Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
167
JPEG-Download
 

167

Die wichtigsten Papiersortcn.

So wie die Jute ehemals als Ersatz für Manila verwendet wurde, ebenso wird die-selbe jetzt namentlich von Brannholzschliff und Snlfitzellstoss verdrängt.

Zu denjenigen Papieren, deren Benennung von Stoffen abgeleitet werden, die mitdem Papier zu einem bestimmten Zwecke verbunden werden, gehört:

Das Gazepapier und Seidcngazepapier. Um das Zerschneiden des Papiers,namentlich bei Wertbriefumschlägen, und das Wiederverktebcn zu erschweren, und um dieFestigkeit des Papiers dem des Gewebes anzunähern, um eine Musterung des Papierszu erreichen und auch zur Sicherheit gegen Nachahmung bei Tokomentcn, wird Papiermit dem Gaze genannten Gewebe durch ein Klebemittel verbunden oder das Gewebe auseiner Maschine zwischen zwei Papierbahnen gequetscht. Manchmal wird gemusterte Seiden-gaze in Verwendung gebracht.

Zu ähnlichem Zwecke, namentlich aber zur Herstellung eines besonders festen Pack-papiers für Wertsendungen, sowie für kartographische Zwecke wird das Leinenpapier inähnlicher Weise erzeugt, wie das früher erwähnte Gazepapier. Die Papierbahn wird ineiner Klebemaschine mit Klebstoff versehen und mit gleichzeitig durch Walzen AngeführterLeinwand zwischen Preßwalzen verbunden und hierauf getrocknet. Ebenso kann auch dieBefestigung der Leinwand zwischen zwei frisch erzeugten Papierbogen zur Anwendungkommen. Auf solches Papier können Landkarten direkt gedruckt werden.

Das Blechpapier besteht aus einer Verbindung von dünnem Blech mit Papier,nur daß dies nicht einfach durch Aufquetschen möglich wird; es muß zu diesem Behufeein besonderer Klebstoff in Anwendung kommen.

Das Magnesiumpapicr, welches zur Herstellung des schönen, blendend weißenMagnesinmlichtcs dient, wird durch eine Verbindung von Papier mit Magnesinmpulverin der Weise erhalten, daß dieses Pulver zwischen zwei mit Stärkekleister bestrichenePapierblätter gestreut wird und diese sodann zusammengeklebt werden. Dieses so ent-standene Papierblatt wird an jeder Seite mit je einem Papierblatt beklebt, das mit chlor-sanrem Kali bestrichen oder getränkt ist, und hierauf kommt noch je ein Papierblatt. Manerhält dadurch ein starkes Blatt, das in schmale Streifen geschnitten wird, die angezündetdas erwähnte Licht geben.

Da die Herstellung der heute in Anwendung befindlichen verschiedenen Papiersortenin allen Ländern Europas mit geringen Unterschieden die gleiche ist, so werden die in demgenannten Weltteile fabrizierten Papiere nur selten nach dem Lande ihrer Herstellung, alsoetwa als englisches, französisches, deutsches Papier bezeichnet; nur Papiere mehr fern-liegender Länder, die sich meist auch durch die Verwendung anderer Rohmaterialien undanderer Herstellungsweisen bemerkbar machen, werden durch solche Benennungen charakteri-siert und zwar mit Recht, da sie sich oft durch ganz vorzügliche Eigenschaften auszeichnen.Auch der Leser hat gewiß schon von den vortrefflichen japanischen und chinesischenPapieren gehört, vielleicht auch das eine oder das andere bewundernd mit der Hand be-fühlt, und es wird ihn daher gewiß interessieren, wenigstens in den Hauptzügen dieHerstellungsweise dieser Papiere zu erfahren, die ausnahmslos, bis jetzt wenigstens, Hand-papiere sind.

Das chinesische Papier. Die auffallendste Eigenschaft der chinesischen Papiereist ihre große Festigkeit bei außergewöhnlicher Feinheit und daher geringem Gewichte; eswiegen 96 Blätter eines bestimmten Formats nur 100 §, während die gleiche AnzahlBlätter des feinsten europäischen Briefpapiers von gleichem Format 150 § wiegen. Diesist die Folge seiner Langfaserigkeit, die sich beim Zerreißen desselben an den Reißrändernleicht erkennen läßt. Es ist an einer Fläche glatter als an der anderen und zeigt stetseine gelbliche Farbe. Die Rohmaterialien, welche in China zur Papiersabrikation in Ver-wendung kommen, sind sehr mannigfaltiger Natur; man erzeugt Papier aus den Faserndes Bambusrohres, der Banmwollstaudcnäste, des Bastes des Papiermaulbeerbaumes, desReisstrohs, des Maises u. s. w.

Zur Herstellung des Bambnspapiers werden nur die jungen Stämme benutzt,dieselben von den Blättern befreit, in Stücke geschnitten und in ausgemauerten Grubeneinem Fäulnisprozesse unterworfen, indem man sie lageuweise in die Grube legt, jede