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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Die künstlichen Düngemittel.

Zu seiner Reinigung wird das Rohmaterial mit verhältnismäßig wenig heißemWasser in großen Auslaugebottichen mit falschem Boden übergössen. In Lösung gehennamentlich Chlorkalium sowie Chlormagnesium, während Kochsalz, wie wir schon öftererfahren haben, ja in heißem Wasser kaum löslicher als in kaltem ist. Läßt man dieLösung hierauf erkalten, so scheidet sie Chlorkalium ab, während wenig Kochsalz undChlormagnesium mit auskrystallisieren, dies Chlorkalium kommt als 80prozentige Warein den Handel. Dampft man die übrigbleibende Mutterlauge ein, so krystallisiert ausihr jetzt wieder künstlicher recht reiner Carnallit, also das Doppelsalz von Chlorkaliumund Chlormagnesium aus. Dieser liefert bei nochmaligem Umkrystallisieren sehr reinesChlorkalium von 90—98 o/o. Die Mutterlauge von ihm enthält noch 1—2 °/o Chlor-kalium nebst sehr viel Chlormagnesium. Man läßt sie größtenteils als wertlos weg-laufen. Eine geringe Menge von ihr dient zur Gewinnung von Brom , sowie von Chlor-magnesium, für welch letzteres es nicht viel Absatz gibt. Der in den Auflösekesselnbleibende Rückstand ist zumeist Kieserit (schwefelsaure Magnesia) und Kochsalz. DieGewinnung des Broms aus den Mutterlaugen kennen wir bereits (s. S. 430), und ihreVerarbeitung auf Chlormagnesium findet so statt, daß man sie weiter stark eindampft,bis der Punkt eintritt, auf dem sie beim Erkalten zu einer wachsähnlichen Masse erstarrt.Diese ist dann Verkaufsware. Sie enthält etwa 40 "/„ Chlormagnesium. Nach dieserallgemeinen Übersicht über die Verarbeitung des Rohcarnallits gehen wir jetzt zur Durch-führung der Operationen im großen über.

Der Rohcarnallit wird, um auf dem angegebenen Wege zu Gute gemacht zu werden,also in große Auflösegefäße gebracht, die in der oberen Etage der Fabrik stehen. Siefassen 3000—6000 1 Wasser, und man gibt in jedes 3000—5000 Rohsalz, welcheauf einem falschen Boden zu liegen kommen, ähnlich wie wir es in der Blutlaugensalz-industrie (s. S. 340) kennen lernten. Durch Einleiten von Dampf wird auch hier dasErhitzen besorgt. In neuerer Zeit bringt man am Boden der Gefäße verschließbaregrößere Öffnungen an, um das Entfernen des Rückstandes leichter bewerkstelligen zukönnen.

Solange man im Anfangsstadium der Fabrikation, also in den sechziger Jahren,für das Rohsalz als Lösungsmittel Wasser verwandte, schied sich aus der zweiten Mutter-lauge ein Salz aus, welches zur einen Hälfte aus Chlorkalium, zur anderen aus Chlor-natrium bestand, das durch Umkrystallisieren für sich nur auf 70°/o Chlorkalium ge-bracht werden konnte, während heute zum mindesten 80 prozentiges verlangt wird.Als man dann später als Lösnngsflüssigkeit statt reinen Wassers stark mit Mutterlauge,welche doch sehr reich an Chlormagnesium ist, versetztes Wasser nahm, schied sich ausder zweiten Mutterlauge der künstliche Carnallit, das Doppelsalz von Chlorkaliumund Chlormagnesium, wie oben angegeben, aus, das leicht bei erneutem Umkrystalli-sieren hochprozentiges Chlorkalium liefert. So ist denn das Chlormagnesium für dieVerarbeitung des Carnallits auf hochprozentiges Chlorkalium unentbehrlich und, selbstfast wertlos, von höchstem Werte für die Durchführung der Chlorkaliumgewinnung inStaßfurt .

Alles kommt sonach hier, wie so oft in der chemischen Industrie, auf die ver-schiedene Löslichkeit von Salzen in heißem und kaltem Wasser, oder in heißen undkalten Salzlösungen an, und so wollen wir an dieser Stelle einmal das Verhalten derverschiedenen für die Chlorkaliumfabrikation in Betracht kommenden, in einer heißenFlüssigkeit nebeneinander vorhandenen Salze zahlenmäßig belegen, indem wir eine Tabellevon Becker hierfür benutzen. Die heiße Lauge, welche zum Krystallisieren hingestelltwurde, enthielt:

Chlorkalium.9,ss

Chlornatrium.2,48 °/o

Chlormagnesium .... 19,67 "/o

Schwefelsaure Magnesia . . 4,28

Wasser. 63,63 °/„

und die Ausscheidung der Salze fand in folgender Weise statt: