desbetreffenden Ackerbodens bedürfen, zuzuführen, so daß bei rationellem Verfahren eineErschöpfung des Bodens durch den Ackerbau nicht mehr stattfinden kann. Vor dieser Er-kenntnis ist aller Ackerbau halbwegs Raubbau gewesen, indem die Düngung mit Stall-mist allein und der Fruchtwechsel mit Angeschobener Brache nicht zum Ersatz aller durchdie Ernte dem Boden entzogenen unorganischen Stoffe ausreichen.

Die Richtigkeit der Annahme Liebigs wollen wir uns hier folgender Art, vomchemischen Standpunkte aus klar zu machen suchen, weil wir es für die späteren Be-trachtungen nötig haben.

Ein Baum steht jahrhundertelang an seinem Platze, grünt und blüht, wächst, kurzZeigt alle Erscheinungen des Lebens, aber woher stammt seine Ernährung, seine Zu-nahme u. s. w. Den Kohlenstoff, dessen Gewinnung aus Holz in Form von Holzkohlewir im vorigen Kapitel so ausführlich kennen lernten, liefert ihm der Kohlensäuregehalt

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