576
Chemische Industrie: Verwertung der Fette und Ale.
Die aufgelöste Formel, die Strukturformel, aus der man alfo ersehen kann (s. S.316),wie die einzelnen Atome miteinander verbunden sind, haben Tiemann u. Krüger völligerkannt und gezeigt, daß der künstlich von ihnen dargestellte Körper fast identisch mitdem Naturprodukt ist, jedenfalls ihm in der Anordnung der Atome so sehr ähnelt, daßdie so gut wie völlige Übereinstimmung des Geruches nichts Wunderbares hat. Diese ist
denn auch so groß, daß nur dieallergeübtesten Nasen, wenn siebeide nebeneinander riechen, eineDifferenz zu bemerken vermögen,während ungeübte Sterblichedieses Unterscheidungsvermögenüberhaupt nicht besitzen.
Das Patchouliöl, welchesin einer Ausbeute von etwa 2 °/gaus den Blättern der Patchouli-Pflanze, die in Indien, China und dem weiteren südlichen Asien vorkommt, gewonnen wird, wurdeehemals als solches importiert,indem die Eingeborenen es au Ort und Stelle herstellten, es war damals unter demNamen Penangöl im Handel. Heutzutage gelangen die Blätter nach Europa und hierzur Destillation. Es ist ein dickes, ziemlich unangenehm riechendes Öl, welches nur instarker Verdünnung oder im Gemisch mit anderen Ölen, unter welchen Verhältnissen seinGeruch angenehm erscheint, Verwendung finden kann.
Das Rosenöl, zu welchem wir jetzt übergehen, zeigt als solches einen weit wenigerangenehmen Geruch, als wenn es in sehr starker Verdünnung zur Geltung kommt. Denangenehmen Geruch der Rose festzuhalten und für Parfümeriezwecke zu verwerten, isturalter Gebrauch, so beschreibt Dioscurides, der im 1. Jahrhundert nach Christus lebte,ausführlich, wie man Öle, indem man zu wiederholten Malen frische Rosen in sie hinein-lege, wohlriechend machen könne. Auch Rosenwasser ist lange bekannt, und die Persermüssen es besonders bevorzugt haben, hatte doch die persische Provinz Farsistan von 810ab auf eine Reihe von Jahren jährlich 30 000 Flaschen von ihm nach Bagdad alsTribut zu entrichten. Auch in Europa war es schon im Mittelalter ein bedeutenderHandelsartikel.
Die Entdeckung des Rosenöls wird dem Geronimo Rossi aus Ravenna zugeschrieben,der im Jahre 1574 zuerst bemerkt haben soll, daß sich eine Art von Öl aus demRosenwasser abscheide. Seine Entdeckung in Indien soll erst im Jahre 1612 unter fol-genden romantischen Umständen erfolgt sein. Bei einem großen Feste, das der Groß-mogul Djihanguyr gab, ließ er auch einen künstlichen Bach aus Rosenwasser Herrichten.Das auf diesem Bache schwimmende Öl soll seine Gattin Nour-Djihan Beygum miteigener Hand gesammelt haben, und von da ab soll seines Wohlgeruchs halber seine Her-stellung in Aufnahme gekommen sein.
In bedeutenden Mengen wurde das Rosenöl um 1650 in Persien dargestellt, dochscheint diese Industrie dann dort zu Grunde gegangen zu sein, während sie nach dieserZeit in Kaschmir und Indien in Blüte kam. Wann die Gewinnung des Rosenöls im Balkan begonnen hat, ist nicht bekannt, jedenfalls hat sie dort in der Gegend von Kasanlik einesolche Ausdehnung gewonnen, daß von hier aus bis vor wenigen Jahren der Bedarfder ganzen Welt so ziemlich allein gedeckt wurde. Die Produktion betrug um das Jahr1840 etwa 300 jährlich und ist jetzt auf 2000—2400 KZ jährlich gestiegen. DieArt seiner Gewinnung ist dort folgende. Die Rosen werden möglichst frisch aus kupfernen,innen verzinnten großen Retorten unter Wasserzugabe destilliert. Sobald die Hälfte desWassers übergegangen ist, ist alles Rosenöl aus ihnen gewonnen. Dieses Rosenwasser,welches das Rosenöl gelöst enthält, wird nun seinerseits wieder destilliert, aber nur bis '/§von ihm übergegangen ist. Aus diesem wenigen Wasser scheidet sich bei mehrtägigem
c-c-c c c-u
SS«. Anordnung der Atome sss. Anordnung der Atome imim natürlichen Neilchrnaroma künstlichen Veitchrnaroma <Ionon>.
lIron). lSynihese von Tiemann und Krüger.)