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Die Papiersabrikation.
Die Herstellung des Buntpapiers.
Der Begriff des Buntpapiers ist nicht leicht bestimmt zu definieren, da man z. B.oft energisch und auffallend gefärbte, mit Ornamenten bedruckte Briefpapiere nicht zumBuntpapier rechnet; ebenso werden matt gefärbte Papiere, wie sie beim Affichenpapier,Packpapier u. s. w. vorkommen, niemals zu den Buntpapieren gezählt. Wenn wir nuneinige Ausnahmen ausscheiden, so läßt sich sagen, daß wir unter dem Namen Bunt-papier alle diejenigen Papiere verstehen, die im Gegensatze zu den gar nicht oder bloßmatt gefärbten Papieren eine leicht ins Auge fallende Farbe oder eine durch andereMittel hervorgebrachte besondere Flächenansicht zeigen. Wir rechnen daher zum Bunt-papier nicht nur die im strengsten Sinne des Wortes „bunten" Papiere, sondern z. B.auch solche Papiere, die gar nicht gefärbt, d. h. weiß sind, deren Oberfläche aber etwamit eingepreßten, reliefartig hervortretenden Ornamenten bedeckt ist.
Die Buntpapiere werden beinahe ausschließlich zu kunstgewerblichen Zwecken, zurVerzierung und Deckung der verschiedensten Flächen, namentlich in der Buchbinder- undKartonagenfabrikation verwendet.
Über die Geschichte des Buntpapiers wissen wir sehr wenig. Die ältesten Nach-richten von der Herstellung des Buntpapiers sind uns in einem, von dem italienischenMaler Cennino Cennini da Colle di Valdelsa geschriebenen, wahrscheinlich im Jahre 1490gedruckten „Buch von der Kunst" erhalten, und wir können daher annehmen, daß im14. Jahrhundert, und wahrscheinlich auch schon früher, Buntpapier in Verwendung stand.Der Verfasser teilt darin detailliert Rezepte zur Herstellung bestimmter gefärbter Papiere mitund bespricht auch das Glätten derselben. So wird auch die Fabrikation von Gold- undSilberpapier besprochen und zwar in einem Kapitel, das „Wie du Pferdedecken, Devisenund Mannskleidcr für Tournicre und Luftgefechte machen sollst" überschrieben ist. Esscheint also, daß daS prächtige Rüstzeug, das Ritter und Kämpen bei diesen herrlichenUnterhaltungen zur Schau trugen, oft bloß für diese Gelegenheit mit Gold und Silberbeklebter, wir würde» vielleicht sagen Talmiprunk, war. Cennini belehrt uns nun:„Manchmal macht man für diese Tonrniere und Gefechte Pferdedecken und Giornene,verschiedene Devisen in Relief und über die Arbeiten genäht. Ich werde dir nun zeigen,wie man sie von Wollenpapier verfertigt. Es wird hierbei vor allem das ganze Blattdes Papiers mit Gold und Silber gedeckt und geglättet. Der Vorgang ist dieser: Mahleso fein als du kannst wenig Ocker oder Gips, wie ihn die Schneider haben, und etwasarmenischen Bolns, mische es zusammen mit Leim, welcher beinahe nur wie Wasser sei,durchaus nicht stark, sondern nur wenig Gehalt habe. Breite davon mit einem Borsten-pinsel oder, wenn du willst, mit einem von Eichhörnchenhaar eine Lage über die Blätter desWvllenpapiers aus, welche zum Schreiben brauchbar, aber nicht beschrieben sein sollen.Und sobald sie trocken sind, kehre sie um und befeuchte teils mit dem Pinsel von Eich-hörnchenhaar, teils setze das Gold auf (abwechselnd), nach jener Methode und Regel, wiedu auf dem Bolo auf der Tafel (dem Tafelgemälde auf Holz) es anbringst. Und beachtedann, sobald du alle Blätter bedeckt hast, wenn es Zeit sei, zu Polieren. Nimm einenganz glatten Stein oder ein gut poliertes und hartes Brett, und über dieses glätte dieBlätter und setze sie zur Seite. Und aus diesen Blättern kannst du Tiere, Blumen, Rosenund viele Gattungen Devisen (durch Ausschneiden) bereiten, und es macht dir großeEhre. Mache es rasch und gut. Und du kannst es mit einiger Ölfarbe ausschmücken."
Die ältesten Buntpapiere, die uns erhalten sind und die zur Auskleidung vonSchachteln verwendet wurden, stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts; dieselbensind im germanischen Museum zu Nürnberg aufbewahrt. Es sind das Papiere, die mitregelmäßig sich wiederholenden Ornamenten, darunter das im Mittelaltcr häufig ver-wendete Lilienmotiv, bedruckt sind. Die Farben derselben sind Rot auf Schwarz oderumgekehrt. Das Muster eines aus den Jahren 1540 —1550 stammenden Buntpapiers istin Abb. 150 vorgeführt; es ist Schwarz auf Weiß gedruckt, und die in den großen Vier-ecken befindlichen Kreuze sind abwechselnd mcnnig- und kirschrot bemalt. Dasselbe ist alsFutter einer runden, außen mit Leder überzogenen Schachtel verwendet und stammt