574 Chemische Industrie: Verwertung der Fette und Öle.
Das Anisöl, olsum anist, welches durch Dampfdestillation der Samen vonUiin-xinslla anisuin gewonnen wird. Es besteht aus einem Terpen und 90—95 °/„ Anethol.Die Zusammensetzung des letzteren ist völlig aufgeklärt, es ist der Methylester des Pro-penylphenols, und Anethol kann daher synthetisch im Laboratorium hergestellt werden.
Das Kalmusöl, olsuin Oalann, ein gelblichbraunes, sehr bitter schmeckendes Öl,welches chemisch noch nicht genau erforscht ist.
Das Nelkenöl, olsuin OarzwpllMoruin, welches aus den getrockneten Bluten-knospen von Oar^oxbMus aroinatious, das sind die Nelken, die sehr reich an ihm sind,gewonnen wird. Es besteht aus einem Terpen und Eugenol. Dieses letztere ist derMethylester eines Allyldioxybenzols. Das Eugenol läßt sich durch Oxydation in Vanillinals künstliche Vanille verwandeln, doch ist diese ältere Methode von dessen Herstellungbereits durch billigere ersetzt worden.
Beim Kümmelöl, olsuin sarvi, haben wir zwei Sorten zu unterscheiden. Dasaus Oarvuin oarvi gewonnene Öl besteht aus einem Terpen und Carvol, welches letztereein Ketoderivat des Dihydrocymols ist. Dagegen besteht das aus Ouininuin O^winuni
bgs. Harsdrstillations-Kiilagc von Wilh. Rivoir.
gewonnene Öl aus Cymol, welches Paramethylnormalpropylbenzol ist, und aus Cuminol,von dem die Untersuchungen gelehrt haben, daß es Paraisopropylbenzaldehyd ist.
Das Zimtöl, olsuin oinnaniomi, hat zum Hauptbestandteil den Zimtaldehyd,der auch im Laboratorium mit Leichtigkeit künstlich hergestellt werden kann.
Das vielverwendete Senföl, olsuin sinaxis, ist der Allylester der Jsothioeyansäureund wird, seitdem dieses erkannt worden ist, massenhaft künstlich hergestellt.
Eine ganze Reihe von Ölen, welche für die Parfümerie von größter Wichtigkeitsind, liefern die Citrusarten. Der Zitronenbaum liefert das Zitronenöl, die Orangedas Orangenöl, die bittere Orange das Pomeranzenöl und die Bergamotte dasBergamottöl.
Die Gewinnung des Zitronenöls, des Bergamottöls und des Orangenöls erfolgtnoch immer in uralter Art, ohne daß diese bisher zu verdrängen gewesen wäre. Zu ihrerHerstellung dienen alle Früchte, die sich wegen Formfehler oder aus sonst einem Grundenicht zum Export eignen. Sie werden geschält, worauf der Arbeiter mit einem Schwammdie Schalen ausdrückt. Ihr Saft und Öl gehen in den Schwamm über, der seinerseitswieder von Zeit zu Zeit über einem Gefäß entleert wird. Im Gefäße hat man schließlichdas Öl, welches auf dem Safte schwimmt, in welch letzterem sich die Schmutzteilchen zuBoden setzen. 1000 sizilianische Zitronen liefern durchschnittlich 761 Saft und 420 § Öl.