Die Gewinnung der ätherischen Öle. 575
Das Öl dieser Früchte auf dem Wege der Destillation gewinnen zu wollen, ist nichtangänglich, weil es beim Anwärmen an Wohlgeruch verliert; schon durch mehrmonat-liches Lagern verliert es meist sehr im Wert. 'Am meisten wird in der Parfümerie dasBergamottöl verwendet, da es die Grundlage zahlreicher Produkte derselben bildet. ImKölnischen Wasser ist es z. B. reichlich vorhanden.
Außer aus den Schalen der Orangen wird auch aus ihren Blüten, und zwar hierauf dem Wege der Destillation mit Wasserdampf, viel Orangenblütenöl erzeugt, die feinsteSorte von diesem führt im Handel den Namen Usroli xstals.
Das Bittermandelöl wird auch in großen Massen hergestellt. Nur haben bittereMandeln heute gar nichts mehr mit ihm zu thun. Außer in diesen findet es sich näm-lich auch in den Kernen sehr vieler anderer Früchte, so in denen der Kirschen, derPfirsiche u. s. w. Letztere sind jetzt das eigentliche Ausgangsmaterial. In Kleinasien , wodie Pfirsiche in Mengen wachsen müssen, sammelt man nämlich ihre Kerne, zerbricht derenharte Schale und verkauft den Inhalt nach Europa . Da sie gegen 40°/o fettes Öl enthalten,preßt man erst dieses aus ihnen aus, das als Mandelöl verkauft wird, zerbricht den Preß-kuchen wiederum und läßt ihn, bevor man ihn der Destillation unterwirft, einige Stundenmit warmem Wasser stehen. Bittermandelöl ist nämlich als solches in den genannten Roh-materialien gar nicht enthalten. Extrahiert man sie z. B. mit Spiritus, um den Einflußdes Wassers auszuschließen, so kommt man zu einem Stoffe, der Amygdalin heißt. Nebendem Amygdalin ist aber in ihnen noch ein zweiter Stoff vorhanden, welcher Emulsin be-nannt wird. In Gegenwart von warmem Wasser wirkt letzterer als Ferment auf ersterenund zerlegt das Amygdalin unter Wasseraufnahme in Bittermandelöl, Blausäure undTraubenzucker.
- 2 «,0 - HON - 2s^kt,.Og
Amygdalin ^ Wasser ^ Bittermandelöl -i- Blausäure -i- Zucker.
Destilliert man daher den Preßkuchen nach mehrstündigem Stehen mit warmem Wasser, sogeht jetzt Bittermandelöl mit dem Dampfstrom über.
Das Bittermandelöl ist chemisch Benzaldehyd und kann heute aus dem Toluol,einem im Steinkohlenteer reichlich vorhandenen Kohlenwasserstoff, ohne viele Mühe injeder beliebigen Menge fabrikmäßig hergestellt werden. Weit reichlicher noch als dasToluol kommt im Steinkohlenteer das Benzol vor, und behandelt man dieses mit Sal-petersäure, so bekommt man das Nitrobenzol, welches zufällig in seinem Gerüche an dasBittermandelöl erinnert und auch sehr billig herstellbar ist. In die Parfümerie hat esein französischer Fabrikant Collas unter dem Phantasienamen „Lsosnos äs Llirban"eingeführt.
Ist das Bittermandelöl des Handels nur durch seinen Gehalt an Blausäure giftig,so ist sein Nebenbuhler, das Nitrobenzol, ein Gift an sich, und zwar so abscheulicher Art,daß es zu Vergiftungen allerlangsamster Art Veranlassung geben kann, die, wie Ex-perimente an Tieren ergeben haben, die Phantasiereichen Erzählungen, die sich an diegeheimnisvolle „a^na itotlana" des Mittelalters knüpfen, wahr zu machen geeignet sind.Sein reichlicher Genuß führt schnellen Tod herbei, wie bei Selbstmördern, die es inSeifensiedereien, in denen es zum Parfümieren billiger Seifen dient, zu dem Zwecke be-nutzten, öfters beobachtet worden ist.
Das Iris öl wird aus der Veilchenwurzel durch Dampfdestillation, bei der mandie Temperatur möglichst niedrig zu halten sucht, hergestellt. Aus 1000 Wurzelnerhält man nur Hz — ^ ^ an Öl, welches bei gewöhnlicher Temperatur salbenähnlicherstarrt. Sein Geruch ist ganz besonders lieblich, und so findet es trotz seines hohenPreises viel Verwendung in der Parfümerie.
Arbeiten, die mit einem bewundernswerten Aufwand an Geistesschärfe und sonstigenMühen aller Art durchgeführt worden sind, haben zur Herstellung eines im Geruch völliggleichwertigen synthetischen Jrisöls geführt. Der riechende Bestandteil des Jrisöls, dasJron, hat die Formel O^HzoO, die gleiche Zusammensetzung zeigt das künstliche Jron,welches den Namen Jonon erhalten hat.