Die Herstellung des Buntpapiers. 193
wahrscheinlich aus Nürnberg. Die ebenfalls im genannten Museum zu Nürnberg befind-lichen, in einem Stammbuche erhaltenen, sogenannten Marmorpapiere stammen aus demJahre 1579 und sind zum Teil auf beiden Seiten mit roten, blauen, braunen und grauenFarben marmoriert. Das uns erhaltene älteste einfarbige Papier trägt die Jahreszahl 1686,ist von braunroter Farbe und wird ebenfalls im Museum zu Nürnberg aufbewahrt.
Da nun nicht vorauszusetzen ist, daß dies die zuerst hergestellten Buntpapiere sind, sodürften wir den Beginn der Buutpapierfabrikation, ohne einen großen Fehler zu begehen,in das 14. Jahrhundert setzen können. Ende deS 17. Jahrhunderts war in Augsburg die Joysche Fabrik vorhanden, die noch Ende des 18. Jahrhunderts in Ansehen standund in welcher das Bedrucken des Papiers schon mit Model aus Holz, sowie mittelsKupfer- und Messingplatten zur Ausführung kam. Eine auf Massenerzeuguug eingerichteteFabrik entstand 1810 in Aschaffenburg ; es wurden ferner im 17. und 18. JahrhundertBuntpapiere erzeugt außer in Augsburg, in Nürnberg, Aschaffenburg, Halle, Magdeburg ,Worms, Saarbrücken, Frankfurt, Nördlingen u. s. w.
Daß die Fabrikation schon im 17. Jahrhundert einen gewissen Höhepunkt erreichthaben mußte, beweist ein 1696 bei Johann Ziegers in Nürnberg erschienenes Buch„Kunst und Wcrkschule", in dem die Herstellung marmorierter Papiere bis in die kleinstenDetails beschrieben wird und aus dem man ersieht, daß damals schon Methoden ver-wendet wurden, die heutenoch in Anwendung ste-
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Die Buntpapiere »WWWI »WWW » » IWWW» »MM »
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nach eingeteilt werden in
schlichte Buntpapiere, -»-»»-»-E»
die in ihrer ganzen Fläche Idü. Gemustertes Auntpapiec aus dem Jastre 1540.
nur eine gleichmäßig auf-getragene Farbe zeigen, und in gemusterte, dessinierte, figurierte, ornamentierte Papiere,bei welchen entweder ein Muster, ein Ornament in einer oder mehreren Farben, oderverschiedene Muster in einer oder verschiedenen Farben, oder bloß musterartige Gebildeaus mehreren nebeneinander gesetzten Farbenflecken, oder Muster, die sich über die Flächedes Papiers erheben, also plastisch dargestellt find, oder solche, die aus dem Papierausgeschnitten sind, oder eine Kombination aller dieser Methoden u. s. w. zur Herstellungeiner dem Auge gefälligen Fläche zur Verwendung gebracht sind.
Die Rohmaterialien, die zur Herstellung der Buntpapiere dienen, bestehen vorallem aus dem hierzu zu verwendenden fertigen oder auch erst im Werden begriffenenPapiere, sodann aus den Farben oder sonst färbenden Substanzen, endlich aus denjenigenStoffen, die zur Befestigung der Farben auf dem Papier dienen und die als Bindemittelbezeichnet werden.
Was das zu verwendende Papier betrifft, so muß die Sorte je nach dem Zwecke,dem das Buntpapier dienen soll, bestimmt werden. Es kann schließlich jedes Papier inBuntpapier verwandelt werden; die aufgetragene Farbe wird jedoch nur dann rein zurGeltung kommen, wenn das gewählte Papier ganz ungefärbt, d. h. weiß ist. Je nachBedarf kann selbstverständlich mehr oder weniger festes, glattes oder rauhes Papier zurVerwendung kommen, die Festigkeit und Zähigkeit muß aber eine ziemlich große sein, dadasselbe sonst das starke Befeuchten beim Auftragen der Farben nicht auszuhalten vermöchte,ohne zu zerreißen. Das Papier wird zum Färben dadurch vorbereitet, daß es etwas an-gefeuchtet wird, in welchem Falle es die Farbe besser aufnimmt nnd gleichmäßiger zuverteilen gestattet. Wird das Papier in der Form von Bogen gefärbt, so geht das Au-
Buch der Erfind. VIII. 25