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Chemische Industrie: Die künstlichen Düngemittel.
Die Phosphate als Düngemittel.
Als Rohmaterial zur Gewinnung von Phosphorsäure in einer für die Landwirt-schaft brauchbaren Form dienen jetzt hauptsächlich erstens der Phosphorit. Es ist dasein an vielen Orten der Erde sich findendes Mineral, das aus phosphorsaurem Kalkbesteht, dem bald mehr bald weniger fremde Substanzen beigemischt sind. Zweitens dasThomasphosphatmehl, drittens die Knochen, viertens der Guano, dessen Vorräteaber ziemlich aufgebraucht sind. Wir haben hier die Rohmaterialien der Menge nach, inwelcher sie in der Düngerindustrie verbraucht werden, aufgezählt, der Zeit ihrer An-wendung nach müssen die Knochen als erste genannt werden.
Die Knochen. Die Verwendung dieser für die Fabrikation des Phosphors habenwir bereits kennen gelernt (s. S. 486). Wir wollen nun hier alle die Zwecke besprechen,denen sie außerdem heute dienen. Es ist sehr merkwürdig, daß schon im Jahre 1774der Engländer James Hunter eine Arbeit veröffentlichte, in welcher er auf Grund seinerVersuche das Knochenschrot als vortreffliches Düngemittel empfahl. Seine Versuche sindrichtig, nur seine Folgerungen waren falsch. Der in den Knochen enthaltene phosphor-saure Kalk ist unverarbeitet gar kein brauchbares Düngemittel, wir werden sehr baldsehen warum, und das, was im Knochenschrot düngend wirkt, ist eigentlich nur der Leimwegen seines hohen Gehalts an Stickstoff. So konnten denn auf Grund dieser irrtüm-lichen Voraussetzungen auch keine großen Erfolge erzielt werden, und die Knochendüngungkam zu keiner größeren Bedeutung.
Wenn auch nicht als Düngemittel, so wurden die Knochen aber viel für andereZwecke außer der Phosphorherstellung verbraucht. Die zweite Verwendung besteht inder Herstellung von Beinschwarz, auch Spodium genannt, aus ihnen. Knochen an derLuft verbrannt, hinterlassen eine weiße Asche, indem alles Organische, alles Kohlenstoff-haltige völlig verbrennt. Glüht man sie aber in geschlossenen Gefäßen (Töpfen z. B.),dann brennen sie sich nicht weiß, sondern wenn auch alles Flüchtige ausgetrieben wird, sobleibt doch viel Kohle, die sich bei Zersetzung des Leimes und des Fettes abscheidet, ausLuftmangel unverbrannt, und der Rückstand sieht schwarz aus. Solche Knochenkohle hatbekanntlich stark entfärbende Kraft. So entfärbte man mit ihr in den Zuckerfabriken dieZuckersäfte (s. Band IV), was allein eine ungeheure Menge beanspruchte. Doch ist siein den Rohzuckerfabriken jetzt durch die schweflige Säure (s. S. 367) ersetzt und spieltnur noch eine Rolle in den Zuckerraffinerien, so daß der Bedarf an Spodium sehr zurück-gegangen ist.
In fein gemahlenem Zustande dient das Spodium mit passenden Schmiermittelnverrieben als Stiefelwichse.
In den vierziger Jahren begann dann der englische Fabrikant Blackhall die Knochenzu dämpfen, weil gedämpfte Knochen sich hernach weit leichter zu Knochenschrot für dieBeinschwarzfabrikation stampfen lassen. Er kochte sie zu dem Zweck ungefähr zwei Stundenlang unter zwei Atmosphären Überdruck. Bei diesem Verfahren liefern sie etwa 2'/^ «/§Fett, welches hernach auf der Flüssigkeit schwimmt. Da nun dieses Fett sich ausgezeichnetz. B. in der Seifenfabrikation (siehe dort) verwerten läßt, wurden sehr bald alle Knochenauf diesem Wege ausgekocht, doch kommt man nach dieser Methode kaum über 3°,g Aus-beute. Das Auskochen hat dann sein Ende gefunden, als mit dem Jahre 1885 die Benzin-entfettung aufkam. Den ersten brauchbaren Apparat hierfür konstruierte Seltsam, späterkam auch der von Richters zu großer Verbreitung. In ihnen entzieht siedendes Benzinden Knochen das Fett, welches nach dessen Abdestillieren hinterbleibt. Die erste europäischeFabrik für dieses Verfahren wurde in Forchheim gebaut. Diese Art der Entfettung hatden Vorteil, daß die Fettansbeute bis 9 o/„ ansteigt. Das Knochenschrot liefert hernachein ausgezeichnetes kerniges Spodium, und der Knochengries, wenn er auf Leim ver-arbeitet wird (wir haben diese Fabrikation S. 398 kennen gelernt), einen vortrefflichenreinen und durchsichtigen Leim.
Aber trotz dieses Mehrgewinnes an Fett war der Verkaufspreis für das aus dementfetteten Material dargestellte Knochenschrot zu gering gegenüber den Rohknochen-